Logo

Abschied vom Grünzug hat in Mundelsheim begonnen

Nach dem positiven Bürgerentscheid für den regionalen Gewerbeschwerpunkt in Mundelsheim Ende Mai müssen nun weitere Schritte folgen. Noch ist das Areal nämlich als schützenswerter Grünzug eingeordnet.

Bürgerprotest gegen das geplante Gewerbegebiet in Mundelsheim: Eine Mehrheit stützt allerdings das Vorgehen der Kommune und der Region. Foto: Holm Wolschendorf
Bürgerprotest gegen das geplante Gewerbegebiet in Mundelsheim: Eine Mehrheit stützt allerdings das Vorgehen der Kommune und der Region. Foto: Holm Wolschendorf

Mundelsheim/Stuttgart. Der Mundelsheimer Bürgermeister Boris Seitz hat in diesen Tagen ein Ziel formuliert. Bis zum Ende des Jahres will seine Gemeinde das Eigentum an den Flächen im Gebiet Benzäcker an der A81 erlangen, um hier auf rund 20 Hektar ein Gewerbegebiet umzusetzen. Das Problem: Seitz bekommt es mit rund 100 verschiedenen Parteien zu tun.

Wie schwierig der Eigentumserwerb ist, erlebt seit fast drei Jahren Seitz’ Kollege Nico Lauxmann in Schwieberdingen. Seine Bürgerschaft gab bereits im Juli 2019 grünes Licht für einen regionalen Gewerbeschwerpunkt – seitdem laufen die Verhandlungen mit ähnlich vielen Eigentümern und Erbengemeinschaften wie in Mundelsheim. Der Zwischenstand: „Aktuell stimmt eine Mehrheit von über 50 Prozent einem Verkauf zu“, so Lauxmann.

Dass das Plebiszit in Mundelsheim Ende Mai nur ein erster Schritt war und weitere folgen müssen, ist auch Thomas Kiwitt, dem Planungsdirektor des Stuttgarter Regionalverbandes, klar. Der will die Flächen in Mundelsheim nutzen, um Hochtechnologiefirmen in der Region anzusiedeln, um so den Umwandlungsprozess der Autoindustrie zu unterstützen. „Grundstücksverhandlungen sind langwierig und aufwändig“, sagte Kiwitt gestern im regionalen Planungsausschuss in Stuttgart.

Dass rund 57 Prozent der Mundelsheimer für das Gewerbegebiet stimmten, obwohl sich Interessenten noch nicht aus der Deckung gewagt haben, wertet Kiwitt auch als Erfolg für die Region. „Wir haben einen sehr transparenten Informations- und Beteiligungsprozess angestoßen.“ Die Zusammenarbeit mit Seitz und seiner Kommune nannte der Planer „pragmatisch und unkompliziert“ – und das soll auch so bleiben.

Schließlich sind die Benzäcker noch als schützenwerter Grünzug im Regionalplan verankert, der nun geändert werden muss. Das dafür nötige Verfahren hat der regionale Planungsausschuss am Mittwoch angestoßen. Der Ausgang? Ist ungewiss. „Wir stehen noch am Anfang des Verfahrens“, sagte die Steinheimer SPD-Regionalrätin Regina Traub. „Da kann noch einiges kommen.“

Kiwitt will die Änderung bis Ende des Jahres 2023 durch die Regionalversammlung bringen. Ihm schwebt ein schlankes Verfahren vor. Nötig sind allerdings ein Umweltbericht und eine erneute Bürgerbeteiligung. Dazu muss sich Mundelsheim kommunale Partner für einen Zweckverband suchen. Die werden wohl deckungsgleich mit dem bestehenden Zweckverband „Ottmarsheimer Höhe“ in der Nachbarschaft sein: Besigheim, Gemmrigheim, Walheim, Hessigheim und Neckarwestheim. 2024 könnte dann das Bebauungsplanverfahren beginnen.

Die Fraktionen zeigten sich am Mittwoch größtenteils erleichtert, mit Mundelsheim aufs richtige Pferd gesetzt zu haben. Die CDU lobte, dass die Bürgerschaft intensiv in den Prozess einbezogen worden sei. „Diese Art des Umgangs muss der Maßstab für zukünftiges Handeln sein“, so der Stuttgarter CDU-Regionalrat Roland Schmid. Die Freien Wähler nannten das Ergebnis des Bürgerentscheids „Mut machend“. Sie hatten sich schon früh für die Umwandlung der Benzäcker ausgesprochen.

Der Remsecker Regionalrat Kai Buschmann bezeichnete den Planungsdirektor Kiwitt als „glaubhafte Figur“. Er erinnerte daran, dass das Votum für den Gewerbeschwerpunkt auch noch hätte kippen können – als wenige Tage vor dem Urnengang Starkregen die Straßen in Mundelsheim flutete und die Gegner des Vorhabens die anstehende Flächenversiegelung anprangerten. Da hatte Kiwitt allerdings bereits den Bau eines Regenrückhaltebeckens ins Spiel gebracht, das mit dem Gewerbegebiet umgesetzt werden soll und auf Pilot- und Forschungsprojekte zum Klimaschutz im Landkreis verwiesen. Am Mittwoch zeigte sich der Planungsdirektor froh – „dass wir in Mundelsheim Gott sei Dank nicht baden gegangen sind“.

Autor: