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Zahlreiche Städte wollen Grundsteuer B und Gewerbesteuer erhöhen – Für manche Hausbesitzer und Unternehmen wird es teurer

Ein Abgabenbescheid für die Entrichtung der Grundsteuer liegt hier auf einem Schreibtisch. Foto: Jens Büttner/zb/dpa
Ein Abgabenbescheid für die Entrichtung der Grundsteuer liegt hier auf einem Schreibtisch. Foto: Jens Büttner/zb/dpa
Kritik des Steuerzahlerbundes: „In schwierigen und herausfordernden Zeiten wie diesen sind höhere Steuern definitiv der falsche Ansatz.“

Stuttgart/Kreis Ludwigsburg. In mehreren baden-württembergischen Kommunen kommen auf Haus- und Wohnungseigentümer oder Gewerbetreibende 2022 einer Umfrage zufolge höhere Abgaben zu. Nach Angaben des Steuerzahlerbunds plant ein Fünftel von über 100 Städten mit mindestens 20000 Einwohnern eine Erhöhung der Grundsteuer B und an die zehn Prozent wollen die Gewerbesteuer nach oben setzen. Andere Kommunen haben im ablaufenden Jahr bereits die Steuern angehoben – auch im Kreis Ludwigsburg. Andere werden im Jahr 2022 wohl folgen. Die Stadt Ludwigsburg, die zuletzt 2021 die Grund- und Gewerbesteuer erhöht hat, plant trotz schwieriger Finanzlage vorerst keine weiteren Steuererhöhungen. Verbesserte Steuereinnahmen, ein harter Sparkurs und teils deutliche Gebührenerhöhungen – geplant sind solche bei Kitas und Friedhöfen – wirken umgekehrt: Man will weniger Kredite aufnehmen, politisch gewünscht ist sogar im Sinne einer Wirtschaftsförderung eine geringfügige Senkung der Gewerbesteuer in den kommenden Jahren.

Der Chef des Bundes der Steuerzahler, Zenon Bilaniuk, kritisierte die Steuererhöhungen gestern in Stuttgart: „In schwierigen und herausfordernden Zeiten wie diesen sind höhere Steuern definitiv der falsche Ansatz.“ Die Anhebung der Grundsteuer verteuere das Wohnen und eine höhere Gewerbesteuer erschwere die wirtschaftliche Gesundung von angeschlagenen Unternehmen. In manchen Städten steht die Entscheidung über eine mögliche Erhöhung der Hebesätze noch aus.

Bewohner in 17 der insgesamt 103 angefragten Städte müssen sich laut Steuerzahlerbund auf höhere Abgaben bei der Grundsteuer B einstellen. In Schwetzingen steige der Hebesatz am deutlichsten an. Und zwar von 400 Prozent auf 460 Prozent. Dicht gefolgt von Nagold, wo der Hebesatz von 420 Prozent auf 470 Prozent erhöht werde. Schwäbisch Gmünd steigere sich von 430 Prozent auf 470 Prozent. Den höchsten Hebesatz bei der Grundsteuer im Land hätten die Bewohner weiterhin in Tübingen (660 Prozent) und Freiburg (600 Prozent) zu schultern. Am günstigsten weg komme man in Biberach an der Riß (200 Prozent) und in Ehingen (300 Prozent).

Den Spitzenplatz bei der Gewerbesteuer belegt künftig Karlsruhe. Hier werde der Hebesatz von 430 Prozent auf 450 Prozent erhöht. Somit verdränge Karlsruhe das nur wenige Kilometer entfernte Pforzheim von Platz 1 (445 Prozent). Noch extremer falle der Anstieg bei der Gewerbesteuer in Eppingen und Schwetzingen aus. Während es in Eppingen von 355 Prozent auf 385 Prozent nach oben gehe, steige er in Schwetzingen sogar von 380 Prozent auf 420 Prozent. Am niedrigsten liege der Hebesatz bei den Gewerbesteuern in Biberach (300 Prozent), Ehingen und Donaueschingen (jeweils 330 Prozent). (lsw/red)