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TIERSCHUTZ

Wenn Hundehalter zu Wilderern werden

In den Sommermonaten werden Wiesen, Felder und Wälder zur Kinderstube der Wildtiere. Jetzt kann es besonders fatale Folgen haben, wenn Hundebesitzer ihre Vierbeiner nicht an der Leine halten, sondern sie einfach frei herum laufenlassen.

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Alle Hundebesitzer sollten ihre Vierbeiner bei Ausflügen in die Natur anleinen, fordert Jagdpächter Erik Müller.Archivfoto: Markus Hibbeler/dpa
Alle Hundebesitzer sollten ihre Vierbeiner bei Ausflügen in die Natur anleinen, fordert Jagdpächter Erik Müller. Foto: Markus Hibbeler/dpa

KREIS LUDWIGSBURG. So etwas wie vor einigen Wochen in Remseck wird sich jetzt hoffentlich nicht mehr ereignen: Ein Hundebesitzer hatte angegeben, ein Rehkitz gefunden zu haben und es bei einem Gartenbesitzer in der Nähe abgegeben. Der daraufhin benachrichtigte Jagdpächter stellte später fest, dass das kleine Tier Bisswunden am Auge und am Kopf aufwies. Es verendete.

Inzwischen dürften die in dieser Saison geborenen Rehe so groß sein, dass sie bei Gefahr sofort die Flucht ergreifen. Doch ganz junge Kitze haben diesen Fluchtinstinkt noch nicht. Wenn sie sich bedroht fühlen, pressen sie sich an den Boden und vertrauen einfach darauf, dass sie noch keine Witterung abgeben und gut getarnt sind.

„Das ganze Jahr über besteht das Problem, dass Hundehalter zu Wilderern werden, weil ihre Vierbeiner Tiere reißen“, so Erik Müller, der bei der Kreisjägerschaft für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Wir haben nichts dagegen, dass Hunde frei herumlaufen. Aber nur, wenn sie gehorchen“, stellt er klar. Allerdings sei das nicht immer gewährleistet, vor allem wenn Bello und Co die Gene von Jagdhunden im Blut haben. Außerdem sei jeder Hund von Natur grundsätzlich ein Fleischfresser. „Das kann dazu führen, dass Rehwild oder Hasen gerissen werden“, so der Experte weiter.

Richtig problematisch wird es seiner Meinung nach, wenn die Hundebesitzer diesen Vorfall nicht melden und die verletzten Tiere deshalb qualvoll verenden müssen. „Unabhängig von Schadensersatzansprüchen geht es um das Tierwohl“, erklärt Müller und appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Hundehalter.

Was ist also zu tun, wenn der Vierbeiner beim Spaziergang plötzlich mit blutverschmierter Schnauze dasteht? „Am einfachsten ist es, bei der Polizei anzurufen, diese stellt dann den Kontakt zum zuständigen Jagdpächter her“, rät Erik Müller. „Niemand sollte so einen Vorfall vor lauter Scham unter den Tisch kehren“, machte er im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Schließlich gehe es in diesem Moment in erster Linie um das verletzte Tier, das ohne Hilfe verblute. Auch wenn Wilderei nicht gerade an der Tagesordnung sei, gebe es eine hohe Dunkelziffer. Damit es erst gar nicht so weit kommt, fordert er jeden Hundebesitzer dazu auf, seinen Vierbeiner bei Ausflügen in die Natur anzuleinen. Es dürfe ruhig eine lange Leine sein. „Wer einen Hund hat, trägt auch Verantwortung“, stellt der Jagdpächter klar.

Die Monate Mai bis September gelten als Brut- und Setzzeiten, in denen keine Wiesen betreten werden sollten, so Erik Müller weiter. Rehe und Hasen ducken sich bei drohender Gefahr so lange wie möglich, um nicht entdeckt zu werden. Sie flüchten erst im allerletzten Moment. Das Verbot gelte auch aus einem anderen Grund. „Der Hund kackt, die Kuh frisst, der Mensch trinkt“, beschreibt Müller vereinfacht den Weg des Mähguts von der Wiese, als Tierfutter in den Stall und schließlich als Milchprodukt ins Kühlregal.

Grundsätzlich rät er dazu, bei Spaziergängen durch den Wald die Wege nicht zu verlassen. „So abenteuerlich es auch für den Menschen auch sein mag, querfeldein zu gehen, den Tieren tut man damit nichts Gutes“, weiß Müller und fordert alle Ausflügler dazu auf, Rücksicht auf Wildtiere zu nehmen. Das gilt freilich auch für Menschen, die meinen, den Wald als Müllkippe missbrauchen zu müssen. „Sie glauben nicht, was wir Jäger alles sehen, wenn wir nachts auf dem Hochsitz sind“, berichtet er. Autoreifen und Plastikmüll würden abgeladen. Nicht selten landeten Teile davon in den Mägen von Wildschweinen.

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