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Maschinenbau

Trumpf wächst schneller als erwartet

Der Ditzinger Trumpf-Konzern hat im vergangenen Geschäftsjahr sowohl den Umsatz wie auch den Gewinn zweistellig gesteigert.

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Ein Blick in das neue Trumpf-Logistikzentrum in Ditzingen. Foto: Trumpf

Ditzingen. Der Maschinenbauer Trumpf gilt als Prototyp des schwäbischen Familienunternehmens. Doch als schwäbisches Understatement wollte es Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller nicht verstanden wissen, dass der Familienkonzern seine Umsatzprognose für das vergangene Geschäftsjahr vollkommen verfehlt hat. Fünf bis sechs Prozent Umsatzwachstum hatte Leibinger-Kammmüller vor einem Jahr angepeilt, geworden sind es knapp elf Prozent, wie die Vorsitzende der Geschäftsführung gestern in Ditzingen verkündete. In absoluten Zahlen sind das 3,1 Milliarden Euro. Das ist ein neuer Rekord.

Am stärksten ist Trumpf noch immer in Deutschland. Zweitwichtigster Markt sind die USA, gefolgt von China. Überraschend stark gewachsen – um 58 Prozent – sei der Absatz in Südkorea, sagte Leibinger-Kammüller. Damit wurde das südostasiatische Land zum viertgrößten Einzelmarkt für Trumpf.

Der Maschinenbau- und Laserspezialist hat aber nicht nur mehr verkauft, sondern auch wesentlich mehr verdient als im Jahr zuvor. Das Ergebnis vor Steuern wuchs um 11,3 Prozent auf 337 Millionen Euro. Und dabei ist Trumpf hochprofitabel. Die Umsatzrendite blieb konstant bei 10,8 Prozent.

Und so solle es auch im laufenden Geschäftsjahr, das am 1. Juli begann, weitergehen. Da gibt sich die Trumpf-Chefin angesichts eines hohen Auftragseingangs etwas weniger konservativ als noch 2016. Sie rechnet nun mit einem Umsatzwachstum im „höheren einstelligen Prozentbereich“. Solche Zuwachsraten hat sich das Ditzinger Familienunternehmen auch für die folgenden Jahre zum Ziel gesetzt. Dazu soll neben Firmenzukäufen auch ein neues Geschäftsfeld beitragen: der 3-D-Druck für Metallteile. Erste Geräte habe man inzwischen zur Serienreife entwickelt, erklärte Technik-Geschäftsführer Peter Leibinger. Wenn alles nach Plan läuft, soll Trumpf in sieben Jahren mit 3-D-Druckern eine halbe Milliarde Euro umsetzen und 20 Prozent Marktanteil erreichen, so Leibinger.

Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, will der Konzern weiterhin viel in Forschung und Entwicklung stecken. Im vergangenen Geschäftsjahr waren es 318 Millionen Euro, 7,5 Prozent mehr als 2015/16.

Zudem hat Trumpf rund 200 Millionen Euro investiert, die Hälfte davon in Neubauten. An erster Stelle stehe dabei das neue Logistikzentrum. Dies stelle ein starkes Bekenntnis zum Standort Deutschland und Ditzingen dar. Um das deutlich ausgeweitete Geschäftsvolumen bewältigen zu können, hat Trumpf im zurückliegenden Geschäftsjahr sein Personal deutlich aufgestockt. Inzwischen beschäftigt der Konzern nach eigenen Angaben mehr als 12 000 Mitarbeiter weltweit, das sind über 800 mehr als noch vor einem Jahr. Mehr als die Hälfte der neuen Jobs entstand an deutschen Standorten, wo Trumpf derzeit über 6000 Mitarbeiter hat. Rund 3500 arbeiten am Stammsitz in Ditzingen und Gerlingen.

Der Personalaufbau soll auch im laufenden Geschäftsjahr weitergehen. Alleine in der neuen Sparte 3-D-Druck sollen 100 zusätzliche Stellen besetzt werden, kündigte Leibinger an. Derzeit habe das Geschäftsfeld 141 Mitarbeiter.

Allerdings tut sich auch ein renommierter Mittelständler wie Trumpf inzwischen schwer, geeignete Mitarbeiter zu finden. Das sei vor allem bei Softwareentwicklern ein Problem, räumte Leibinger-Kammüller ein. Und der neue Trumpf-Personalleiter Oliver Maassen verwies darauf, dass dies neue Strategien bei der Anwerbung erfordere. Nur eine Anzeige schalten, reiche heute nicht mehr. Man müsse geeignete Kandidaten vielmehr direkt ansprechen, um Erfolg zu haben.

Direkt angesprochen har Leibinger-Kammüller auch die künftigen Koalitionäre in Berlin. „Der Koalitionsvertrag, egal wer ihn unterschreibt, muss wieder eine deutlich stärkere wirtschaftspolitische Handschrift tragen als 2013“, forderte die Unternehmerin, die als Merkel-Vertraute gilt.