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Ablehnung einer Buslinie aus dem Bottwartal nach Winnenden

Die Landratsämter der Kreise Ludwigsburg und Rems-Murr sehen eine direkte Busverbindung von Steinheim über Erdmannhausen und Affalterbach bis Winnenden und am anderen Ende die Verlängerung bis Oberstenfeld kritisch. Die SPD-Ortsvereine Großbottwar und Oberstenfeld sind enttäuscht. „Die Landratsämter blockieren die Verkehrsentlastung“, heißt es in einer Mitteilung.

Der alltägliche Wahnsinn auf der L 1100: Stau rund um Murr. Immer wieder gibt es Ideen, um die Strecke zu entlasten. Archivfoto: Ramona Theiss
Der alltägliche Wahnsinn auf der L 1100: Stau rund um Murr. Immer wieder gibt es Ideen, um die Strecke zu entlasten. Archivfoto: Ramona Theiss

Großbottwar/Oberstenfeld. Ziel einer Idee von ursprünglich den Freien Wähler-Fraktionen in Steinheim, Erdmannhausen, Affalterbach und Winnenden war, mit der Busverbindung nach Winnenden über den Bahnhof Erdmannhausen das Nadelöhr L1100 zwischen Murr und Marbach vom Verkehr zu entlasten. Eine direkte Anbindung des Busverkehrs an die S-Bahn in Erdmannhausen würde die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs im Bottwartal spürbar steigern und viele Menschen zum Umsteigen bewegen, war damals die Argumentation gewesen. Die Vorteile einer solchen Linie, so die Begründung der Gemeinden, lägen auf der Hand: Sie könnte auf dem bestehenden Straßennetz geführt und sofort eingerichtet werden, größere bauliche Maßnahmen wie etwa bei einer Schnellbuslinie von Murr nach Marbach seien nicht nötig

Die Stellungnahme der Landratsämter liegt inzwischen vor. Verschiedene Argumente werden entkräftet. So gebe es für den Schülerverkehr zwischen Erdmannhausen und Steinheim bereits eine bestehende Busverbindung über Marbach mit kurzen Umsteigezeiten. Um zu überprüfen, wie viele Pendler zwischen Winnenden, Affalterbach und dem Bottwartal unterwegs sind, hat aber der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) die Pendlerströme analysiert: Die Verbindung zwischen Affalterbach und Winnenden verfüge über ein hohes Fahrgastpotenzial, dieses falle jedoch im weiteren Verlauf nördlich von Affalterbach deutlich ab. Darüber hinaus seien deutlich mehr Pendler aus dem Bottwartal in Richtung Affalterbach unterwegs als umgekehrt vom Rems-Murr-Kreis in den Landkreis Ludwigsburg, was zu einer ungleichmäßigen Auslastung der Busse führen könnte. Der überwiegende Teil dieser Auspendler habe zudem als Quell- beziehungsweise Zielort Steinheim, so dass eine Weiterführung des Angebots ins Bottwartal nicht erforderlich erscheine.

Auch gibt es ein Kostenproblem: Zur Herstellung eines 60-Minuten-Takts werden zwei zusätzliche Busse erforderlich, für einen 30-Minuten-Takt werden drei Busse benötigt. Dies sei mit hohen Betriebskosten verbunden. Jedes Fahrzeug verursache Kosten von 250000 Euro jährlich. Auch bereiteten die Anschlüsse Sorge: In Erdmannhausen entstünden dann lange Wartezeiten, wenn sich der Bus verspätet. In Erdmannhausen muss zudem der Bahnhof noch umgebaut werden für die Verbindung mit dem Bus.

Ausbau Buslinie von Marbach nach Winnenden

Der Ausbau der Linie 456 von Marbach nach Winnenden stelle eine wirtschaftlichere Lösung dar, da dies mit den vorhandenen Fahrzeugen möglich sei. Deshalb lautet der Vorschlag der Landratsämter: Eine Anbindung von Winnenden mit der Linie 456 – zusätzlich zum heutigen Fahrplanangebot – in den Stunden 9, 12, 13, 14, 15 mit einem Leistungsumfang von rund 18750 Kilometern pro Jahr. Mit Blick auf den Arbeitsplatzschwerpunkt in Affalterbach wird angeregt, die Fahrten, bis oder ab Winnenden aus Fahrzeitersparnisgründen ab Affalterbach direkt über die Landesstraße zu führen. Gleichzeitig könnte durch die Einrichtung einer Haltestelle in der Winnender Straße auf Höhe des Gewerbegebiets die ÖPNV-Erschließung verbessert werden.

Enttäuschung und Kritik aus dem Bottwartal

Die Argumentation, die wirtschaftliche und kundenorientierte Funktonalität des Buskonzeptes im Bottwartal gingen verloren, sehen die SPD-Ortsvereine Großbottwar und Oberstenfeld anders. Durch die Meidung des Nadelöhrs L1100 entstehe eine „hochattraktive Verbindung mit direktem S-Bahn-Anschluss in Erdmannhausen“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Dieses Konzept bedeute die größtmögliche Kundenorientierung.

Perspektivisch verweisen die Landratsämter auf eine Bustrasse zwischen Murr und Marbach, die derzeit untersucht wird. Diese gehe aber mit „erheblichen Bautätigkeiten im Murrtal und erheblichen Baukosten“ einher, so die SPD-Ortsvereine. Zudem müsse der Anschluss der Bustrasse zwischen den beiden Tunneln auf der L1100 erfolgen, wo sich der Verkehr zu den Hauptverkehrszeiten staue. Von der Kläranlage würde der Bus dann wieder auf der normalen Strecke bis Marbach geführt und damit wieder im Stau stehen. Im Zuge der Strakregenereignisse der vergangenen Jahre sei es „unzeitgemäß“, bestehende Flusstäler zu bebauen. „Dies ist ein verheerendes und falsches Signal.“ Auch entstehe der Eindruck, dass die neuen Baugebiete im Bottwartal bei der Bewertung keine Rolle gespielt hätten. Dies sei keine vorausschauende Verkehrsplanung.

Dazu sagt das Landratsamt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass eine Zunahme der Bevölkerung sukzessive erfolge und dann eher die Schnellbuslinie von Beilstein über Großbottwar nach Marbach ausgebaut werden müsse. Der Aspekt Starkregen sei für den Bau unerheblich, da im Wesentlichen die Zufahrt zum Klärwerk und insbesondere der anschließende Wirtschaftsweg bis zur L1100 ausgebaut werde.

Die Stellungnahme wird nun in den beteiligten Kommunen beraten. Am Donnerstag zunächst in Marbach.

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