Logo

Mensa

„Cooles“ und funktionales Gebäude

Manche sagen, es sieht aus wie ein Raumschiff, andere, wie ein Kristall, eines ist die neue Mensa bei den Schulen aber bestimmt: außergewöhnlich.

350_0900_16619_COKR02_08_17_Theiss_12.jpg
Die grünen Fensterscheiben unter anderem am Eingang sind als Blickfang gedacht. Das Gebäude hat eigentlich die Form einer Raute, die Ecken sind aber abgerundet.Fotos: Ramona Theiss
350_0900_16620_COKR02_08_17_Theiss_11.jpg

Steinheim. „Wir wollten etwas Cooles erschaffen, wo die Kinder gerne hingehen“, betont der Stuttgarter Architekt Tom-Philipp Zoll. Das fängt bei der Form an. Vom Gelände vorgegeben ist eine Raute. Diese Form ist aber schwierig, da die extremen Spitzen sich räumlich nicht nutzen lassen. Und die Spitzen nur abzuschneiden, ist architektonisch weniger schön, also entschied man sich für Rundungen. Diese ergeben ganz andere Perspektiven: Das Gebäude hat keine typische Rückseite. „Wir wollten nicht diese typisch hässliche Rückseite mit Anlieferung, Müllstellplätzen und Lüftungsanlage. Dies alles ist im Gebäude integriert. Es wirkt wie ein Kristall“, erklärt Tom-Philipp Zoll.

Über die Wege wird der Betrachter um das Gebäude herum gelockt, hat immer wieder andere Blickwinkel auf die Fassade. „Das gibt eine interessante Wirkung“, betont Projektleiter Joachim Bürklein. Denn auch die Fassade ist keine gewöhnliche. Sie besteht aus Profilbauglas. Nur mit diesem Glas ließen sich die Rundungen realisieren. In richtigem Glas wäre eine solche Fassade unbezahlbar.

Das Besondere an diesem Glas: Es lässt viel Tageslicht durch, ohne dass die Räume dahinter einsehbar sind. Das weiße Vlies dazwischen dient als Schutz vor Sonneneinstrahlung und gleichzeitig als Wärmeschutz. Je nachdem wie die Sonne ins Gebäude scheint, zeichnet sich der Schatten der umliegenden Bäume anders ab.

Die vier Fenster wie zum Beispiel am Eingang sind aus grünem Sicherheitsglas, das wie Autoscheiben nicht splittert. Die Folie innen ist eingefärbt, die Farben Gelb, Rot und Grün standen zur Auswahl. Man hätte auch gräulich wirkendes Sonnenschutzglas nehmen können, doch der Gemeinderat entschied sich für Farbe. Denn ursprünglich sollte die ganze Fassade farbig sein, was man aber verworfen hat, da sich die farbige Folie nicht sauber ins Profilglas einarbeiten lasse. Der Gemeinderat hat sich für grüne Scheiben entschieden, auch wenn auf die Sitzplätze am Fenster nun grünliches Licht falle. „Die Fenster sind ein schöner Eyecatcher“, findet Zoll. Sie können über Nacht automatisch geöffnet werden, der Beton und der Boden kühlen sich dadurch über Nacht um ein paar Grad ab.

Die Sichtbetonwände im Inneren haben sich bei kommunalen Gebäuden bewährt, da sie am pflegeleichtesten sind und solide, so Bürklein. Die Handläufe sind indes aus Eichenholz als Kontrast gestaltet. Die Möbel nehmen die Farbigkeit wieder auf. Hauptsächlich sind es weiße Stühle, grüne und türkisfarbene werden eingestreut. Die Sitzgruppen sind aus Eichenholz. Der Boden passt sich in der gräulichen Farbe dem Sichtbeton an, hat zudem eine spezielle Beschichtung, die robust und pflegeleicht ist, so Bürklein.

Die Galerie dient als Erweiterung. Derzeit stehen 170 Sitzplätze zur Verfügung, auf der Galerie sind es 48. Durch die Stützen im sechs Meter hohen Raum ist die Galerie ebenfalls noch erweiterbar. Nettes Detail in den Toiletten, die Spiegel werden von oben beleuchtet.

Rund die Hälfte des Gebäudes macht der Funktionstrakt mit Essenausgabe, Küche, Spülküche, Kühlraum, Büro aus. Die Lüftungsanlage steht auf dem Dach.

Die Mensa hat eine lange Vorgeschichte. Gestartet ist das Büro Zoll mit einem Kombibau aus Mensa und Stadthalle. Das Projekt war dem Gemeinderat mit geschätzten Kosten von 13,7 Millionen Euro zu teuer. Das Projekt wurde gestoppt.

Im Frühjahr 2015 wurde der Entwurf für die Mensa mit Kosten von 3,66 Millionen beschlossen. Nachdem die Kosten für die Stahlbauträgerkonstruktion explodiert waren, schrieb man neu aus und landete bei 3,9 Millionen Euro. Derzeit vorgegeben ist ein Rahmen von 4,08 Millionen Euro. „Wir werden nach der Prognose aber etwas günstiger“, sagt Zoll, der sich auf die Einweihung am 8. September freut und gespannt ist auf die Reaktionen der Kinder.