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Nahversorgung

Tamm wehrt sich gegen größeres Breuningerland

Bietigheim-Bissingens OB Jürgen Kessing hat bereits mit einer Klage gedroht, jetzt zieht auch der Tammer Schultes Martin Bernhard rechtliche Schritte gegen die geplante Erweiterung des Breuningerlands in Erwägung. Denn die bedrohe den Einzelhandel im Ort und werde zu einer weiteren Zunahme des Durchgangsverkehrs in Tamm führen.

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Ein noch größeres Breuningerland scheint in Ludwigsburg schon beschlossene Sache. Doch den meisten Nachbarorten passt das nicht. Foto: Werner Kuhnle

Tamm. Um 2500 Quadratmeter Nutzfläche soll das Einkaufszentrum im Tammerfeld wachsen: 1800 Quadratmeter mehr für die Gastronomie im Breuningerland, 700 Quadratmeter mehr für Dienstleistungen. Außerdem soll der Discounter in der Shopping-Mall an der Autobahn und der B 27 einen neuen Standort auf dem heutigen Parkplatz erhalten, das Parkhaus aufgestockt und die gesamte Stellfläche um 130 Parkplätze erweitert werden. Das ist deutlich weniger, als es das Breuningerland noch vor acht Jahren wollte – und, wie berichtet, aus Sicht des Ludwigsburger Rathauses und des Verbandes Region Stuttgart vom Einzelhandel in der Ludwigsburger Innenstadt auch zu verkraften.

Nicht aber vom kleineren Nachbarn Tamm, empört sich der dortige Bürgermeister Martin Bernhard. Er ärgert sich über die „Nonchalance“, mit der man in Ludwigsburg über die Belange seiner Kommune hinweggehe. Und die sieht Bernhard durch die geplante Breuningerland-Erweiterung glasklar berührt. Denn mit dem Ausbau von Gastronomie und Dienstleistungen werde das Breuningerland schlichtweg attraktiver.

Auch wenn der Lebensmittelmarkt in der Mall nicht vergrößert, sondern nur verlagert werden soll, laufe das auf eine Bedrohung des Edeka-Markts in der Tammer Ortsmitte hinaus, sagt Bernhard. Denn wer erst einmal in der Shopping-Mall am östlichen Ortsrand angekommen sei, werde auch die Lebensmittel dort besorgen und dazu nicht eigens nochmals nach Tamm fahren. Edeka ist aber der zentrale Frequenzbringer in der Tammer Ortsmitte, ohne den Discounter brächen dort wohl weitere der nur noch wenigen Einzelhändler ums Rathaus herum weg. Tamms Zentrum verlöre damit aber seine Vitalität und die verbindende urbane Funktion zwischen dem alten Flecken und der Hohenstange. Mit anderen Worten: Die Breuningerland-Erweiterung wäre nicht nur eine unliebsame Konkurrenz für den örtlichen Einzelhandel, sie könnte auch Tamms Infrastruktur in Mitleidenschaft ziehen.

Außerdem sagt Bernhard eine weitere Zunahme des Verkehrs in Tamms Durchgangsstraßen – insbesondere in der Haupt- und der Friedrichstraße – voraus. Der Durchgangsverkehr dort gehe nämlich schon jetzt zu weiten Teilen aufs Konto der Sogwirkung von Breuningerland und Ikea. Seine Minimalforderung sei es deshalb, so Bernhard, dass der Tammer Kommunalpolitik vor der geplanten Erweiterung nachvollziehbare Gutachten über den drohenden Kaufkraftabfluss aus Tamm und die Verkehrsentwicklung auf den Tisch gelegt würden. Die bisher von Breuninger und der Stadt Ludwigsburg vorgelegten Unterlagen behaupteten zwar, dass ein um 2500 Quadratmeter größeres Breuningerland auch im Blick auf die Nachbarkommunen vertretbar sei – konkretisiert werde diese Behauptung aber nirgends.

Da Bernhard seinem politischen Vorstoß offenbar eine nur begrenzte Wirkung zutraut, will er auf alle Fälle auch rechtlichen Rat einholen. Bietigheim-Bissingens Oberbürgermeister Jürgen Kessing liegt auf der gleichen Linie: Er hatte bereits im Sommer öffentlich über eine mögliche Klage nachgedacht. Denn Kessing sieht die „vitalen Interessen“ auch seiner Stadt berührt – habe die doch insgesamt nur 5000 Quadratmeter Einkaufsfläche.

Mit Sorge betrachtet auch Freibergs Beigeordneter Stefan Kegreiß das Projekt: Es laufe dem Freiberger Bestreben, den Einzelhandel im dortigen Zentrum zu stärken, entgegen. Weiter geht Kegreiß allerdings nicht. Schließlich sei derzeit noch nicht einmal absehbar, auf welcher Rechtsgrundlage man etwas gegen die Breuningerland-Erweiterung tun könne. Gelassen sieht allein Aspergs scheidender Bürgermeister Ulrich Storer die Entwicklung: Der Asperger Einzelhandel werde durch ein besseres gastronomisches und Dienstleistungsangebot im Breuningerland nicht geschwächt, glaubt er.