KORNWESTHEIM | 27. Juli 2009

Hip-Hop erobert den Marktplatz

Hip-Hop, das ist nicht nur Musik von coolen Jungs in tief sitzenden Hosen mit Strick- oder Schirmmütze auf dem Kopf. Hip-Hop ist Teil der Jugendkultur. An Jugendliche richtete sich auch das Hip-Hop-Event gegenüber des Kornwestheimer Rathauses, das am Samstag zum ersten Mal stattfand.

Bilder: Cathrin Müller

„Hip-Hop-Open-Air – Bleibt Fair!“, lautete das Motto der Veranstaltung, die der neue Kornwestheimer Jugendreferent, Matthias Schmitt, ins Leben gerufen hat. Fachkundige Hilfe gab es von Timo Hermes alias Moe, der das Hip-Hop-Label Doep.Recordz betreibt. Der Ludwigsburger Musiker hatte bereits eine Kampagne „keep cool“, die sich auch gegen Gewalt richtete, zusammen mit der Ludwigsburger Karlshöhe organisiert.
Ein Hip-Hop-Open-Air gegen Gewalt klingt zunächst paradox, schließlich verbinden viele mit Rap auch krasse, harte Texte. „Wir verzichten hier auf Gangsta Rap“, erklärte Moe. Er sei ein Hip-Hopper „der alten Schule“. Seine Texte seien oft gesellschaftskritisch, er möchte mit der Musik auch eine Botschaft rüberbringen. Aber natürlich mache er auch gerne einfach „Party-Mucke“.
Eine ähnliche Mischung war beispielsweise auch bei der Gruppe „Zwei mit Mike“ zu finden. Sie texteten zum einen „Sie hat ein Arschgeweih, das darf nicht sein“, genauso wie „Alles wird gut, ist der Himmel auch manchmal mit Wolken bedeckt. Schau nach vorne.“
Moes Kontakten in die Szene war die Bandbreite der auftretenden Musiker zu verdanken. Neben „Mera&Maze“ aus Kornwestheim, die noch ganz am Anfang stehen, waren in der regionalen Szene bekannte Künstler vertreten. Das beste kam beim Hip-Hop-Open-Air zum Schluss: Als Publikumsmagneten erwiesen sich „Kodimey“ (Stuttgart), „Aflex&Mowler“ (Ludwigsburg) und „Kaas“ (Reutlingen). „Kaas ist der Topakt des Tages“, hatte Moe bereits im Vorfeld prognostiziert. Erst ihm gelang es, durchgehend für Stimmung zu sorgen und mehrere hundert Jugendliche vor die Bühne zu bringen. Am Nachmittag hatten die Musiker die jungen Leute immer wieder auffordern müssen, doch nach vorne zu kommen. Über den Salamander-Park und den gesamten Platz verstreut hingen die Jugendlichen ab.
Nicht nur die Szene aus Kornwestheim und Umgebung wurde angezogen. Aus Frankfurt kam eine ganze Busladung Hip-Hop-Begeisterter: „Sunny Bizness feat. Bazaar“ brachten ihre eigene Fangemeinde mit.
Dass Hip-Hop nicht nur aus Rap, sonder auch aus Graffiti, Breakdance und DJ-ing besteht, zeigte sich bei der Open-Air-Veranstaltung. Zwar standen die Rapper im Mittelpunkt, doch auch DJs und Street Dancer präsentierten, was sie drauf haben. Am meisten Aufmerksamkeit erregten wohl die Graffiti-Künstler neben der großen Bühne. Ausrangierte Landkarten aus der Schule dienten ihnen als Leinwand. „Die Völkerwanderung“ und „Die Arabische Welt und der Nahe Osten im 20. Jahrhundert“ verschwanden nach und nach hinter der Farbe aus den Sprühdosen. Ein Konzept hatten die Sprayer nicht.
„Bei mir entsteht das einfach so. Bei den Arabischen Ländern habe ich an Öl gedacht und dann an Feuer“, erklärte Dorian, der seit acht Jahren sprüht und mit seinen Graffiti inzwischen sogar Geld verdient. Er und die anderen Sprayer verbrauchten 30 Dosen Farbe an diesem Tag. Für ihn sind Graffiti eine Kunstform, die allerdings durch Vandalismus ins schlechte Licht gerückt würde. Er selbst sprühe ausschließlich legal.

Stephanie Seer
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