Ludwigsburg | 18. Dezember 2017

Eine Benefizparty, die zündet

Weggefährten, Schulkameraden, Musiker und Freunde waren am Samstagabend ins Scala gekommen, um einem Mann zu gratulieren, der die Beat-Szene in Ludwigsburg geprägt hat: Rolf Iseler feierte bei vollem Haus seinen 70. Geburtstag.

Rolf Iseler (rechts) feiert im Scala 70. Geburtstag und rockt mit seiner Band Beat Union und Gastmusikern die Bühne. Foto: Benjamin Stollenberg
Rolf Iseler (rechts) feiert im Scala 70. Geburtstag und rockt mit seiner Band Beat Union und Gastmusikern die Bühne. Foto: Benjamin Stollenberg

Das geschah mit viel gutem Sound und keinen großen Reden, Iseler ließ sich nicht feiern, sondern bescherte seinen Gästen eine Fete, die mit jedem Takt zündete. Der Hit „Born to be wild“ wurde hier zum Programm. Iselers Band Beat Union trat mit Gastmusikern auf und sogar der Scala-Geschäftsführer saß mal am Schlagzeug. Er outete sich ebenfalls als ein Kind der 60er Jahre, schließlich sei er 1969 geboren.

Das entlockte den hier versammelten Altrockern aber nur ein müdes Lächeln, an diesem Abend war man größtenteils 60plus oder eben 70 wie Iseler und der hat die Sixties in vollen Zügen genossen und lässt es auch heute noch krachen. So wurde nach dem Stones-Hit „Let‘s spend the Night together“ getanzt und bei „Mighty Quinn“ von Manfred Mann mitgesungen. Von der Sängerin Dale Wilde hatte sich Iseler den Janis Joplin-Hit „Mercedes Benz“ gewünscht und den röhrte sie in bester Blues-Manier.

Im Herzen sind alle Akteure immer Revolutionäre geblieben und einer, der die Rentner-Revolte zum Programm machte, war ebenfalls zum Gratulieren gekommen: Der Kabarettist Otmar Traber lederte als Albert Trott im Che-Guevara T-Shirt gehörig über die Jungen ab, die so spießig geworden sind und als Weltretter nicht taugen. Deshalb müssen die Alten wieder ran. Traber lud Jubilar Iseler denn auch ein, in der Uckermark weit weg von Gut und Böse eine Mischung aus Seniorenheim und revolutionärer Zelle zu gründen, die Langeweile neu zu entdecken und über eine bessere Welt nachzudenken.

Aber Rolf Iseler scheint für die Rente noch nicht zu taugen, auch wenn er Trabers Vorschlag durchaus etwas abgewinnen konnte. Denn der Jubilar ist noch voll im Job. Als Geschäftsführer der Möglinger Firma für Industrienähmaschinen Union Special jettet er um die Welt und ist häufig im asiatischen Raum. Von dort kamen auch viele Geburtstagsgrüße via Internet.

Vom Bub zum Rock‘n‘Roller

Die auf die Leinwand projizierte Film- und Fotocollage zeigte den Werdegang Iselers vom lieben Bub mit dem charmanten Lächeln zum Rock‘n‘ Roller, erst bei den Birds, dann bei den Shatters. Nach beruflicher Ausbildung in Chicago sowie einer Station in München kehrte er nach Ludwigsburg zurück, 1991 feierten die Shatters ein Revival, 1998 wurden die Old Shatters aus der Taufe gehoben, die zehn Jahre lang die Bühnen der Region unsicher machten. 2008 gab es mit der Band Beat Union wieder eine Veränderung. Und die rockt seither eine Vielzahl von Veranstaltungen. Weil die alten Hits nicht einfach nur runtergespielt werden, sondern direkt erlebt werden können. Mitsamt den Geschichten von den alten Zeiten, die ganz schön wild waren. Bei der Party durfte sich jeder noch mal in den bunten Sixties schwelgen und mit Pappkamerad Iseler samt aufblasbaren Gitarren und bunten Klamotten fotografieren lassen.

Auch das passt zu Rolf Iseler: Er schmiss die Geburtstagsparty, um anderen Menschen in der Region helfen zu können. Deshalb wünschte er sich auch Spenden statt Geschenke. Über die LKZ-Aktion Helferherz gehen sämtliche Einnahmen an Aufwind – Bunter Kreis Ludwigsburg. Der Verein unterstützt Familien mit schwer- und chronisch kranken Kindern sowie Frühgeborenen. Im Gespräch mit dem stellvertretenden LKZ-Chefredakteur Peter Maier-Stein berichtete Krankenschwester Amelie Hallmann von ihren Einsätzen. Sie besucht rund 100 Familien im Jahr und berät sie in pflegerischen sowie sozialrechtlichen Fragen.

Angelika Baumeister
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