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Kreisjugendorchester

Dirigentenjubiläum: Weiter im Takt

Seit 20 Jahren dirigiert Roland Haug das Kreisjugendorchester Ludwigsburg. Zum Jahreskonzert am 4. November werden deshalb seine „Lieblingsmelodien“ aus den letzten zwei Jahrzehnten gespielt. Was sich in all den Jahren verändert hat und warum Karel Gott das Kreisjugendorchester besonders beeindruckt hat, erzählt Roland Haug unserer Zeitung.

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Dirigiert seit 20 Jahren das Kreisjugendorchester: Roland Haug, hier im Jahr 2017 bei den Proben für die Musical-Gala in Ludwigsburg. Archivfoto: Karin Rebstock

Besigheim/Marbach. „Gefühlt spiele ich meine Lieblingsmelodien schon seit 20 Jahren“, sagt Roland Haug und lacht. Schließlich sucht ein Dirigent immer nur die Titel für sein Orchester aus, die auch ihm persönlich gefallen. Die passenden Melodien für das Jahreskonzert des Kreisjugendorchesters (KJO) am 4. November in der Stadthalle Marbach zu finden, war deshalb gar nicht so leicht. Acht Nummern hat Haug nun zusammengestellt – alle seine ganz persönlichen Favoriten aus den vergangenen zwei Jahrzehnten. Denn so lange dirigiert der Besigheimer Stadtmusikdirektor schon das Kreisjugendorchester.

Mit allen Titeln verbindet Haug etwas ganz Besonderes: Die alten russischen Volksweisen hat das Orchester beispielsweise schon auf seiner Reise durch Rumänien gespielt – „ganz eingängige Melodien, die sofort ins Ohr gehen“. Die „Jerusalemlieder“ hat der 49-Jährige erst kürzlich kennengelernt – bei seiner Reise mit dem KJO nach Israel (wir berichteten). Solist Fabian Kobza wird beim Jahreskonzert auf dem Xylofon lateinamerikanische Melodien spielen, die das Orchester so noch nie intoniert hat.

Haugs Titelauswahl zeigt: Das Kreisjugendorchester ist zwar fest im Landkreis verwurzelt – kommen doch die meisten der 100 Musiker aus der Region. Zu Hause ist das KJO aber in der ganzen Welt. Denn die Konzertreisen haben schon in viele Länder geführt. Doch eines war dabei immer gleich: Musik verbindet die Kulturen und sprengt vermeintliche Barrieren und Grenzen, das haben die Musiker auf jeder ihrer Reisen erfahren.

1998 wurde Haug von der Vorstandschaft des Blasmusik-Kreisverbandes Ludwigsburg zum neuen Dirigenten des Kreisjugendorchesters gewählt. Doch gänzlich neu war ihm die Arbeit nicht, schließlich war er schon zuvor im Verband engagiert und hatte eng mit seinen Vorgängern José Mali und Anneliese Tosch zusammengearbeitet. Und auch die andere Seite kannte der damals 28-Jährige, denn er war einige Jahre als Trompeter im KJO aktiv.

Engagiert und manchmal vielleicht auch etwas zu ehrgeizig sei er damals ans Werk gegangen, blickt Haug heute auf seine Anfänge zurück. „Manche Dinge sieht man im Lauf der Zeit realistischer.“ Geblieben ist aber der Anspruch an sich selbst und sein Orchester: „Ich bin sehr genau, 98 Prozent reichen mir nicht“, beschreibt er sich als etwas pedantisch. „Für das Orchester und das Publikum soll jedes Konzert ein Höhepunkt sein, deshalb bereiten wir uns immer sehr genau vor.“

Die Anforderungen sind dabei besonders hoch – für die Musiker und den Dirigenten. „Die Besonderheit im KJO ist der häufige Wechsel. Ich weiß im Januar zum Beispiel nicht, wer im November noch dabei ist“, beschreibt Haug die Herausforderung. Die Jugendlichen sind in der Regel zwischen 15 und 21 Jahre alt, nach Abschluss der Schule verlassen sie mitunter den Landkreis und damit auch das Orchester. Auch der Wandel in der Gesellschaft mache sich bemerkbar: Nicht nur, dass die Jugendlichen heute weniger Zeit hätten, auch die Wertschätzung sei eine andere geworden. „Früher war es eine Ehre, im Kreisjugendorchester zu spielen. Heute ist es auch noch toll, aber der Stellenwert hat sich verändert.“

Haug hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen festen Konzertplan und die Konzertreisen etabliert, auch die Musical-Gala im Ludwigsburger Forum ist nicht mehr wegzudenken. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm allerdings die zwei Konzerte mit dem Schlagersänger Karel Gott Anfang der 2000er Jahre in Ludwigsburg – diese Zusammenarbeit beeindruckt Haug bis heute. Die jungen Musiker hätten sich zunächst nicht sonderlich für den tschechischen Sänger interessiert, der ihnen höchstens durch „Biene Maja“ bekannt war. Doch schließlich habe Karel Gott sie alle total begeistert: „Er hat eine seltene Stimme, eine unglaubliche Begabung und ein wahnsinniges Repertoire. Der Mensch Karel Gott hat uns alle sehr berührt“, schwärmt Roland Haug. Bei all der Veränderung in den vergangenen 20 Jahren war der Dirigent die Konstante für das Kreisjugendorchester. Wird er das auch in den nächsten 20 sein? „Nein!“, sagt der 49-Jährige bestimmt. „Wenn die Voraussetzung und die Chemie stimmen, kann ich mir gut vorstellen, es noch einige Zeit zu machen. Aber ich möchte nicht, dass die Jugendlichen irgendwann sagen: ,Jetzt wäre es gut, wenn der alte Mann endlich aufhört.‘“ Irgendwann sei die Zeit reif für neue Impulse, diese Chance dürfe man dem Orchester nicht verbauen.

Info: Das Jahreskonzert des Kreisjugendorchesters findet am Sonntag, 4. November, um 17 Uhr in der Stadthalle in Marbach statt. Einlass ist von 16.30 Uhr an. Der Eintritt kostet 10 Euro, Kinder bis 14 Jahren zahlen 5 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Buchhandlung Taube in Marbach, per E-Mail unter

karten@kvlb.de oder an der Abendkasse.