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Charity

Heiße-Herzen-Fahrt als nass-fröhlicher Spaß

19. Spendenfahrt des Kanuclubs CJD Kaltenstein auf der Enz in Vaihingen – Erlös geht dieses Mal an die Familienherberge in Schützingen im Enzkreis

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Bunte Gaudi auf der Enz an einem trüben Samstag im Advent: Heiße-Herzen-Fahrt des Vaihinger Kanuclubs CJD Kaltenstein. Foto: Albert Arning

Vaihingen. Das Wasser der Enz hat fünf Grad. Da reinfallen wäre schon recht erfrischend. Auch die Jungs in den Hawaii-Hemden und den kurzen Hosen ziehen es vor, an Bord zu bleiben. Das gilt auch für die Paddler aus Singen, die sich als Osterhasen verkleidet haben. Die beiden Gruppen fallen bei der 19. Heiße-Herzen-Fahrt der Jugend vom Kanuclub CJD Kaltenstein in Vaihingen besonders auf.

Es ist schon ein besonderes Ereignis, das der Kanuclub – er zählt 235 Mitglieder und wird von Jörg Schabram geleitet – da entwickelt hat. Aus dem ganzen Land reisen die Freunde des Wassersports im Dezember nach Vaihingen, verkleiden sich mehr oder weniger fantasievoll und paddeln dann mit heißen Herzen und kalten Füßen bei meist trübem Wetter die vier Kilometer von Roßwag nach Vaihingen. Die Vaihinger Stocherkahnfahrer „Enzlöwen“ müssen wegen des hohen Wasserstands passen.

Die Aktion soll nicht nur ein Selbstzweck sein, sondern immer auch einen Erlös für eine karitative Einrichtung erbringen. 11 301 Euro zeigt das Spendenbarometer von Kassierer Rudolf Mauch am Samstag vor der 19. Fahrt an. Am Ende werden es mehr als 12 000 Euro sein. Bedacht wurden unter anderem schon die Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker, der Tafelladen oder der Verein Wish. Diesmal gehe der Erlös an das Projekt Familienherberge in Schützingen, berichtet Jugendleiter Paul Rimmele. „Wir schenken Familien mit schwerstkranken Kindern eine Auszeit vom Alltag, indem wir sie auf ganzer Linie unterstützen und entlasten. Dazu bieten wir Kurzzeitwohnplätze für die ganze Familie und ein kompetentes und warmherziges Pflege-Team, das das kranke Kind während des Familienaufenthalts liebevoll und professionell betreut.“ So informiert Udo Beller vom Vorstand des Fördervereins am Vaihinger Enzufer. Wenn alles klappe, könne man im Mai die Eröffnung des Hauses feiern. Drei Millionen Euro seien zu finanzieren, 2,5 Millionen habe man zusammen.

Die Feuerwehr steht mit neun jungen Männern parat. Man hat das Boot mit Außenbordmotor der Abteilung Enzweihingen eingesetzt. Bei der Spaßveranstaltung soll kein Risiko eingegangen werden, immerhin herrscht leichtes Hochwasser; der Vaihinger Pegel steht bei 1,72 Meter. „In den vergangenen Jahren ist immer alles gut gegangen“, sagt Einsatzleiter Tino Cafaro. Nur einmal habe man ein Kanu an Bord nehmen müssen. Einige Kajakfahrer lassen es sich aber auch diesmal nicht nehmen, an den Brücken zur Show die „Eskimorolle“ vorzuführen.

Dann der Schlachtruf: „Heiße Herzen, heiße Herzen!“ Und ab geht‘s in die Enz. Das Ziel liegt vier Kilometer weiter am Wehr beim Egelseesportplatz. Die einen rutschen mit ihrem „Einer“ auf Plastikplanen ins Wasser, andere mühen sich mit umgebauten Kanadiern am matschigen Ufer ab. Die Osterhasen-Truppe aus Singen muss auf den Steuermann verzichten. Wird schon klappen. Man wünscht vorsorglich per Transparent jetzt schon schöne Ostern. Die Vaihinger Jugend muss aufpassen, dass Palme, Sonnenschirm und Liegestuhl nicht über Bord gehen. Die Jungs schaffen es und können sich ihren „Löschzwergen“ widmen. Über das Wasser klingen weihnachtliche Weisen aus dem „Sophia“-Boot, das mit Musikern aus Ochsenbach und Großbottwar besetzt ist.

Insgesamt sind rund 75 Paddler mit 35 Booten gezählt worden. Sie können sich am Endpunkt im beheizten Zelt des DRK-Ortsvereins bei einer Après-Paddel-Party aufwärmen. Und Oberbürgermeister Gerd Maisch lässt es sich nicht nehmen, die Siegerehrung zu erledigen. Gespendet werden letztlich an die 750 Euro an die Familienherberge. Die Prämierung haben die Osterhasen entschieden, gefolgt von der Musikcombo Ochsenbach-Großbottwar, den Schneefrauen und -männern aus Esslingen und den Bietigheimer Fischen. Gute Chancen hätte sicher auch die sommerliche Vaihinger Truppe gehabt. Aber sie darf natürlich nicht mitmachen: „Wir sind ja die Jury.“