Ludwigsburg | 05. April 2017

Wie man im Konfliktfall locker bleibt

Auch auf dem Schulhof wird mitunter gedrängelt, geschubst und manchmal auch geschlagen. „Je früher man dem entgegenwirkt, umso besser“, sagt Uschi Daub. Die Erligheimerin ist seit über 20 Jahren als Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungslehrerin tätig. Sie gibt schon in Kindergärten Kurse zur Gewaltprävention, auch mit wegen Sexualdelikten oder Körperverletzung verurteilten Straftätern hat sie zusammengearbeitet.

Uschi Daub bei ihrer Gewaltprävention an der Georg-Hager-Schule.
Uschi Daub bei ihrer Gewaltprävention an der Georg-Hager-Schule.
Foto: Oliver Bürkle

In den vergangenen Wochen war Daub in der Georg-Hager-Schule unterwegs. Finanziert wurde dieses Gastspiel vom Förderverein der Grundschule, der seit seiner Gründung im Jahr 2009 mehr als 42 000 Euro für ganz verschiedene Projekte zur Verfügung gestellt hat. Unter anderem für ein Piratenschiff und eine Kletterwand, auf denen sich die Grundschüler austoben können. Für eine neue Leselandschaft in der Aula, für hochwertige Musikinstrumente, eine Basketballakademie, Schulkinowochen, Klaviertheater, Musicals und viele andere Angebote.

Daubs Modell basiert auf dem sogenannten Wendo, einem Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskonzept, das in den 70er Jahren in der feministischen Bewegung entstand. Dabei handelt es sich nicht um eine Kampfsportart, sondern um ein Präventionsprogramm gegen Gewalt. Daub passt verschiedene Elemente auf ihre jeweilige Zielgruppe an.

Häufig ist es am besten, überhaupt nicht auf Provokationen zu reagieren. Daub zieht sich eine Baseballkappe auf und spielt einen Jugendlichen, der die Schüler auf dem Pausenhof anspricht. Er habe da ein ganz tolles Handy, das sich das potenzielle Opfer unbedingt anschauen soll. Nacheinander gehen die Kinder vorbei und ignorieren den Jugendlichen. „Einfach so tun, als ob man gar nichts gehört hat“, rät Daub. „Strategie des Weggehens“ nennt sie diese Vorgehensweise, die Provokationen und eventuelle Aggressionen ins Leere laufen lässt.

Insbesondere die Jungen suchten auf dem Pausenhof häufig die Konfrontation, so die Selbstbehauptungslehrerin. „Sie wollen ihre Stärke demonstrieren. Bei Mädchen kommt das auch gelegentlich vor, bei ihnen geht es aber eher ums Aussehen.“

Manchmal lässt sich eine Auseinandersetzung mit Körperkontakt nicht vermeiden. „Zum Beispiel, wenn jemand einem anderen Kind ein Spielzeug wegnimmt, schubst oder haut“, sagt Daub. In solchen Fällen rät sie dazu, einen stabilen Stand einzunehmen. „Dann sagt ihr möglichst laut: ,Lass mich los‘“, so Daub. „Wenn Ihr auch noch den Namen dazu sagt, weiß die Pausenaufsicht, wer es war.“ Keinesfalls aber sollten die Schüler ihren Streitpartner selbst beleidigen oder gar schlagen. „Dann wird der Streit nur noch schlimmer und beide bekommen Ärger“, erklärt Daub.

Andererseits will die Selbstbehauptungslehrerin niemanden zum Petzen animieren. „Und wenn man sofort zum Lehrer geht, ist das Petzen.“ Das komme nicht gut an, weder bei Mitschülern noch bei Lehrern. Grundsätzlich will sie die Schüler dazu ermutigen, Konflikte selbst zu lösen.

Daub hat auch einen Tipp, falls Erwachsene Kinder auf der Straße aus einem Auto heraus ansprechen: Einfach entgegen der Fahrtrichtung weggehen – dann muss der Fahrer sein Auto zunächst wenden.

Frank Klein
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