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2023 ist eine Besserung in Sicht

Zu schmal, zu holprig, zu gefährlich und nicht zu Ende geplant: Mitglieder des Gemmrigheimer Gemeinderats sind nach Besigheim geradelt, um auf die Missstände des Radwegs aufmerksam zu machen, der über die Neckarbrücke führt. Eine Besserung rückt nun wieder in unmittelbar zeitliche Nähe.

Jörg Lorenz (rotes T-Shirt) führt die Delegation Gemmrigheimer an, unter ihnen elf Gemeinderäte. Sie setzen sich für eine Verbesserung der Radwegssituation ein. Fotos: Holm Wolschendorf
Jörg Lorenz (rotes T-Shirt) führt die Delegation Gemmrigheimer an, unter ihnen elf Gemeinderäte. Sie setzen sich für eine Verbesserung der Radwegssituation ein. Foto: Holm Wolschendorf
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Gemmrigheim/Besigheim. „Nach 25 Jahren Einsatz für eine gute Radverbindung nach Besigheim möchten wir als Gemeinderäte darauf hinweisen, dass der neue Radweg nicht zu Ende geplant ist“, sagt Gemeinderat Jörg Lorenz (SPD) und Initiator des Fahrradcorsos. Die neue sogenannte Multifunktionsfläche entlang der Weinberge an der Kreisstraße sei nur die „halbe Lösung“, ende am Besigheimer Ortseingang und „das gefährliche Nadelöhr über die Neckarbrücke bleibt“. Fast alle Kinder und Jugendlichen aus Gemmrigheim besuchten weiterführende Schulen in Besigheim. Gerade für diese Zielgruppe sei es besonders wichtig, für einen möglichst ungefährdeten Schulweg mit dem Fahrrad zu sorgen, betont Lorenz.

Manfred Sannert (CDU) spricht sich zudem dafür aus, dass die Geschwindigkeit auf der Kreisstraße gedrosselt werden sollte. „Das ist eine richtige Rennstrecke. Doch nach den Bauarbeiten ist die Straße viel schmaler. Vielleicht fahren die Autofahrer nun langsamer.“ Nach 25 Jahren hätte mehr passieren müssen, ärgert sich Sven Herold (CDU), „die Wahrscheinlichkeit, dass wir dort eine Verbesserung erleben, ist eher ungewiss“. Das Problem sei der Weg über die Neckarbrücke, „theoretisch müssten die Kinder ihr Rad auf dem Bürgersteig schieben“. Herold bringt einmal mehr die Variante ins Spiel, dass die Gemmrigheimer – wie Hessigheim – gerne eine Brücke über den Neckar gehabt hätten, um an den Neckartalweg angebunden werden zu können.

„Es ist schön, dass wir das Radweg haben“, meint Lorenz, „aber das ist nur die halbe Lösung.“ Er schlägt vor, auf der Neckarbrücke einen Schutzstreifen anzulegen, damit sich Radfahrer im Verkehr sicherer fühlen. Dies werde in Heilbronn momentan erprobt. Die Verkehrsplaner sollen Ideen entwickeln, fordert Lorenz: „Mit unserer Aktion wollen wir das Bewusstsein schaffen, dass Fußgängern und Radfahrern mehr Vorrang eingeräumt wird.“

Immer wieder ist die Sanierung der Brücke über die Landesstraße 1115 verschoben worden. Nun kommt wieder Bewegung in die Sache, denn nach Plänen des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart soll die Brücke dann saniert werden, wenn der Neubau der B27-Enzbrücke steht. Dies ist für Frühjahr 2023 vorgesehen.

Bereits 2016 hatte das RP ein Planungsbüro beauftragt, an der Südseite der Brücke – unterteilt in Wehr- und Kanalbrücke – einen drei Meter breiten Steg für Fußgänger und Radfahrer neu zu bauen. Verschiedene Varianten einer eigenständigen Radwegbrücke über den Neckar wurden untersucht mit dem Ergebnis, dass unter anderem aus Gründen der Wirtschaftlichkeit eine separate Radwegbrücke nicht weiterverfolgt wird. Stattdessen soll auf der Kanalbrücke sowie der Nordseite der Wehrbrücke der Geh- und Radweg von 1,25 auf 2,50 Meter verbreitert werden, an der Engstelle lediglich auf 1,75 Meter. Somit kann nach Aussage des Regierungspräsidiums insgesamt Komfort und Sicherheit der Fußgänger sowie der Radfahrenden verbessert werden.

Im September 2016 hatte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) dem RP allerdings mitgeteilt, dass bis 2040 eine Generalsanierung beziehungsweise ein vollständiger Neubau der Wehranlage vorgesehen sei.

Für den Neubau der Wehranlage gebe es noch keinen Terminplan, es gebe derzeitig auch keine Planungsarbeiten dazu, teilt Walter Braun, Leiter des WSA Neckar in Heidelberg mit. „Unser letzter Kontakt mit dem RP in Stuttgart, das für die Radwegplanung zuständig ist, ist aus dem Jahr 2016.“ Es seien seinerzeit mehrere technische Konstruktionsvarianten betrachtet worden, die letztlich alle keine zufriedenstellenden Lösungen waren, weil die „Wegeführung unbefriedigend, konstruktiv unmöglich bis zu teuer waren“.

Dazu müsse unterschieden werden zwischen der ersten Brücke, der Schleusenzufahrt, und der zweiten Brücke, die Bestandteil des Wehres ist. Bei beiden Brücken liege der Wegebereich von Fußgängern und Radfahrern auf den Brückenkappen. Da sie nicht die Haupttragkonstruktion der Brücke für die Verkehrslast tragen, werde das „das ganze Thema konstruktiv anspruchsvoll“.

Zusätzlich müssten alle Varianten es ermöglichen, dass er mit einem Schwimmkran unter der Brücke durchfahren, um diesen aufrichten zu können. „Damit sind alle Konflikte und Konkurrenzen der Nutzung auf dem Tisch.“

Die letzte Variante, die dem WSA vorliegt, geht von einer eigenen Brückenkonstruktion unterhalb des heutigen Wehres aus. Hier seien die hydraulischen Auswirkungen der Stützen zu berücksichtigen sowie die Gefahr, wenn angeschwemmtes Treibgut oder Totholz den Neckar verstopft und dadurch das Wasser aufgestaut werde. Treibgut aus Pflanzen-, Holz- oder Laubresten könne negativ auf die Konstruktion einwirken. Bei Hochwasser könne es vorkommen, dass im Fluss treibende Baumstämme durch den gezogenen Wehrverschluss schnellen. „Aus Sicht des WSA Neckar ist eine eigenständige Trassenführung mit einer leichten Geh- und Radwegkonstruktion die schnellste und passendste Lösung.“

Das sieht das RP nach wie vor anders. Nicht nur aus konstruktiven und statischen Gründen, sondern auch aus Sicht des Denkmalschutzes – die Staustufe Besigheim hat den Status eines Kulturdenkmals – sei es nicht möglich, einen Stahlsteg, der direkt an der Wehrbrücke befestigt wird, zu installieren.

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