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Erntezeit

Obstdiebe haben oft leichtes Spiel

Immer wieder werden auf Streuobstwiesen und Feldern Früchte oder Nüsse gestohlen. Die Betroffenen haben nur wenige Möglichkeiten, gegen die Diebe vorzugehen. Einige Kommunen wollen sich nun darüber austauschen, wie das Problem gelöst werden kann.

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Hessigheim/Gemmrigheim/Kirchheim/Besigheim. Nüsse, Äpfel und Trauben sind bei Obstdieben besonders beliebt. Die meisten Täter lesen nur kleine Mengen an Obst auf, einige ernten aber auch ganze Anlagen ab. Gemeinderätin Heide Mozer hat in der jüngsten Sitzung des Hessigheimer Gemeinderats darauf aufmerksam gemacht, dass immer häufiger Obst von Privatgrundstücken gestohlen werde. Sie habe vor kurzem beobachtet, wie Fremde bei ihren Nachbarn eine große Menge an Nüssen aufgelesen hätten (wir berichteten).

„Ich werde über die Saison immer mal wieder von Bürgern auf Obstdiebstähle angesprochen“, erklärt Hessigheims Bürgermeister Günther Pilz im Gespräch mit unserer Zeitung. Noch habe er keine Maßnahmen getroffen, um das Problem zu lösen. Aber die Kommune werde sich nun erkundigen, welche Regelungen es in anderen Gemeinden in Bezug auf Obstdiebstähle gebe und eventuell etwas davon übernehmen. Laut Pilz könnte der Gemeindevollzugsdienst in Zukunft die Straftaten verhindern. Der zuständige Beamte solle ab und zu die betroffenen Wiesen aufsuchen und auffällige Personen ansprechen. Diese Stelle sei allerdings momentan nicht besetzt.

In Gemmrigheim häufen sich die Obstdiebstähle. Das sagt Bürgermeister Dr. Jörg Frauhammer auf Nachfrage unserer Zeitung. „Viele betrachten es als Kavaliersdelikt, Nüsse aufzulesen“, erklärt er. Momentan gebe es noch keine Strategie, um dem entgegenzuwirken. Der Gemeindevollzugsdienst fahre zwar über die Flur, es sei aber unwahrscheinlich, jemanden zu erwischen. Deshalb will Frauhammer mit den Bürgermeistern der umliegenden Kommunen mögliche Maßnahmen besprechen. Außerdem wolle er die Gemmrigheimer für das Problem sensibilisieren.

Wie schwer es ist, einen Langfinger zu erwischen, weiß auch Christel Braun. Die Obstbäuerin der Obsthalle in Kirchheim sagt, „es ist reine Glückssache, wenn man einen Dieb auf frischer Tat ertappt“. In den vergangenen Jahren hatte die Obsthalle große Probleme mit Diebstahl. „Einmal wurde eine kleine Anlage nachts komplett abgeerntet“, erklärt Christel Braun. Dagegen könne allerdings nichts unternommen werden, da es zu viele Felder gebe. Die Anlagen könnten auch nicht eingezäunt werden, weil die Felder des Unternehmens in viele kleine Parzellen aufgeteilt seien und auch an andere Grundstücke grenzten. Falls ein Täter erwischt werde, müsse er je nach Obstmenge die gestohlenen Früchte bezahlen oder er werde an die Polizei übergeben.

Dieses Jahr sind laut Christel Braun auf den Anlagen der Obsthalle allerdings nur wenige Früchte gestohlen worden. Es habe sehr viel Streuobst gegeben und die Menge an Früchten, die mitgenommen worden seien, hätten sich auf verschiedene Wiesen verteilt. Hin und wieder sehe sie trotzdem Personen, die Äpfel auf den Grundstücken auflesen. Auf einer Weintraubenanlage in der Umgebung sei dieses Jahr jedoch sehr viel gestohlen worden.

Walter Zeyhle, Vorstand des Obst-, Garten- und Weinbauvereins Besigheim, sind dieses Jahr keine Vorfälle auf Grundstücken der Vereinsmitglieder bekannt. „Ab und zu werden Nüsse aufgelesen“, erzählt er. Aber dabei handele es sich nur um kleine Mengen. Seiner Meinung nach wenden sich die Personen, wenn sie frische Früchte brauchen, an die Obstbörse, anstatt auf einem fremden Grundstück zu stehlen.