Ludwigsburg | 09. Januar 2017

LKZ-Adventskalender 24

Bis zu 600 Besucher finden in der Bartholomäuskirche in Markgröningen Platz. An Heiligabend kann es schon mal vorkommen, dass die Plätze im „Strohgäudom“ tatsächlich alle belegt sind. In so einem Fall braucht der Pfarrer vor dem Gottesdienst einen Ort, wo er noch einmal kurz durchatmen kann.

Die Sakristei der Bartholomäuskirche wurde um 1472 angebaut.
Die Sakristei der Bartholomäuskirche wurde um 1472 angebaut.
Foto: Oliver Bürkle

Unter anderem dafür ist die Sakristei gedacht. „Normalerweise bewahrt man hier auch den Talar auf“, sagt Pfarrer Michael Güthle. „Da wir Protestanten aber nur einen haben, nehmen wir den meistens mit heim.“

Wahrscheinlich sind die beiden Pfarrer, die für die Kirche zuständig sind, ohnehin froh um jedes Teil, das nicht in der Kirche herumliegt. In der Sakristei steht alles, was nicht im Alltag in den Kirchenraum gehört, aber doch immer mal wieder gebraucht wird: eine große Pinnwand, ein Kreuz für Taizé-Gottesdienste, Technikutensilien, Altartücher und Kerzen. Unter dem in einer Nische stehenden Altar ist der Wein für das Abendmahl gelagert. In dem schönen großen Schrank daneben, der wahrscheinlich aus dem Biedermeier stammt, befinden sich Kelch und Kanne für das Abendmahl.

In der anderen Ecke des Raumes mit den schönen Schlusssteinen im Gewölbe steht eine eher unansehnliche kleine Küche. „Die hat mal irgendein Vorgänger hier reingestellt, ohne zu fragen“, sagt Güthle. „Wir brauchen zwar Wasser für das Taufbecken, aber diese Küche passt wirklich gar nicht hier rein.“

Im nächsten Jahr soll sie darum weichen. Dann wird die Sakristei umgestaltet und wieder näher an den originalen Zustand aus dem 15. Jahrhundert herangebracht.

„Der Raum ist so schön, dass wir ihn verstärkt nutzen wollen. Vielleicht als Besinnungsraum“, sagt Güthle. Die Frage ist nur, wo dann die ganzen Sachen gelagert werden können. „Die Sakristei ist seit jeher auch als Abstellraum der Kirche gedacht – andere Lagermöglichkeiten sind rar.“

In den 50er und 60er Jahren wurde der Raum noch oft von Gruppen genutzt. Kinderkirche, Gebetskreise und Kirchengemeinderatssitzungen fanden dann hier statt. Dies änderte sich erst, als ein neues Gemeindehaus in der Nähe der Kirche gebaut wurde.

Die schwere, eisenbeschlagene Türe, die vom Chor zur Sakristei führt, sehen Besucher der Kirche seitdem weitaus seltener. Sie stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist vermutlich das kostbarste Stück im gesamten Gotteshaus. Unter dem Jahr betritt der normale Besucher aber eher selten den Chorraum und das Schmuckstück bleibt versteckt.

Heute wird der Chor, wie der Rest der um 1272 erbauten Kirche, von Kerzenlicht erleuchtet sein. „Wir leuchten an Heiligabend das Kirchenschiff gerne mit Kerzen aus, die auf den Kapitellen stehen“, sagt Güthle. „Auf dem Altar steht ein Friedenslicht von Bethlehem, das sich die Leute auch mit einer Kerze mitnehmen können.“

In diesem schönen Ambiente herrscht am heutigen Tag Hochbetrieb. Um 15.30 Uhr findet der Familiengottesdienst mit Krippenspiel und Kinderkirche statt, um 17.30 Uhr die Vesper und um 23 Uhr noch die Christmette. Danach wird Pfarrer Güthle sicher froh sein, in seiner Sakristei noch einen Moment der Stille genießen zu können.

Melinda Schachinger
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