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Weltkatzentag

Wenn Samtpfote Vögeln nachstellt

Am heutigen internationalen Weltkatzentag ist das ein hochemotionales Thema: Wildernde und verwilderte Hauskatzen bringen nicht nur Vogelschützer gegen die Samtpfoten auf, sondern auch Jäger. Ein LKZ-Leser ärgert sich vor allem über eines: dass streunende Katzen auch noch gefüttert werden.

Auch satte Katzen jagen Vögel, es ist ihr Instinkt. Verwilderte Hauskatzen zu füttern, lehnen Vogelschützer und Jäger deshalb ab.Foto: Adobe Stock
Auch satte Katzen jagen Vögel, es ist ihr Instinkt. Verwilderte Hauskatzen zu füttern, lehnen Vogelschützer und Jäger deshalb ab. Foto: Adobe Stock

BottwaRTAL. Zehn bis 15 verwilderte, streunende Hauskatzen will der Leser in Großbottwar, aber auch in Oberstenfeld beobachtet haben. Was ihn besonders ärgert: Dass es Menschen gibt, die extra Futterplätze für diese Tiere einrichten.

„Da hört die Tierliebe auf!“ findet der Leser, der sich als nicht organisierten Naturschutz-Aktivisten bezeichnet. Er habe selbst gesehen, wie solche streunenden Katzen Rebhühner jagten und Jungtiere erlegten. Auch Wildwachteln fielen – weil Bodenbrüter – den Katzen zum Opfer.

Organisierte Vogelschützer sehen das Problem ebenfalls: Ja, sagen sie, streunende Katzen können den Vogelbestand dezimieren. Sie unterscheiden zwischen dem Siedlungs- und dem Außenbereich.

Innerhalb von Siedlungen fallen den scharfen Krallen der Samtpfoten vor allem Vogelarten zum Opfer, die (noch) nicht selten sind, Blaumeisen, Spatzen, Amseln. Allerding zeigen jährliche Zählungen, dass auch diese Arten im Bestand zurückgehen. Zwar erbeuten Katzen in Gärten hauptsächlich junge, alte oder schwache Tiere; da die Zahl der Katzen aber hoch ist, kann der Vogelbestand trotzdem zurückgehen. Denn Katzen bedeuten Stress in der Vogelwelt. Altvögel füttern ihre Jungen zum Beispiel nur, wenn keine Katze unterwegs ist. Die Folge: Die Zahl der flüggen Vögel sinkt.

Streunende Katzen im Außenbereich richten mehr Schaden an, sagen nicht nur Vogelschützer, sondern auch Jäger, weil sie dort den ohnehin seltenen und gefährdeten Arten nachstellen. Für die am Boden brütende Feldlerche, deren Population ohnehin angeschlagen ist, können streunende Katzen das Aus bedeuten. Außer Mäusen gehören auch andere Kleintiere zum Beuteschema, wie Fledermäuse, Fische, Frösche, Eidechsen, Blindschleichen.

Im Kälblingswald haben Vogelschützer Leute beobachtet, die Futterstellen für verwilderte Katzen einrichten, möglicherweise im guten Glauben, die Tiere dann vom Räubern abzuhalten. Das aber funktioniert nicht, sagt Jürgen Felker, der die Jagd im Großbottwarer Teil des Kälblingswaldes gepachtet hat, auch satte Katzen leben ihren Jagdinstinkt aus. „Wir haben schon genug Füchse im Wald, da brauchen wir nicht noch verwilderte Hauskatzen.“ Rebhühner gebe es in seinem Jagdbezirk so gut wie keine mehr.

Dass wohlmeinende Tierfreunde Futterstellen im Wald einrichten, hat Felker auch beobachtet, er findet das „nicht optimal!“ – selbst wenn die Leute keinen Abfall hinterließen. Er wolle mit diesen Menschen aber auch keinen Ärger haben. Was also tun gegen verwilderte, streunende Hauskatzen? Der Nabu setzt auf Aufklärung.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich eine Katze anzuschaffen, sollte das nur bei genügend Zeit und Platz tun.

Kater sollten kastriert werden, sie streunen dann weniger umher. Auch die Sterilisierung von Katzenweibchen wirkt einer Bevölkerungsexplosion entgegen.

Wenn im Mai und Juni warnende Altvögel und ausgeflogene Jungvögel zu beobachten sind, sollte man Katzen nicht nach draußen lassen.

Ein Halsband mit Glöckchen macht zwar die Vögel auf die Katze aufmerksam, nützt aber dem noch hilflosen Vogelnachwuchs nichts. Außerdem ist das Klingeln eine Tortur für die empfindlichen Katzenohren. So weit die Ratschläge des Nabu für Katzenbesitzer.

Ultima Ratio ist der Abschuss streunender Katzen; er unterliegt dem Jagdrecht und ist streng reglementiert.

Dazu bedarf es einer Erlaubnis der unteren Jagdbehörde. Erforderlich ist eine Genehmigung nach Paragraf 49 des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes. Davor schrecken offenbar auch Jäger zurück. „Ein Antrag auf Genehmigung für das Töten von streunenden Hauskatzen wurde bislang nicht gestellt“, heißt es aus dem Landratsamt. Auch Jagdpächter Jürgen Felker hat bislang noch nicht zum Gewehr gegriffen: „Ich habe in meinem Leben noch keine Katze erschossen, und ich würde es auch nicht tun.“

Zahlen und Fakten

200 Millionen Vögel fallen angeblich jedes Jahr Katzen zum Opfer. Allerdings halten auch Vogelschützer vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) diese Zahl für eine grobe Schätzung. Allerdings ist die Katze das beliebteste Haustier der Deutschen: In 23 Prozent aller Haushalte lebt eine Katze. Eine Katzensteuer wird allgemein für nicht durchsetzbar und unpraktikabel gehalten. Ein Problem für Vögel und andere Kleintiere stellen nicht die Stubentiger dar, sondern verwilderte Hauskatzen. Diese stellen auch eine existenzielle Bedrohung für die seltenen Wildkatzen dar, da es – laut Einschätzung des Nabu – im Wald zu Hybridisierungen beider Arten kommt, die letztendlich zum Aussterben der echten Wildkatzen führen können. (ann)

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