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Natur

70 Eidechsen am Burgberg

Rund 70 Eidechsen leben derzeit am Steinheimer Burgberg – das hat zumindest eine Untersuchung der Deutschen Bahn ergeben. Damit ist der Bestand konstant. Hauptsächlich handelt es sich um Eidechsen, die wegen des Bahnprojektes Stuttgart.21 ihre Heimat verlassen mussten und in Steinheim Asyl fanden. Die Bahn spricht von einer erfolgreichen Umsiedlung.

Steinheim. Der Bestand an Eidechsen muss über fünf Jahre hinweg von der Bahn immer wieder überprüft werden, um festzustellen, dass der Umzug der Eidechsen im Zuge des Bahnprojekts Stuttgart.21 von Stuttgart nach Steinheim erfolgreich war.

Dieses Jahr gingen Experten zwischen April und September fünf Mal durchs Gelände und zählten Eidechsen. Das Ergebnis liegt nun vor. Es wurden insgesamt vier Jungtiere, eine Eidechse mittleren Alters und zehn erwachsene Zauneidechsen nachgewiesen. Im Frühjahr waren es hauptsächlich erwachsene Tiere in der Paarungszeit, im Sommer kamen frisch geschlüpfte Tiere hinzu, so dass die Bahn von einer „erfolgreichen Reproduktion“ ausgeht. „Nach Einschätzung der Behörden ist der Bestand gut“, sagt ein Sprecher der Bahn. Dies sieht der städtische Umweltbeauftragte Eric Hirsch auch so, schließlich habe die Eidechse natürliche Fressfeinde wie Vögel oder Schlingnattern. Die Zahl der gesichteten, erwachsenen Tiere wurde mit einem Faktor von acht multipliziert, um auf die tatsächliche Anzahl zu kommen. Gut übersichtliche Bereiche werden mit einem Korrekturfaktor von sechs kalkuliert. Da der Steinheimer Burgberg in seiner Struktur sehr vielfältig ist, wurde mit einem großzügigen Faktor von acht multipliziert. „Die Fläche ist wegen der Trockenmauern, Altgrasbestände und angelegten Habitate verhältnismäßig schwierig zu überblicken“, betont ein Sprecher der Bahn. Die Experten begründeten dem Faktor acht auch damit, dass viele Zauneidechsen in den jeweiligen Flächen nur einmal gesichtet wurden. Dies zeige, dass der Lebensraum so strukturreich ist, dass die Zauneidechsen viele Rückzugsräume besiedeln und nur schwer nachweisbar sind. Bereits 2014 wurden 23 erwachsene Eidechsen, elf Tiere mittleren Alters und 72 Jungtiere von Stuttgart umgesiedelt, wobei die Überlebenschancen von Jungtieren egal unter welchen Umständen ohnehin nur bei einem Viertel bis einem Drittel liegen. Weitere 60 Tiere folgten 2017, als durch die Umplanung der Bahnstrecke Stuttgart-Ulm Eidechsen aus Ober- und Untertürkheim ihre Heimat verloren. Eine Umsiedlung weiterer Eidechsen sei nicht vorgesehen, sagt der Sprecher.

Steinheim hat die Fläche am Burgberg der Deutschen Bahn zur Verfügung gestellt, im Gegenzug dazu muss diese das Gelände pflegen und die Trockenmauern sanieren. Insgesamt sind 850 Quadratmeter Weinbergmauern in drei verschiedenen Abschnitten hergestellt worden. Die Arbeiten wurden 2018 abgeschlossen. Weitere Sanierungen seien nicht vorgesehen. „Wir sind da anderer Ansicht“, so Hirsch. Die Bahn habe sich zu einer dauerhaften Unterhaltung der Trockenmauern auf 30 Jahre verpflichtet. Gespräche hierzu laufen. Auch wurden verschiedene Habitate wie Stein- und Holzhaufen sowie Sandinseln angelegt. Die Terrassen werden abwechselnd gemäht. Dabei bleiben Vegetationsbestände stehen, damit Futtertiere und Rückzugsorte vorhanden sind. Auch kommt eine Vielzahl vom Blühpflanzen vor, die Insekten anlocken.

Der Burgberg ist eigentlich ein Paradies für Eidechsen. Es bieten sich genügend Versteck- und Nahrungsmöglichkeiten. Generell ist eine Vergrämung der Tiere aber die bessere Variante. Dabei werden die Eidechsen an ihrem Standort belassen und mithilfe von schwarzen Folien auf eine andere Fläche verdrängt.

Inklusive Planungen, Gutachten, mehrjährigen Folgeuntersuchungen, Fangaktionen, Sicherung der abgesammelten Flächen gegen die erneute Besiedlung und Grunderwerb oder Pacht kostet die Umsiedlung einer Eidechse zwischen 2000 und 4000 Euro. Aus gut informierten Kreisen steht die Zahl 700.000 Euro für die Umsiedlung nach Steinheim im Raum. Dies will der Sprecher der Bahn nicht bestätigen. „Wir äußern uns nicht zu den Kosten.“ Ob der Aufwand gerechtfertigt ist? Eric Hirsch erklärt: Europäisches Artenschutzrecht muss eingehalten werden: Die Eidechse kommt bei uns häufig vor, sei aber europaweit gefährdet. In Deutschland müsse man sich dafür nicht um Steinadler oder Mufflons kümmern.

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