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Medizin

Hat die Tagesklinik eine Zukunft?

In Vaihingen gibt es seit drei Jahren ein geriatrisches Haus – ob das Modellprojekt fortgesetzt werden kann, scheint derzeit offen zu sein.

Ein Schild weist in Vaihingen den Weg zur Geriatrischen Tagesklinik: Ein Antrag auf Verlängerung ist aber offenbar noch nicht befürwortet worden. Foto: Albert Arning
Ein Schild weist in Vaihingen den Weg zur Geriatrischen Tagesklinik: Ein Antrag auf Verlängerung ist aber offenbar noch nicht befürwortet worden. Foto: Albert Arning

Vaihingen. Im Februar 2016 geht im ehemaligen Vaihinger Krankenhaus eine internistisch-diagnostische Tagesklinik für geriatrische Patienten an den Start – und bisher hat die Regionale Kliniken Holding RKH, zu der auch die Krankenhäuser im Kreis gehören, kaum eine Möglichkeit ausgelassen, um das Modell für Altersmedizin als Erfolg zu preisen. Man freue sich regen Zuspruchs, hatte es zuletzt im August 2018 geheißen.

Der Facharzt Bernt Müller bekannte jetzt bei der Hauptversammlung des Vaihinger Krankenpflegevereins allerdings, dass er bei niedergelassenen Ärzten „Klingeln putzen“ musste, um Patienten zugewiesen zu bekommen. Und auf Nachfrage aus der Versammlung gestand Müller ein, dass die Zukunft keineswegs gesichert sei. Der Versuch sei Ende Januar ausgelaufen. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) habe im September eine Prüfung angesetzt. Man habe den Antrag auf Verlängerung um fünf Jahre gestellt. Nach seinen Informationen liegt jedoch noch keine Entscheidung vor. Müller: „Ich bin aber zuversichtlich, dass es eine gibt.“

Möglich ist es, in der Tagesklinik bis zu 18 Patienten zu versorgen, die übrigens nicht in Betten liegen. Sie haben allenfalls Ruheliegen. Die Tagesklinik versteht sich als Bindeglied zwischen der ambulanten und stationären Versorgung zur Sicherung einer selbstständigen Lebensführung älterer Menschen. Mit ihrer Hilfe soll einerseits ein stationärer Aufenthalt vermieden, andererseits die Angehörigen und die niedergelassenen Ärzte durch den Wegfall mehrerer Untersuchungs- und Behandlungstermine und dem organisatorischen Aufwand entlastet werden.

Ein Team aus Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten stellt montags bis freitags von 9 bis 16.30 Uhr eine medizinische und therapeutische Behandlung sicher und unterstützt die Patienten, die mindestens 67 Jahre alt sein müssen, dabei, so lange wie möglich autark zu bleiben. Liegt eine stationäre Einweisung vor, können hier Patienten mit Schwindel, Herzinsuffizienz, Diabetes, Schmerzsyndromen, Gehstörungen und anderen Krankheitsbildern versorgt werden.

Das Therapieangebot beinhaltet neben einer Ernährungsberatung und täglicher Physiotherapie und Ergotherapie ebenso Übungen zur Sturzprophylaxe, Gangschulungen, Balanceübungen, Schlucktherapien, Kontinenz-Trainingseinheiten sowie die Beratung und Anleitung von Patienten und Angehörigen bei Alltagsfragen. Oft muss auch der Medikamenten-Plan entrümpelt werden. Der Patient wird morgens von einem rollstuhlgerechten Taxiunternehmen abgeholt und abends wieder nach Hause gebracht. Ausschlusskriterien sind unter anderem starke Verwirrtheit, Aggressivität, akute Infekte oder höhergradige Bettlägerigkeit. Das Einzugsgebiet liegt in einem Radius von rund 25 Kilometern rund um Vaihingen.

„Unser Ziel ist es, die Lebensqualität der älteren Patienten zu verbessern und die größtmögliche Selbstständigkeit zu erhalten, denn Alter ist keine Krankheit“, so Müller. Immerhin liege die durchschnittliche Lebenserwartung bei 70-Jährigen noch bei rund 15 Jahren bei Männern und 17 Jahren bei Frauen. Er verweist auf ein Zitat, das von der Altersforscherin Ursula Lehr stammt: „Es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie man alt wird.“

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