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Inklusion

Basketball spielen ohne aufzustehen

Den Korb zu treffen, ist schon auf zwei Beinen nicht ganz einfach. Wie man im Rollstuhl Basketball spielt, haben Schüler der Teichwiesenschule nun von einem Profi gelernt.

Werner Rieger erklärt einer Viertklässlerin, wie man im Rollstuhl gleichzeitig dribbelt und anschiebt.Foto: Benjamin Stollenberg
Werner Rieger erklärt einer Viertklässlerin, wie man im Rollstuhl gleichzeitig dribbelt und anschiebt. Foto: Benjamin Stollenberg

Korntal-Münchingen. Vorwärts geht es noch recht einfach, doch beim Rückwärtsfahren kommt es schon mal zum Zusammenstoß. Beim Slalom müssen die Schüler mit dem Rollstuhl rechtzeitig abbremsen, damit die Hütchen stehenbleiben. Auch das Dribbeln mit dem Basketball muss in diesem Sportunterricht der etwas anderen Art neu gelernt werden. Eine Doppelstunde lang können die Viertklässler ausprobieren, wie es ist, mit Behinderung Sport zu machen.

„Handicap macht Schule“ heißt das Projekt, das Kindern Inklusion im Sport näher bringen möchte. Es wurde im Schuljahr 2013/14 vom Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband (WBRS) und dem Verein Sportregion Stuttgart ins Leben gerufen. Seit diesem Jahr wird das Projekt von der Ferry-Porsche-Stiftung finanziell unterstützt. Neben Basketball ist auch Blindenfußball im Angebot. „Die Kinder können über den spielerischen Faktor mit dem Thema Behinderung in Kontakt kommen“, erklärt Barbara List, die das Projekt leitet.

Sie werden dabei nicht wie gewohnt von ihrem Sportlehrer, sondern von einem Trainer mit Erfahrung im Behindertensport unterrichtet. Beim Basketball ist das Werner Rieger, der im Alter von 19 Jahren einen Motorradunfall hatte und seitdem im Rollstuhl sitzt. Wie man trotz oder gerade mit Behinderung Sport machen kann, möchte er einem breiteren Publikum vermitteln. Er spielt selbst aktiv Rollstuhlbasketball beim TSV Ellwangen.

Zum Einstieg nimmt er mit den Kindern die bereitstehenden Rollstühle unter die Lupe. Vorne schützt ein Bügel die Füße, hinten stabilisiert ein kleines Stützrad. Die Räder stehen schräg, nicht gerade. „Damit man nicht so leicht umkippt“, erklärt sich das ein Schüler. Doch warum benutzt man solche Rollstühle dann nicht gleich im Alltag? „Man passt nicht durch die Tür in der Wohnung“, erkennt eine Schülerin.

Rollstuhlbasketball eignet sich besonders gut zur Veranschaulichung von Inklusion. Denn nicht nur Menschen mit und ohne Behinderung können es gemeinsam spielen, auch Frauen und Männer sind bis zur Ersten Bundesliga in einem Team gemischt, wie Werner Rieger betont.

Nun zu den Regeln. „Aufstehen im Rollstuhl ist verboten“, erklärt Werner Rieger. Das werde als „Lifting“ bezeichnet und zähle als Foul. Zwischen dem Prellen darf man den Rollstuhl analog zu den zwei Schritten beim herkömmlichen Basketball zweimal anschieben. Doch wie hebt man den Ball wieder auf, wenn er runtergefallen ist? Zur Begeisterung der Schüler kommt er mit etwas Übung von alleine nach oben, wenn man ihn im Vorbeifahren gegen das Rad drückt. Nachdem die Techniken einzeln geübt wurden, gibt es zum Abschluss noch ein Spiel. Dabei hängt der Korb so hoch wie immer.

Insgesamt haben bisher über 12 000 Kinder an 287 Schulen in Württemberg bei „Handicap macht Schule“ mitgemacht. Die Teilnahme ist kostenlos. Das Feedback der Schüler ist laut Thomas Nuss, Geschäftsführer des WBRS, immer „gigantisch“. Im Anschluss an den Besuch in der Schule wird das Thema im Unterricht nachgearbeitet, oft schicken die Kinder gemalte und geschriebene Eindrücke: „Wie sie das umsetzen, ist manchmal unvorstellbar.“

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