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Im Spannungsverhältnis von Passion und Lebensfreude

Den Groovin’ Foxes gelingt eine begeisternde Aufführung von Robert Rays Gospelmesse – Chor zeigt sich dynamisch differenziert und überzeugt mit klarer Artikulation

Die Groovin‘ Foxes in der Steinheimer Martinskirche.Foto: Oliver Bürkle
Die Groovin‘ Foxes in der Steinheimer Martinskirche. Foto: Oliver Bürkle

steinheim. In der voll besetzten Martinskirche haben die Groovin’ Foxes aus Beilstein mit der spannungsvoll gesungenen Gospelmesse von Robert Ray das Publikum berührt und begeistert.

Gospel ist Gefühl, und Gospel ist Bewegung. Body and Soul, Song für Song. Und manchmal ist sogar eine Nähe zur Kunstmusik zu spüren, wenn etwa in der Form über den einzelnen Song oder Chorus hinaus auf einen größeren Zusammenhang gepeilt wird. Genau das ist bei der Gospelmesse von Robert Ray der Fall.

Das erstaunliche Werk kam vor gut 40 Jahren heraus bei einem Memorial Day für Martin Luther, mit dem Ray sehr verbunden war. Und dann verschwand es trotz des Erfolges in der Versenkung, bis diese Gospelmesse dann doch ihren Siegeszug antrat.

Ganz wundert die Verzögerung nicht, denn das Werk passt mit seinem ernsten Thema nicht glatt ins Repertoire, schon gar nicht in die konventionelle Happiness-Erwartung, mit der diese Form der musikalischen Verkündigung der Frohen Botschaft gerne verknüpft wird. Und als das Werk eines Presbyterianers, der den katholischen Ordinarientext aufgreift und textlich ergänzt, ist diese Gospelmesse erst recht ein Solitär.

Genau richtig aber für die Passionszeit – und für die Groovin’ Foxes, die in der Aufführung genau diesen Zwischenton treffen, der sich aus dem Spannungsverhältnis von Passionsmusik und der dem Gospelgestus eingeschriebenen Lebensfreude ergibt: dosiert und proportioniert, und doch hinreichend leidenschaftlich.

Schon im Kyrie zeigt sich der Chor unter der Leitung von Ulrich Staudenmaier dynamisch differenziert, vom flüsternden Pianissimo bis zum expressiven Forte. Charakteristisch schon hier: die klare Artikulation auch in flinken Passagen. Im Gloria finden markante Rhythmisierungen und Tempowechsel statt. Im Call und Response erweist sich die sehr bescheidene Akustik der Mikro-Anlage aber als zunehmender Malus. Die technisch übermittelten Stimmen haben eine andere, fast synthetische Klanglichkeit mit einer Art Verfremdungseffekt, weshalb es jeweils wie eine Erlösung wirkt, wenn der Chor aus dem Bottwartal ganz übernimmt.

Warm die Stimmgebung in den A-cappella-Passagen des Credo, wo die versetzten Einsätze auch die chromatischen Momente wunderbar transparent und so die variable Farbigkeit des Chorklanges mit Finesse zur Wirkung bringen. Und dann wird mit Klanghölzern ein treibender Vierer-Rhythmus angeschlagen, in dem sich begeistert gesungene Glaubensgewissheit immer weiter steigert. Ein wahrhaft strahlendes „I believe“, bis in den lang gehaltenen Schlussakkord.

Nur schwer zurückhalten konnte sich das Publikum hier mit dem erst zum Schluss freigegebenen Applaus, wofür es dann mit einem tief empfundenen Halleluja belohnt wurde. Wunderbar die Präzision und dynamische Disziplin, mit der der Chor hier in den stimmlich geschichteten Liegetönen feine harmonische Reibungen und latente Dissonanzen musikalisch durchgestaltete.

So kraft- wie gefühlvoll schließlich das Agnus Dei, das die Zuhörer unmittelbar hineinnahm in diesen Vertrauensraum und diese Herzkammer eines zweifelsfreien „He will be greatful“. Und großartig, erfüllt und bewegt fühlte sich schließlich auch das Publikum, das mit langem Beifall dankte.

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