Ludwigsburg | 06. September 2017

Anstöße für gelungene Integration

Der Regen war ein kleiner Spielverderber beim ersten Caritas-Soccer-Cup im Gustav-Siegle-Stadion in Besigheim. Denn eigentlich hätten die 100 Sportler auf dem Hauptfeld des Stadions spielen sollen. Da es jedoch in der Nacht von Freitag auf Samstag zu stark geregnet hatte, mussten die Fußballer auf den Trainingsplatz umziehen. „Davon lassen wir uns den Spaß nicht vermiesen“, sagte Lisa Drexler.

Dabei sein ist alles: Die rund 100 Teilnehmer des ersten Caritas-Soccer-Cups im Besigheimer Gustav-Siegle-Stadion. Fotos: Holm Wolschendorf
Dabei sein ist alles: Die rund 100 Teilnehmer des ersten Caritas-Soccer-Cups im Besigheimer Gustav-Siegle-Stadion. Fotos: Holm Wolschendorf

Sie ist seit einem starken Jahr Flüchtlingssozialarbeiterin bei der Caritas Ludwigsburg. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Friederike Zach kam sie auf die Idee, den Fußball als Bindeglied zu nutzen. So konnten sich Flüchtlinge aus den Unterkünften des gesamten Nordlandkreises kennenlernen und ihrem Bewegungsdrang nachgehen. In Gruppe 1 standen sich Bönnigheim, Kirchheim, Besigheim 1 und eine Caritas-Mannschaft gegenüber. Die zweite Gruppe gehörte Besigheim 2 und 3 sowie Löchgau und einer Verbundmannschaft aus Gemmrigheim, Ingersheim und Hessigheim. „Hier wird nicht nach Nationen getrennt“, betonte Lisa Drexler. Flüchtlinge aus dem Irak, Iran, Eritrea und anderen Ländern bildeten gemeinsam ein Team und freuten sich über ihre Tore. „Das haben die Kolleginnen schon gut gemacht“, lobte Monika Miller die Organisatorinnen.

Monika Miller ist Leiterin der Abteilung Flucht und Asyl bei der Caritas. Sie war sofort von Lisa Drexlers Idee begeistert. Die hat dann ihre Kontakte spielen lassen. Schließlich hat in den vergangenen zwei Jahren sehr häufig mit den Verwaltungen der Gemeinden zu tun gehabt. Die Türen standen ihr also offen und die Verwaltung in Besigheim – als größte Stadt des nörlidchen Landkreises – war sofort bereit, das Stadion für die Aktion bereitzustellen.

Für die Flüchtlinge war der Soccer-Cup sichtlich eine Abwechslung zum oftmals tristen Leben in ihren Unterkünften. Es wurde viel gelacht, gefeiert, aber vor allem gerannt und mit Ehrgeiz um jeden Ball gekämpft. „Ich habe in meiner Heimat schon 18 Jahre lang Fußball gespielt“, meinte Yassir Sheikh Shaban. Er ist vor eineinhalb Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen und wohnt in Kirchheim. Mit einem T-Shirt, auf dem ein Spruch des ehemaligen österreichischen Bundesligaspielers Peter Pacult steht, stürzte er sich in das schweißtreibende Spiel. In Besigheim wie in Syrien war er als Stürmer im Einsatz. Und wenn er gerade als einer der vier Auswechselspieler am Spielfeldrand stand, unterhielt er sich mit seinen Kollegen über entgangenen Torchancen und einen möglichen Turniersieg. Ganz so ernst nahm er es allerdings nicht. „Ich will hier Spaß haben und nicht unbedingt den Titel gewinnen“, sagte Yassir Sheikh Shaban. Ähnlich ging es den meisten Teilnehmern. Auch Lisa Drexler und Friederike Zach griffen aktiv ins Geschehen ein. Sie konnten ihre Freude nicht verbergen, dass sehr viele ihrer Schützlinge in Besigheim waren. „Ich wusste, dass es beliebt sein würde, weil jeder Fußball mag. Mit so viel Andrang hätte ich doch nicht gerechnet“, meinte Lisa Drexler. Am Ende setzte sich Besigheim 2 gegen Besigheim 1 mit 3:2 im Finale durch. Die Mannschaft der Caritas belegte den dritten Platz.

Tobias Bumm
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