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Angler wollen Erlaubnis für das Parken am Neckar

Reaktionen auf Artikel in unserer Zeitung – Vorwurf der Willkür – Landratsamt Ludwigsburg verweist erneut auf Straßenverkehrsordnung und Naturschutzgesetz

Während Grundstücksbesitzer ihr Fahrzeug am Neckar parken dürfen, ist das für Angler verboten. Archivfoto: Andreas Becker
Während Grundstücksbesitzer ihr Fahrzeug am Neckar parken dürfen, ist das für Angler verboten. Foto: Andreas Becker

Freiberg/Benningen. „Parken am Neckar kann teuer werden“, lautete die Überschrift eines Artikels in unserer Zeitung vom 8. Februar. Dabei ging es um ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen einen Benninger, der am Neckar in Freiberg sein Auto abgestellt hatte, um zu seinem Grundstück zu kommen. „Parken in der freien Natur“, so der Vorwurf. In einer Stellungnahme stellte das Landratsamt Ludwigsburg fest, dass es „zum Zwecke der Bewirtschaftung eines Grundstückes“ erlaubt sei, dort zu parken. Die Anzahl der Parkverstöße am Neckar sei zuletzt gestiegen. Bei Anglern werde es am Neckar geduldet, ihre Ausrüstung aus dem Auto zu nehmen. Danach müsse das Fahrzeug auf dem nächstgelegenen zulässigen Parkplatz abgestellt werden.

Jetzt meldeten sich erzürnte Angler bei unserer Zeitung, die sich insbesondere an der Textstelle störten, „dass man dort offenbar Angler disziplinieren wolle“. Am Neckar würden nicht nur Angler, sondern auch Jogger, Fahrradfahrer und viele andere parken, schreibt Daniel Mensak aus Neckarweihingen per E-Mail, unterstützt von mehr als 70 weiteren namentlich genannten Personen. Die Angler würden sogar am meisten Rücksicht nehmen. „Wissen Sie überhaupt, dass Angler dort jährlich Aufräumaktionen machen und den Müll von sämtlichen Personen, die ihn dort hinwerfen, aufräumen?“, möchte Mensak wissen. Ein Angler hätte zudem die Neckarverschmutzung vom 20. Januar gemeldet; ein weiterer habe auf dem Weg zum Angeln am 22. Dezember im Freiberger Industriegebiet ein brennendes Auto gelöscht. „Seien Sie froh, dass dort Angler wie wir verkehren“, so Mensak. Er stört sich daran, bei entsprechender Wahl des Angelplatzes zweimal vier bis fünf Kilometer zwischen Angel- und Parkplatz gehen zu müssen.

Herbert Proksch aus Pleidelsheim wirft dem Landratsamt vor, „willkürlich“ zu handeln. Die Behörde hätte mit ihrem Verhalten ihre Kompetenzen überschritten. Er hält es für „angezeigt, zu prüfen, ob die Vorgehensweisen der Behörde mit rechtsstaatlichen Prinzipien vereinbar und verfassungskonform sind“. Die Angelausrüstung am Angelplatz auszuladen und das Auto zum nächstgelegenen Parkplatz zu bringen, sei ebenso ein Ding der Unmöglichkeit, wie sein Equipment in der Zeit unbeaufsichtigt zu lassen. Angler seien als Anlieger zu betrachten. „Sie haben die Fischereirechte am Neckar gepachtet, sie bezahlen dafür, sie besetzen, hegen und pflegen das Gewässer“, so Proksch. Angler müssten gleich wie Wengerter, Stücklesbesitzer oder Erntehelfer behandelt werden.

Für das Landratsamt Ludwigsburg hat sich an der gesetzlichen Ausgangslage nichts geändert. „An Gewässern wird bei den Anglern nur das Aus- und Einladen ihrer Ausstattung geduldet. Danach muss das Fahrzeug zum nächstgelegenen zulässigen Parkplatz umgestellt werden“, heißt es auch auf die zweite Anfrage unserer Zeitung. Mit einem erneuten Verweis auf die Straßenverkehrsordnung und das Naturschutzgesetz Baden-Württemberg macht die Behörde deutlich, dass sie das Thema nicht weiter kommentieren werde.

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