Filmvorführung
Ludwigsburg | 02. November 2018

Ein kleines Dorf wehrt sich gegen Pestizide

Schweres Thema, großer Andrang: Der Dokumentarfilm „Das Wunder von Mals“ lockt 120 Zuschauer ins Kino

Ein fast volles Haus gab es im Ludwigsburger Kino Luna, als der Dokumentarfilm „Das Wunder von Mals“ auf dem Spielplan stand. Obwohl es dort um eine schwere Kost ging: den Einsatz von Giften, Pestiziden und Glyphosat in der Landwirtschaft und in den Gemeinden. Auch der Filmemacher Alexander Schiebel war zur Diskussion nach Ludwigsburg gekommen.

„Ganz Südtirol wird von Monokulturen überrollt und in Pestizidwolken gehüllt! Ganz Südtirol? Nein!“, ist auf dem Plakat zum Film zu lesen. Der Film beginnt dort, wo sich die Monokultur der konventionellen Apfelbauern bereits durchgesetzt hat. Südlich von Schlanders, am Fuße der Berge des Nationalparks Stilfserjoch, residiert das „Kräuterschlösschen“, so der Name des Betriebes, in dem seit 1990 Biokräuter angebaut werden. Gegen die Pestizideinsätze der Nachbarn schützt sich die Betreiberfamilie mit fünf Meter hohen Hecken und 150 000 Euro teuren Folientunnel, um rückstandsfreie Ware in den Verkauf zu bringen, erläutert der Inhaber Urban Gluderer im Film.
Damit es in ihrer Gemeinde nicht so weit kommt, dafür streiten die Bürger in Mals. Im oberen Etschtal des Vinschgaus wehrt sich die 5000 Einwohner zählende Gemeinde gegen einen Pestizideinsatz, der den Ökobauern das Wirtschaften unmöglich macht, da auch ihre Äcker, Plantagen und Wiesen kontaminiert werden.

Die Malser wollen zeigen, dass nachhaltiges Wirtschaften ohne Pestizideinsatz möglich ist. Der Film „Das Wunder von Mals“ dokumentiert den Widerstand der Dorfbewohner und den Kampf dafür, die Gemeinde von Pestizideinsätzen zu verschonen. In einem Bürgerentscheid sprechen sich 75 Prozent der Malser bei einer Wahlbeteiligung von 70 Prozent für eine pestizidfreie Landwirtschaft aus. Doch damit ist noch nichts gewonnen – einige Mitglieder des Gemeinderates verweigern die Umsetzung und auch die übergeordneten Behörden in Südtirol wollen den Malser Weg nicht anerkennen und lokale Pestizidverbote unmöglich machen, indem sie den Gemeinden die Zuständigkeit entziehen.

Es beginnt ein zermürbender Gang durch politische und juristische Instanzen. Schiebel zeigt in seinem Film, wie aus weitgehend unpolitischen Bürgern entschlossene Streiter für das Recht auf eine pestizidfreie Gemeinde werden. Die Akteure planen mit Humor und Kreativität Aktion um Aktion, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Bald bekommen Sie Unterstützung, etwa vom Münchner Umweltinstitut. Journalisten und Wissenschaftler aus der ganzen Welt kommen nach Mals. Ein Happy End hat der Film dennoch nicht zu bieten – oder doch?
Im anschließenden Filmgespräch wies der Vorsitzende des Vereins Gentechnikfreie Landkreise Ludwigsburg/Rems-Murr, Wolfgang Manuel Simon, darauf hin, dass „auch hier im Südwesten überdurchschnittlich viel Pestizide und Glyphosat auf die Felder, Weinberge und Obstanlagen, aber auch in den Gemeinden und Städten ausgebracht werden“. Nicht erst seit dem Pestizidbericht 2018 des NABU sei dies bekannt.
Am Schluss kommt Schiebel auf die Analogie des Filmplakates zum gallischen Dorf zurück. Die Malser seien inzwischen – unabhängig vom Stand der juristischen Auseinandersetzung – unbesiegbar geworden und ein wesentlicher Bestandteil des Zaubertrankes, der ihnen dabei hilft, sei Humor, verrät er dem Publikum. Wer neugierig geworden ist, liest auf www.wundervonmals.com mehr über das „Wunder von Mals“. (red)

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