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Umweltschutz

Hundekot in Plastik, Mais oder Papier?

Es ist ein simpler Antrag der Grünen-Gemeinderatsfraktion, der sich in Freiberg zum Politikum entwickeln könnte. Denn auch nach ausufernder Diskussion in der jüngsten Sitzung kamen die Räte zu keinem Konsens in der Frage, ob die Stadt Hundekotbeutel aus Plastik durch biologisch abbaubare Produkte ersetzen soll.

Einer von 32 Spendern für Hundekotbeutel in Freiberg. Bislang sind die Tüten darin aus reinem Plastik. Foto: Holm Wolschendorf
Einer von 32 Spendern für Hundekotbeutel in Freiberg. Bislang sind die Tüten darin aus reinem Plastik. Foto: Holm Wolschendorf

Freiberg. Gebückte Haltung, konzentrierter Blick: Während der Hund sein großes Geschäft verrichtet, zückt der Gassigeher in aller Regel eine Plastiktüte. Den hat er zuvor einem Spender für Hundekotbeutel entnommen, um die Hinterlassenschaft seines Vierbeiners fein säuberlich einzuwickeln und im nächsten Mülleimer zu entsorgen. So machen das brave Hundebesitzer. Tun sie das nicht, handelt es sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit und sie müssen – zumindest in Freiberg – mit einem Bußgeld in Höhe von 50 bis 150 Euro rechnen. Je nachdem, wo das Vergehen stattgefunden hat.

„Ich bin überrascht und erbost, dass wir Hundehalter pauschal beschuldigt werden,

wir würden die Kackbeutel in den Acker werfen.“

Carmen Dötterer
FDP-Stadträtin

Doch Plastik bleibt Plastik. Deswegen hat die Offene Grüne Liste beantragt, Alternativen für die Hundekotbeutel aus Polyethylen zu suchen. Laut Stadträtin Elvira Kuhnle-Chmielnicki kommen dafür Tüten aus Maisstärke oder Papier infrage. „Sie kosten nur einen Bruchteil mehr“, meinte sie und regte an, die anfallenden Mehrkosten durch eine Erhöhung der Hundesteuer zu kompensieren. Wenn man darüber nachdenkt, Plastiktüten generell zu verbieten, dürfe man die Hundekotbeutel nicht vergessen.

Die Stadtverwaltung machte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats keinen Hehl daraus, was sie von dem Vorschlag hält, und schlug vor, das Ansinnen abzulehnen. Die Befürchtung der Stadt: Einige Hundehalter seien der Meinung, dass Hundekotbeutel aus abbaubaren Produkten bedenkenlos in Feld und Flur entsorgt werden können. „Wir wollen den Kot nicht auf den Äckern haben“, sagte Erster Beigeordneter Stefan Kegreiß und schob harte Zahlen hinterher. Der Verbrauch an Hundekotbeuteln sei von 2016 bis 2018 von 280.000 auf 440.000 Stück jährlich gestiegen bei einem Stückpreis von knapp einem Cent. Eine Tüte aus Maisstärke koste dagegen sieben Cent. Pro Tag und Hund, so rechnete Kegreiß vor, wurden vergangenes Jahr 1,7 Beutel verbraucht. Bei einer Umstellung auf Beutel aus Maisstärke müsste die Hundesteuer pro Tier folglich um 40 Euro erhöht werden. Greife man gar zu den noch teureren Papiertüten, sei eine Erhöhung der Hundesteuer um gar 80 Euro nötig.

„Es muss eine normale Sache sein, so etwas umzusetzen“, signalisierte Stadtrat Patrick Hirsch (Freie Wähler) Unterstützung für den Grünen-Antrag. Dass damit künftig mehr Tüten in der Landschaft herumliegen, sei für ihn kein Argument. Er regte an, das Thema für eine weitere Vertiefung in einen Ausschuss zu verschieben. Die FDP werde dem Verwaltungsvorschlag folgen, sagte Stadtrat Thomas Baum. „Im Feld wird es wohl mehr Tüten geben, wenn sie biologisch abbaubar sind. Dann kann man sie gleich weglassen“, sagte er. Ob biologisch abbaubar oder nicht – bei der Müllverbrennung sei da nicht viel gewonnen.

„Der Preis hat uns geschockt“, sagte OGL-Stadtrat Michael Frey. Im Internet seien die Tüten aus Maisstärke deutlich günstiger zu bekommen. Sein Fraktionskollege Harald Schönbrodt konnte sich unterdessen nicht vorstellen, dass sich die Anzahl der Tüten im Feld erhöht, wenn sie biologisch abbaubar sind. Tanja Pauer (Freie Wähler) regte an, die Gassigeher auf den Feldern zu überwachen und Bußgelder dafür einzunehmen, wenn sie den Hundekot nicht ordnungsgemäß entsorgen. Davon wollte Bürgermeister Dirk Schaible nichts wissen, weil es personell zu intensiv sei und er sich keine nennenswerte Wirkung davon verspreche.

„Ich bin überrascht und erbost, dass wir Hundehalter pauschal beschuldigt werden, wir würden die Kackbeutel in den Acker werfen“, wunderte sich FDP-Stadträtin Carmen Dötterer.

Christine Henkel (ULF) sprach sich derweil ebenfalls dafür aus, das Thema nochmals in einem Ausschuss zu vertiefen. „Wir halten uns da zu sehr an den Kosten auf.“

„Umweltschutz kostet Geld“, meinte Bettina Vogel (OGL). Sie finde es unbegreiflich, dass man die Innenstadt bei Festen plastikfrei mache, aber bei Hundebeuteln haltmache.

„Wir sind ideologisch nicht auf Plastik fixiert, doch beim Klimaschutz muss man nicht bei allem mitmachen, was es auf dem Markt gibt“, sagte Bürgermeister Schaible. Zudem würden die Hundekotbeutel samt Inhalt thermisch verwertet. „Das ist ein Unterschied zur Plastikflasche, die im Meer landet“, so Schaible. Auch wenn er keinen Mehrwert darin sah, das Thema im Technischen Ausschuss weiter zu diskutieren, sprach sich das Gremium am Ende mehrheitlich dafür aus. Fortsetzung folgt.

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