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Arbeitswelt

Kurze Hosen sind nicht erlaubt

Hochsommer im Büro: Wie sich Hitze auf die Kleiderordnung in Banken und im Landratsamt Ludwigsburg auswirkt

So sollte ein Bankmitarbeiter nicht zur Arbeit erscheinen – kurze und halblange Hosen sind im Alltag von Banken im Kreis Ludwigsburg nicht erlaubt. Das Landratsamt Ludwigsburg schickt unpassend gekleidete Mitarbeiter gegebenenfalls sogar zum Umziehen
So sollte ein Bankmitarbeiter nicht zur Arbeit erscheinen – kurze und halblange Hosen sind im Alltag von Banken im Kreis Ludwigsburg nicht erlaubt. Das Landratsamt Ludwigsburg schickt unpassend gekleidete Mitarbeiter gegebenenfalls sogar zum Umziehen nach Hause. Foto: Sommer/dpa

Kreis Ludwigsburg. Die heißen Tage zwischen Ende Juni und Anfang Juli könnten die Volksbank Ludwigsburg verändern – ein klein wenig zumindest. Denn diese hochsommerlichen knapp zwei Wochen „haben wir genutzt, um von unseren Kunden eine Rückmeldung zu erhalten, ob Bankmitarbeiter ohne Jackett oder Krawatte generell akzeptiert werden“, sagt Sprecher Bernd Weisheit. Der Hintergrund des Experiments: „Auch wir beobachten natürlich die aktuellen modischen Entwicklungen, die selbst in der recht konservativen Bankenwelt immer mehr ankommen.“ Das Ergebnis des Versuchs: Die Kunden „spiegelten uns ohne Ausnahme ein sehr positives und entgegenkommendes Bild. Damit hat die jüngste Hitzewelle bei uns im Haus einige Überlegungen über künftige Lockerungen der Kleiderordnung angestoßen.“

Bei der Kreissparkasse Ludwigsburg gibt es eine Kleiderempfehlung, die derzeit ebenfalls auf dem Prüfstand steht, wie Sprecher Martin Lober mitteilt. Derzeit werde überlegt, die Anzug- und Krawattenpflicht „etwas zu lockern“. Damit wolle das Haus auch „den Stimmen und Wünschen“ von Kunden „bezüglich des Auftretens unserer Mitarbeiterschaft“ gerecht werden. Die jetzige und künftige Kleiderempfehlung halten, was das Erscheinungsbild betrifft, die Businessregeln „vollkommen ein“, sagt Lober. „Sollte ein Mitarbeiter tatsächlich einmal bei seiner Kleidungswahl die empfohlene Linie nicht beachten“, so werde dies „von der jeweiligen Führungskraft sensibel angesprochen“.

Erscheint ein Mitarbeiter des Landratsamts (LRA) Ludwigsburg in unpassender Kleidung zur Arbeit, „gibt es keine Sanktionen, aber einen deutlichen Hinweis des Vorgesetzten“ – und „gegebenenfalls“ erfolge „auch die Entsendung nach Hause, um sich umzuziehen“, antwortet Sprecher Andreas Fritz auf Nachfrage. Eine „schriftliche niedergelegte Kleiderordnung“ gebe es beim Landratsamt nicht, doch habe sich jeder Mitarbeiter „seiner Position entsprechend“ zu kleiden – „das gilt unabhängig von der Temperatur“, so Fritz. Das heißt im Detail: In höheren Positionen „erwarten wir Business-Kleidung“ – bei Männern lange Hosen und Hemd, je nach Anlass auch Jackett und Krawatte, bei Frauen lange Hosen oder Röcke bis mindestens zum Knie sowie „hochgeschlossene Oberteile“. Auch alle anderen LRA-Beschäftigten, die nicht in höheren Positionen arbeiten, aber Kundenkontakt haben, müssen sich laut Fritz „in angemessener Weise“ anziehen.

In der Volksbank Ludwigsburg tragen die Mitarbeiter laut Weisheit klassische Business-Kleidung – Männer also Hemd, Anzug und Krawatte, Frauen Kostüm mit knielangem Rock, alternativ Hose und Bluse. Weisheit: „Die Regelungen sind für alle Mitarbeiter im Haus gleich, unabhängig von Hierarchien.“ Lediglich der Hausmeister und weitere Mitarbeiter des technischen Personals „tragen natürlich Arbeitskleidung“.

An besonders heißen Tagen ist die Volksbank-Kleiderordnung nicht so strikt – „zumal es ja auch Filialstandorte gibt, die nicht ausreichend klimatisiert sind“, so Weisheit. Zwischen 24. Juni und 5. Juli, der sehr heißen Phase, seien die Vorgaben gelockert worden: Männliche Mitarbeiter mussten in dieser Zeit keine Krawatte und Anzugjacke tragen, weibliche „durften natürlich auch ihre etwas flexibleren modischen Möglichkeiten nutzen“.

Auch in unklimatisierten Filialen der Kreissparkasse Ludwigsburg darf an heißen Tagen auf Krawatte, Jackett, Langarmbluse oder -hemd verzichtet werden, auch Kostüm und Hosenanzug müssen dann nicht zwingend getragen werden. Lober: „Halblange Hosen bei Männern sind allerdings auch an diesen Tagen ausgeschlossen.“ Kurze Hosen selbstverständlich auch.

Die übliche Arbeitskleidung bei der VR-Bank Neckar-Enz besteht bei Männern aus Anzug mit Hemd, Krawatte und geschlossenen Lederschuhen. Für Frauen gibt es laut Sprecher Alexander Schmid „etwas mehr Möglichkeiten. Neben Hosenanzug, Kleid oder Kostüm mit Bluse können Rock oder Hose auch mit Bluse oder Shirt kombiniert werden. Wichtig ist, dass diese immer schulterbedeckend, dezent und zurückhaltend ausfallen. Die Rocklänge sollte auf jeden Fall knielang ausfallen“, so Schmid.

An sehr heißen Tagen werde die übliche Kleiderordnung den Temperaturen angepasst. Doch sei der Dresscode schon so weit gefasst, „das sowohl Herren als auch Damen damit weitgehend problemlos durch den Sommer kommen. So sind bei uns beispielsweise Kurzarmhemden und Kurzhemdblusen durchaus erlaubt.“

Werde es heißer als 30 Grad, „darf die Krawatte selbst bei Kollegen mit Kundenkontakt durchaus abgenommen werden. Auch das Jackett muss dann selbstverständlich nicht mehr getragen werden“, sagt Schmid. „Im Sinne der Einheitlichkeit sind halblange Hosen oder Sandalen bei Männern aber nicht vorgesehen“ – selbst wenn diese nicht mit Kunden zu tun haben. Schmid weiter: „Die Vorschriften für die Damen sind so flexibel, dass im Regelfall auch bei großer Hitze immer ein passendes Outfit gefunden werden kann.“

Beim Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische gibt es laut Sprecher Immo Dehnert keine festgeschriebenen Kleidervorschriften – strikte Vorgaben würden „schon allein durch die nachkommende Generation Y und neue flexiblere Arbeitszeiten in Frage gestellt“. Dennoch sollte das Erscheinungsbild der Mitarbeiter „zur W&W-Gruppe als vertrauenswürdiger Finanzdienstleister passen“ – vor allem bei Umgang mit Kunden.

„Insbesondere in der heißen Sommerzeit ist es wichtig, dass sich die Leute in der Kleidung wohlfühlen, die sie tragen“, so Dehnert. Mitarbeiter sollten das anziehen dürfen, was ihnen die Arbeit an Hitzetagen erleichtere, „vor allem in nicht klimatisierten Büroräumen. Dennoch sollte auch ohne strikte Vorschriften ein angemessener Kleidungsstil im Büro gewählt werden.“

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