Ludwigsburg | 27. März 2017

Zehnjähriges Ausnahmetalent mit großen Zielen

Wenn David Nachreiner seine Pfeile nach dem Werfen aus der Dartscheibe ziehen will, muss er auf eine Bierkiste steigen. Dabei ist der erst Zehnjährige international ganz groß. Er ist Jugendeuropameister.

Hochkonzentriert geht Jugendeuropameister David Nachreiner ans Werk. Der Zehnjährige besuchte seinen Ausrüster in Möglingen. Foto: Alfred Drossel
Hochkonzentriert geht Jugendeuropameister David Nachreiner ans Werk. Der Zehnjährige besuchte seinen Ausrüster in Möglingen. Foto: Alfred Drossel

Tschok, Tschok, Tschok. Dreifach 20, doppelt 18, Bull. Statt vor der Glotze abzuhängen, wirft David Nachreiner aus dem ostbayerischen Cham Pfeile. Hunderte in der Woche und die kommen aus Möglingen. Evolution Darts rüstet die deutsche Nachwuchshoffnung aus. Und diese Firma hat Nachreiner am Samstag besucht.

 

Dabei ist es erst ein starkes Jahr her, dass der Zehnjährige diesen Sport für sich entdeckt hat. Auf einem Volksfest hat er eine Magnetscheibe gewonnen und damit das „Spikern“ kennengelernt. Zu Weihnachten bekam er dann seine erste echte Scheibe aus Kork geschenkt. Seither wirft er, wann immer ihm die Schule oder der Fußball Zeit dafür lassen. Bis zu drei Stunden am Tag, wenigstens eine vor dem Schlafengehen. „Seit ich Darts spiele, kann ich mich viel besser konzentrieren“, erzählt der Fünftklässler. In seiner Realschule wurde jetzt eine Darts-AG gegründet, für die sich rund 100 Mitschüler interessieren. Das Ausnahmetalent David Nachreiner ist auch Deutscher Meister der Klassen U 14 und U 18.

 

Mit nur elf Pfeilen schafft er es, von 501 Punkten exakt auf null zu kommen. Nach jedem Wurf rechnet er im Kopf mit, kalkuliert, wie er am schnellsten ans Ziel kommt. Spitze wären neun. Das ist sein Ziel. Und er will Profi-Dartspieler werden. Spitzenspieler bringen es auf bis zu 1,5 Millionen Euro im Jahr an Werbeeinnahmen, Preis- und Sponsorengelder. „Die besten acht der Welt können gut davon leben.“ Dafür benötige man die pure Konzentration und Coolness. Denn wer sich vom Gegner unter Druck setzenlasse, habe schon so gut wie verloren.

 

Seine Präzisionspfeile mit Stahl und Plastikspitzen für elektronisches Dart stammen aus der Möglinger Schmiede Evolution Darts. 1993 gründete Roland Kühn diese Spezial-Manufaktur. Jedes Sportgerät besteht aus sechs Teilen und ist zwischen 16 und 28 Gramm leicht. Es wird jedem Werfer nach seinem Fingerabdruck auf den Leib geschneidert – entwickelt zusammen mit der Esslinger Fachhochschule für Technik und dem renommierten Steinbeiß-Institut.

 

Ein erfahrener Dartspieler analysiert jeden Spieler und seine Technik. Dann erst wird produziert. Die Topspieler Europas decken sich hier ein. Das Gefühl in den Fingerspitzen muss stimmen, damit Auge und Hand optimal harmonieren. Sie lassen sich so ein Dreier-Set bis zu 150 Euro kosten. „Von der Spitze bis zum Schaft – alles made in Gemany“, erklärt Roland Kühn.

 

David Nachreiner trainiert mit einem Laser gestützten Analysesystem. Jose Antonio Antelo-Conde von der Radikal Darts Turnier Organisation will so den Dart-Sport endgültig aus dem Kneipendunst herausholen und ihn bis 2024 olympisch machen. Höchstleistungskonzentration, Augen wie ein Adler und die ruhige Hand eines abstinenten Chirurgen sind für den Erfolg nötig. Der Sport hat übrigens militärische Wurzeln, Schotten und Franzosen haben die handlichen Wurfgeschosse gegen ihre Feinde eingesetzt. Die ältesten Funde sind einige tausend Jahre alt.

 

Tschok, Tschok, Tschok: Die Pfeile landen in den Doppelt- und Dreier-Feldern die nicht viel größer sind als die Münzschlitze in Parkscheinautomaten. 2,27 Meter hängt die Scheibe entfernt. Der Mittelpunkt, das Bull, ist 1,73 Meter hoch. David Nachreiner ist erst 144 Zentimeter groß. Deshalb steigt der Zehnjährige auf die Kiste, um seine drei Pfeile zu holen.

Thomas Faulhaber
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