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VfB-Sieg gegen Mainz: Kleiner Befreiungsschlag

Während in der Führungsetage ein erbitterter Machtkampf tobt, kehrt die Mannschaft des VfB Stuttgart gegen Mainz in die Erfolgsspur zurück. Wamangituka wandelt auf den Spuren eines Ex-Stars, ein Abstieg ist fast schon kein Thema mehr. Dennoch drohen neue Unruhen.

VfB Stuttgart - FSV Mainz 05
Der Mainzer Phillipp Mwene (l) im Zweikampf mit Stuttgarts Silas Wamangituka. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Stuttgart.

Stuttgart (dpa/lsw) - Für den VfB Stuttgart war es das friedlichste Wochenende seit langem. Nachdem sich zum seit Wochen tobenden Machtkampf in der Führungsetage zuletzt auch wieder ein paar sportliche Sorgen gesellt hatten, hat zumindest die Mannschaft durch das 2:0 (0:0) gegen den FSV Mainz 05 zurück in die Spur gefunden. Sasa Kalajdzic per Kopf (55. Minute) und Silas Wamangituka (72.) nach einem Super-Solo über fast den ganzen Platz hatten am Freitag für den erlösenden ersten Heimsieg des Aufsteigers in der laufenden Saison der Fußball-Bundesliga gesorgt. Auf dem Rasen deutet vieles auf eine entspannte Rückrunde hin. In der Geschäftsstelle aber bleibt es unruhig.

«Die Mannschaft hat einen geilen Job gemacht», sagte Sportdirektor Sven Mislintat nach dem kleinen Befreiungsschlag. Wie sie sich gegen den extrem robust agierenden Tabellenvorletzten gewehrt habe, hätte ihn «besonders stolz» gemacht. Aus den vorangegangenen sieben Partien hatten die Schwaben nur fünf Punkte geholt, in Bielefeld (0:3) und Freiburg (1:2) zuletzt sogar zweimal in Folge verloren. Der Glanz, den die jungen Wilden des VfB in der Hinrunde ausgestrahlt hatten, schien zu verblassen. Doch mit dem Sieg gegen Mainz haben sie das desaströse Bild, das ihr Club wegen der Querelen in der Chefetage derzeit abgibt, wieder etwas aufgehübscht.

«Wir waren nicht nah an einer sportlichen Krise und sind jetzt noch weiter davon weg», spielte Coach Pellegrino Matarazzo die Bedeutung des Erfolgs zwar etwas herunter. Doch selbst wenn die sportliche Delle nicht im direkten Zusammenhang mit der Führungskrise gestanden haben dürfte, wird auch der Trainer wissen: Jeder Sieg hilft, die Stimmung zu verbessern. Auch einer im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Borussia Mönchengladbach am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr).

Mit dem Abstieg dürften die Stuttgarter, die vermutlich wochenlang auf den am Oberschenkel verletzten Kapitän Gonzalo Castro verzichten müssen, angesichts ihres üppigen Polsters auf den Relegationsrang nun kaum noch etwas zu tun haben. «Wenn wir uns auf diesem Platz zehn festbeißen und am Saisonende dort landen sollten, hätten wir eine herausragende Runde gespielt», sagte Mislintat.

Schon diese Woche werden abseits des Rasens aber wieder Neuigkeiten und damit auch weitere Turbulenzen beim VfB erwartet. Vorstandschef Thomas Hitzlsperger, der bei der nächsten Präsidentschaftswahl gegen den aktuellen Amtsinhaber Claus Vogt antreten möchte, hatte unlängst ein weiteres Statement angekündigt. Am Montag soll die mit der Aufklärung der Datenaffäre beauftragte Kanzlei Esecon dem Club ihre Ergebnisse präsentieren. Und auch mit Blick auf die für März geplante Mitgliederversammlung, die Vogt anders als seine Präsidiumskollegen in den September verlegen möchte, herrscht noch Unklarheit.

Zumindest ein paar Tage durften sich die Fans des VfB aber wieder weitgehend uneingeschränkt an ihren vielen Top-Talenten erfreuen. Vor allem an Wamangituka, dessen sehenswerter Sprint zum 2:0 gegen Mainz aus «einem geilen Ballgewinn» entstanden sei, sagte Mislintat. Bei elf Saisontoren steht der flinke Kongolese nun schon - und wandelt damit auf den Spuren von Ex-Stürmerstar Fredi Bobic. Er war in der Saison 1996/1997 der bis dahin letzte Stuttgarter, der nach 19 Spieltagen so oft getroffen hatte. Zumindest Wamangituka und Co. lassen den Anhang also wieder von besseren Zeiten träumen - trotz der Tristesse, die das Theater in der Chefetage mit sich bringt.

© dpa-infocom, dpa:210129-99-228130/4

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