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DRK-Rettungswache

Die Nutzung wird nicht untersagt

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) will mit seinen Rettungswagen schneller im Bottwartal sein und hat deshalb ein Firmengebäude im Ziegeleiweg in Murr als neuen Standort angemietet. Das lässt verärgerte Anwohner nicht ruhen; sie beklagen, dass der DRK den Betrieb schon aufgenommen habe – ohne Baugenehmigung. Das DRK widerspricht.

Dieses ehemalige Firmengebäude hat das Rote Kreuz gemietet. Tagsüber stehen dort zwei Rettungswagen (unten).Fotos: Karsten Schmalz
Dieses ehemalige Firmengebäude hat das Rote Kreuz gemietet. Tagsüber stehen dort zwei Rettungswagen (unten). Foto: Karsten Schmalz
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Murr. Schon als Mitte Dezember der Technische Ausschuss des Murrer Gemeinderats über das Baugesuch des Rotes Kreuzes beraten hatte, hatte eine Handvoll Anwohner protestiert: Der Standort sei ungeeignet, weil er von Tempo-30-Zonen umgeben sei und weil vor allem die Sicherheit von Kindern gefährdet würde. Außerdem fürchten die künftigen Nachbarn den Lärm des Martinshorns.

Die Gemeinderäte hatten unter zwei Voraussetzungen dem Vorhaben zugestimmt: Zum einen muss das DRK ein Lärmgutachten vorlegen, zum anderen muss das Landratsamt prüfen, ob eine Rettungswache an diesem Standort, der innerhalb eines eingeschränkten Gewerbegebiets liegt, verträglich beziehungsweise „nicht wesentlich störend“ sei, wie es der Bebauungsplan vorschreibt. Komme auch das Landratsamt als übergeordnete Behörde zu einem positiven Ergebnis, sei gegen das Vorhaben nichts einzuwenden. Zumal die Gemeinde keinen Einfluss auf die private Nutzung eines Geländes habe.

Die Anwohner ließen jedoch nicht locker. Sie kritisierten, dass das DRK den Betrieb bereits aufgenommen habe, ohne die Baugenehmigung abzuwarten. Die großen Fenster würden zugestellt, damit man das von außen nicht sehe. Diese Beobachtung teilten die Anwohner der Gemeinde mit, die die Information daraufhin ans Landratsamt weiterreichte.

Es sei sicher nicht in Ordnung, so zu verfahren, sagte ein Sprecher des Landratsamtes: „Die Nutzung wurde ohne unsere Kenntnis aufgenommen.“ Daraufhin habe die Behörde vor Ort überprüft, ob es auf Grund vorhandener Mängel geboten sei, die Nutzung zu untersagen. Dieser Prüfungstermin habe vor wenigen Tagen stattgefunden. Ergebnis der Prüfung: Die Nutzung muss nicht untersagt werden.

„Wir haben die Wache überhaupt noch nicht in Betrieb genommen“, betont Manfred Hormann, Geschäftsführer beim DRK-Kreisverband Ludwigsburg. Unter der Woche stünden lediglich zwischen 7 und 17 Uhr zwei Rettungsfahrzeuge in Murr, die bislang noch ihre „Heimat“ in Marbach haben, wo sie nachts und am Wochenende auch zu finden sind. Erst wenn die Genehmigung des Landratsamtes vorliegt, werde mit dem Umbau des ehemaligen Firmengebäudes im Ziegeleiweg begonnen, erst dann stünden die Rettungsfahrzeuge die ganze Woche rund um die Uhr in Murr, erst dann werde auch die gesamte Logistik – Materialausstattung der Fahrzeuge, Arbeitskleidung der Sanitäter – nach Murr umziehen.

Außerdem sollen Dusch- und Schlafräume für das Personal gebaut werden – „aber erst, wenn wir die Genehmigung aus dem Landratsamt haben“, versichert DRK-Geschäftsführer Hormann. Und die zugestellten Fenster? Man habe lediglich altes Mobiliar aus den ehemaligen Firmenräumen umgestellt, damit die Rettungswagenbesatzung Platz hat zum Sitzen.

Bewährt haben sich die zwei Rettungswagen im Ziegeleiweg offenbar bereits bei einigen Einsätzen: Erst kürzlich sei der Rettungswagen als erster an der Unglücksstelle gewesen, sagt Hormann.

Denn darum geht es bei der Verlegung des Standorts von Marbach nach Murr: Die Rettungsfristen sollen verbessert werden. Das heißt, bei einem Unfall soll ein Rettungswagen innerhalb von 15 Minuten am Unfallort sein. Bisher trifft das in 93 Prozent der Fälle zu, angepeilt werden aber 95 Prozent.

Das ist auch ein Argument, das Murrs Bürgermeister Torsten Bartzsch akzeptiert, auch wenn er den Standort im Ziegeleiweg für „sicherlich nicht optimal“ hält, aber: „Wenn auch die letzte Ecke in Prevorst schneller angefahren werden kann, und wenn damit Leben gerettet werden können, hat sich das rentiert“, sagt Bartzsch.

Den Anwohnern gegenüber signalisierte er Verständnis, aber das Allgemeinwohl sei höher zu bewerten.

Und was die Fahrt der Rettungswagen durch Tempo-30-Zonen mit spielenden Kindern, Joggern und Radlern angeht, versichert DRK-Geschäftsführer Hormann: „Unsere Rettungswagenfahrer sind Profis, die sind solche Situationen gewohnt.“

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