Schwieberdingen. Lastenfahrräder sind derzeit immer häufiger im Straßenbild zu sehen – doch was Passanten immer mal wieder im Strohgäu zu Gesicht bekommen, ist dann doch ungewöhnlich: einen großen Neufundländer im huckepack, teils ausgestattet mit einer „Fahrerbrille“.
Das 88 Kilogramm schwere Tier namens Urs gehört Heidi Zaiser aus Schwieberdingen. Ihr Neufundländer könne zwar laufen und sehr gut Rettungsschwimmen – doch nicht immer will er das offenbar. „An sehr heißen Sommertagen können wir praktisch gar nicht vor die Tür, weil es Urs viel zu warm ist.“ Aus „der Not heraus“ habe sie sich deshalb das Lastenrad angeschafft, berichtet Heidi Zaiser. In den kühleren Morgen- und Abendzeiten steigt ihr Hund ins Fahrrad und die beiden brausen hinaus aufs Feld, wo sie dann spazieren gehen.
Und nicht nur das: „Weil er so brav und stolz im Rad sitzt und mittlerweile auch die Kurventechnik beherrscht, haben wir unsere Fahrten auf Einkäufe in den Nachbarorten, die über Radwege erreichbar sind, ausgedehnt“, so Zaiser. „Wir haben beide einen Riesenspaß und meiner Fitness tut’s auch gut.“ Ganz zu schweigen von der Umwelt, denn ihr Auto nutze sie in der näheren Umgebung praktisch kaum mehr – das würde sie sich auch für andere Hundebesitzer wünschen, vor allem für diejenigen, die ihr Tier mit dem Auto zum Ausführen fahren.
Ganz ohne fremden Antrieb geht es aber auch für sie nicht, denn Urs ist alles andere als ein Leichtgewicht. Heidi Zaiser hat sich deshalb ein Modell mit einem bei Bedarf nutzbaren Elektroantrieb gekauft. Mit dem Eigengewicht das Rades kann sie so 120 Kilogramm fortbewegen.
Das ungewöhnliche Gespann zieht natürlich die Aufmerksamkeit auf sich: „Wir werden ständig angesprochen und gar angehalten.“ Unlängst sei sogar ein rumänischer Sattelzugfahrer mitten auf der Hauptstraße stehengeblieben, ausgestiegen und mit ausgestrecktem Arm und Smartphone auf sie zugerannt. „Bitte, Foto für meine Kinder!“, habe er gerufen. Offenbar hat sie aber auch schon andere Reaktionen bekommen. „Manche Zeitgenossen mögen uns, also eher mich, für verrückt erklären“, sagt sie. „Aber das macht nichts. Für uns ist diese Art des Schwertransports perfekt und wir behindern niemanden.“
