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Abi-Prüfung auch ohne Coronatest

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. Aktuell laufen die letzten Vorbereitungen für die schriftlichen Abiturprüfungen, die nächste Woche beginnen.

Am kommenden Dienstag starten die Abiturprüfungen mit dem Fach Deutsch. Wie im vergangenen Jahr muss ein Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden. Foto: Wallisch/Oscar-Paret-Schule
Am kommenden Dienstag starten die Abiturprüfungen mit dem Fach Deutsch. Wie im vergangenen Jahr muss ein Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden. Foto: Wallisch/Oscar-Paret-Schule

Freiberg. Es ist bereits der zweite Jahrgang, der seine Reifeprüfung unter Pandemiebedingungen ablegt. Doch von Routine keine Spur. Die Voraussetzungen in diesem Jahr sind weitaus ungünstiger. „Es gab nicht einen Tag, an dem alle Schüler gleichzeitig vor Ort waren“, sagt Schulleiter René Coels. Kam der Abschlussjahrgang in diesem Schuljahr in den Genuss von Präsenzunterricht, so fand dieser unter strengen Hygienevorschriften statt. Das gilt auch für die schriftlichen Prüfungen, die am Dienstag, 4.Mai, mit dem Fach Deutsch beginnen und bei denen der Infektionsschutz an erster Stelle steht.

Im Gegensatz zum Präsenzunterricht müssen die Prüflinge kein negatives Testergebnis vorweisen. Dennoch werden ihnen vor den Prüfungen Coronatests angeboten. Das teilte das Kultusministerium gestern mit. Nicht getestete Schüler müssten ihre Prüfungsarbeiten in einem anderen Raum schreiben als die bereits negativ getesteten Abiturienten. „Da müssen wir spontan reagieren und den Schülern am Prüfungsmorgen die jeweiligen Räume zuweisen“, sagt Coels. Wie üblich werden die Abiprüfungen auch dieses Jahr im Prisma geschrieben, wo es mehrere Räume gibt, die groß genug sind, um den Abstand einzuhalten. Liegt einem Schüler ein positives Testergebnis vor, ist die Teilnahme an der Prüfung nicht möglich. Er oder sie muss dann den Nachholtermin im Juni wahrnehmen. „Wir wollen so viele Schüler wie möglich testen lassen“, sagt Coels. Damit die Abiturienten den Prüfungstag entspannter angehen können, sollen sie sich auf Bitte der OPS schon am Tag davor testen.

In den Prüfungen selbst müssen die 78 OPS-Abiturienten eine medizinische Schutzmaske tragen. Sie darf zum Essen und Trinken abgenommen werden. Zudem wird den Abiturienten eine Pause eingeräumt, in der sie in einem anderen Raum oder im Freien die Maske absetzen dürfen.

Um den Schülern aufgrund ihrer oft widrigen Lernbedingungen während der Pandemie entgegenzukommen, wurden die schriftlichen Prüfungen um drei Wochen verschoben. Dadurch sollte ihnen mehr Zeit zum Lernen verschafft werden. Außerdem haben die Lehrkräfte nur die Kerncurricula – also die verbindlichen Bildungsstandards – unterrichtet und auf Vertiefungen verzichtet. „Damit haben wir Zeit gewonnen“, sagt Rektor Coels. Außerdem haben die Schüler für die Bearbeitung ihrer Aufgaben eine halbe Stunde mehr Zeit, wenn die Prüfungsdauer drei Stunden oder mehr beträgt. Eine weitere Erleichterung: Den Schulen wird eine größere Auswahl an Aufgaben zur Verfügung gestellt. Die Lehrkräfte treffen dann eine Vorauswahl. So soll vermieden werden, dass die Prüflinge Aufgaben bekommen, auf die sie sich aufgrund der Einschränkungen nicht vorbereiten konnten. „Wir treffen uns während der Prüfungsphase schon um 6 Uhr morgens, um die Aufgaben auszuwählen, die wir für am geeignetsten halten“, sagt Coels. Es sei wichtig, an dieser Stelle die Lehrer mit in die Verantwortung zu nehmen, schließlich würden sie wissen, wo die Stärken der Schüler liegen.

Bis vergangenen Dienstag hatten die Abiturienten übrigens die Möglichkeit, sich zu entscheiden, ob sie die normalen Prüfungstermine ab nächster Woche oder die Nachholtermine vom 8. bis 23. Juni wahrnehmen wollen. Das Ergebnis: Bei der OPS haben sich ausnahmslos alle für den eigentlichen Prüfungsstart entschieden. „Ich hätte niemandem dazu geraten, den Nachholtermin zu wählen, nur aufgrund der Sorge, nicht ausreichend vorbereitet zu sein“, so Coels.

Wie am Ende die Zeugnisübergabe an der Oscar-Paret-Schule aussehen wird, steht noch in den Sternen. Bislang wurden die Zeugnisse und Preise immer im Rahmen des Abiballs überreicht. Das wünschen sich die Organisatoren auch für dieses Jahr und haben dafür den letztmöglichen Termin der Übergabe am 23. Juli angepeilt. Sollte aufgrund der Coronaverordnung kein Abiball durchgeführt werden dürfen, ist laut Coels auch ein reiner offizieller Akt mit Übergabe der Dokumente möglich.

Der Schulleiter ist sich sicher, dass der diesjährige Abijahrgang ordentlich abschneiden wird. „Die Leistungsmessungen bislang stimmen mich optimistisch“, sagt er. Dass die einen Schüler mehr und die anderen weniger gut vorbereitet sind, sei in jedem Jahr der Fall. Allerdings stehe eines bereits vor den Prüfungen fest: „Diesem Jahrgang muss man absolut die Reife bescheinigen.“

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