Logo

Atomkraft

Castor-Spezialschiff unterwegs

Vorbereitungen für den zweiten Transport von ausgedienten Brennelementen auf dem Neckar laufen

350_0900_16925_CONEne_sv2_2.jpg
Der leere Schubverband hat in Neckarwestheim abgelegt und ist nach Obrigheim gefahren.Archivfotos: Alfred Drossel
350_0900_16926_CONESchubverband.jpg

neckarwestheim. Der zweite Atomtransport auf dem Neckar geht in die nächste Phase. Ein unbeladener Schubverband hat gestern Morgen gegen 6.35 Uhr von der Anlegestelle des Kernkraftwerks Neckarwestheim abgelegt und ist nach Obrigheim gefahren, um dort die gefüllten Atombehälter abzuholen. Dort kam er kurz vor 16 Uhr an. Dies teilte der Energiekonzern EnBW mit.

Der Schubverband besteht aus einem Schubleichter und dem Schubboot „Edda“. Die Fahrt ist Teil der Vorbereitungen für den zweiten Castor-Transport, den die EnBW am 25. August angekündigt hat. In Obrigheim sollen die drei Castorbehälter mit ausgedienten Brennelementen möglicherweise heute verladen und voraussichtlich spätestens am morgigen Mittwoch ins Zwischenlager am Kraftwerk Neckarwestheim gebracht werden.

Die Polizei sicherte gestern das Spezialschiff mit einem starken Aufgebot. Im Einsatz waren die Wasserschutzpolizei, ein Hubschrauber sowie am Ufer Sicherheitskräfte. Die Behörden sprachen einige Stunden nach Beginn der Fahrt von einem ruhigen Verlauf. „Alles störungsfrei und wie geplant“, sagte ein Polizeisprecher. Mit einem ebenfalls großen Polizeiaufgebot hatte die EnBW am 28. Juni den bundesweit ersten, knapp zehnstündigen Transport mit hoch radioaktivem Müll von Obrigheim nach Neckarwestheim geschickt. Die Polizei rechnet auch dieses Mal während der Rückfahrt etwa in Lauffen mit weiteren Protesten von Atomkraftgegnern. Beim ersten Transport Ende Juni hatten sich einige Gegner von Brücken abgeseilt. Die Transporttermine für die in Obrigheim mit Brennelementen beladenen Castorbehälter dürfen die EnBW und das von ihr beauftragte Transportunternehmen nicht bekanntgeben. Insgesamt sind fünf Transporte mit je drei Castoren geplant. Zusammen sollen damit 342 ausgediente Brennelemente nach Neckarwestheim gebracht werden.

In einer Pressemitteilung ruft das Aktionsbündnis „Neckar castorfrei“ dazu auf, in Lauffen gegen diese „gefährliche und sinnlose Atommüllverschiebung“ zu demonstrieren. Obrigheim werde nicht zur grünen Wiese, habe noch jahrelang radioaktiven Abrissmüll auf dem Gelände. Die Tunnelröhren in Neckarwestheim seien alles andere als ein sicheres Zwischenlager. Die fünf Transporte lösten kein Problem, schafften aber ein Bündel neuer Probleme. Ein Verschieben des Mülls von A nach B sei ein Taschenspielertrick. Es gebe keine Langzeitlösung.

Auch der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz ruft erneut zum Protest auf: „Der ins Stocken geratene Atomausstieg muss sofort beendet werden. Noch laufende Atomkraftwerke dürfen keinen Atommüll mehr produzieren, Atomtransporte mit Schiffen, Lkw und Sonderzügen müssen unterbunden werden.“