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Natur

Geringe Apfelernte erwartet

Die Apfelernte auf den Streuobstwiesen wird dieses Jahr wohl sehr kläglich ausfallen: Grund ist eher nicht die frühe Blüte, sondern die so genannte Alternanz: Im vergangenen Jahr hingen die Bäume brechend voll, im Jahr darauf fällt der Ertrag dann meistens gering aus.

Foto: Felix Kästle/dpa
Foto: Felix Kästle/dpa

Beilstein/Kreis Ludwigsburg. Begonnen hat die Apfelblüte dieses Jahr am 8. April und endete überwiegend am 28. April; einige späte Sorten blühten auch noch etwas länger. Die frühe Blüte sei bereits in den vergangenen Jahren nichts Ungewöhnliches mehr gewesen, betont Günter Plonka, Obstbauberater vom Landratsamt Ludwigsburg. Vor rund 50 Jahren hätten die meisten Apfelbäume noch im Mai geblüht, wegen des Klimawandels sei inzwischen der April der Hauptmonat. „Wir hatten Jahre, da war die Blüte noch früher dran“, weiß Günter Plonka. 2014 zum Beispiel schon am 1. April, 2017 am 3. April. Im Jahr 2013 startete die Blüte erst am 24. April.

Das Problem in diesem Frühjahr war nicht, dass die Bäume zu früh, sondern dass ein Großteil überhaupt nicht blühte. „Die Apfelblüte im Streuobstbereich war im ganzen Landkreis sehr, sehr schwach“, so Plonka. Das liege daran, dass nach einem Jahr mit sehr viel Ertrag – wie es 2018 war – oft ein Ausfalljahr folge. In den sogenannten Vollertragsjahren muss der Baum – vollbehangen wie er ist – auch noch Blüten anlegen. Das macht er aber nicht, weil er (zu) viele Früchte trägt. 2018 war das anders. 2017 gab es den großen Frost im April, die den Ertrag stark schmälerte. Der Baum konnte somit viele Blüten für das kommende Jahr anlegen. „Dieses Jahr ist die Alternanz als Spätfolge des Frostes 2017 sehr stark“, sagt Plonka.

Keine Rolle hätten indes, wie häufig behauptet wird, die Bienen gespielt. Die Geschichte, dass die Bienen noch gar nicht unterwegs waren, als die Apfelbäume blühten, sei ein Märchen. Am Osterwochenende sei es sehr sonnig und warm gewesen und die Bienen seien auch geflogen, „aber eben nicht auf Apfelbäume, da es dort keine Blüten gab“, erklärt Plonka. In der Woche zuvor sei es sehr kalt gewesen, weshalb da tatsächlich nur wenige Bienen unterwegs gewesen seien. Im Gegensatz zu den Honigbienen, die bei kühlen Temperaturen lieber im Stock bleiben, seien die Wildbienen und Hummeln aber auch bei schlechterem Wetter unterwegs.

Im Tafelobstbau sieht die Lage nicht ganz so schlecht aus. Dort treten die Alternanzen nicht so stark auf, da die Bäume mehr gepflegt werden. In einem ertragreichen Jahr werden die Apfelbäume ausgedünnt, wenn sie zu viele Blüten haben, um das Phänomen abzumildern. Hauptsächlich betroffen von der Alternanz sind Äpfel – insbesondere die Sorten Elstar und Jonagold reagieren sensibel auch auf die Witterung – und Birnen. Bei Kirschen und Zwetschgen erwartet Obstbauberater Plonka keine Einbußen. Auch für den Regen in den vergangenen Wochen ist Plonka dankbar. Zwar treten wegen der nassen Witterung die Kirschessigfliege und Pilzkrankheiten häufiger auf, „aber das ist alles besser, als noch mal so ein trockenes Jahr wie 2018.“

Ausfälle auch beim Steinkauz-Projekt

Ein bisschen kühl sei es während der Blüte gewesen, sagt auch Thomas Wick vom Steinkauz-Streuobstwiesenprojekt in Beilstein. Teilweise seien die Temperaturen in die Nähe des Frostbereiches gesunken, weshalb es auch kleinere Erfrierungen gab. Im Bereich rund um Beilstein sei die Apfelblüte eher „mittelmäßig bis schlecht“ gewesen. „Bei mir selbst sind es nur die spät blühenden Brettacher, die Früchte angesetzt haben“, sagt Wick. Von den einzelnen Äpfeln an den Bäumen profitierten die Vögel und Insekten. „Sie werden eher angepickt und fallen auch früher vom Baum“, so Wick.

Der trockene Winter in Kombination mit den vielen Früchten im vergangenen Herbst hätten die Bäume sehr gestresst, sagt Wick, so dass viele alte Bäume absterben oder zumindest dicke Äste abbrechen würden. Auch den leichten Sturm im Frühjahr hätten nicht alle Exemplare überstanden.

Vergangenes Jahr sei die Ernte tatsächlich sehr gut ausgefallen. Die mehr als 1400 Tonnen abgelieferte Äpfel seien das höchste Ergebnis, das die Initiative je hatte. Dabei seien noch viele Früchte, die schon im August abgefallen waren, auf den Wiesen liegengeblieben. Auch hätten viele Streuobstwiesenbesitzer die noch im November fest an den Bäumen hängenden Äpfel nicht mehr geerntet. „Sonst hätten wir mehr als 1500 Tonnen angenommen“, ist Wick sicher.

Im Moment sei noch nicht ganz klar, wie die Initiative trotz der etwas besseren Aussichten im Heilbronner Land mit der zu erwartenden geringeren Ernte umgeht. „Wir haben noch Saft vom letzten Jahr. Nun ist die Frage, ob wir den verkaufen oder behalten, damit er uns nicht ausgeht.“ Entscheiden werde man erst, wenn man klarer sehe, wie viele Früchte an den Bäumen hängen. In manchen Gegenden sehe es besser aus. Die 350 Mitglieder sind weit verstreut und kommen aus dem Enzkreis, dem Rems-Murr-Kreis, dem nördlichen Kreis Ludwigsburg, dem Kreis Heilbronn und aus dem Hohenlohekreis. (pat)

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