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Anonymer Brief sorgt für Unruhe

Im vergangenen Sommer ging ein Brief beim Marburger Bund ein, in dem anonym behauptet wurde, bei der Kliniken-Gesellschaft im Kreis würden Überstunden unterschlagen. Das brachte auch den Betriebsrat auf den Plan. Beide Organisationen fragten im Betrieb nach, doch bisher gab es keine Reaktionen. Noch immer ist man auf der Suche nach dem Verfasser des Schreibens.

Ein anonymer Brief über verlorene Überstunden sorgt für Verwirrung im Klinikum. Archivfoto: Daniel Reinhardt/dpa
Ein anonymer Brief über verlorene Überstunden sorgt für Verwirrung im Klinikum. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Kreis Ludwigsburg. Die Arbeit im Krankenhaus ist schwer – und das nicht nur in Coronazeiten. Immer wieder tauchen Vorwürfe auf, Kliniken würden geleistete Überstunden einfach nicht anerkennen. Manchmal stimmt die Kritik, doch in solchen Fällen wird mit offenem Visier gekämpft, sprich man weiß, wer welche Vorwürfe erhebt. In dem aktuellen Fall an den Kliniken des Landkreises Ludwigsburg ist das alles schwieriger nachzuvollziehen, denn es ist unbekannt, wer hier die Klinikleitung kritisiert.

Und darum geht es: Im vergangenen Sommer erhielt der Marburger Bund, die Interessenvertretung der Klinik-Ärzte, einen anonymen Brief. Darin wird der Leitung am Ludwigsburger Klinikum vorgeworfen, dass Überstunden aktuell nicht erfasst werden. Die neue „Geschäftsführerin“ wolle, dass wenige bis keine Überstunden in den Abteilungen anfallen. „Eine Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche sieht der Tarifvertrag vor. In der Realität sind es 55 bis 65 Stunden“, so der Vorwurf in dem Schreiben.

Dies habe man dem Marburger Bund mitgeteilt, doch dieser sei nicht bereit, „sich für unsere Rechte einzusetzen“, heißt es weiter. Die eigene Interessenvertretung wolle nur für einzelne Ärzte aktiv werden und nicht für ein anonymes Kollektiv. Dies wiederum sei für die klagenden Assistenzärzte schlecht, weil sie sich in einem besonderen Abhängigkeitsverhältnis zur Ludwigsburger Geschäftsleitung befinden würden.

Eine solche Kritik hört man beim Marburger Bund höchst ungern, zumal man sich zu Unrecht in eine Ecke gestellt sieht. „Wir vertreten alle Mitglieder, doch wir müssen die Vorwürfe verifizieren. Und genau in diesem Punkt sind wir nicht weitergekommen“, sagt Pressesprecher Michael Beck. Man habe den Brief bereits im Juni 2020 bekommen und sei daraufhin aktiv geworden. Man habe an die Mitglieder im Klinikum geschrieben und versucht herauszufinden, was an den Vorwürfen dran sei. Bisher gab es keine Reaktion. Keine einzige Person meldete sich zurück. Auch der anonyme Verfasser des Schreibens wollte sich nicht zu erkennen geben. „Wir wissen nicht, was in der Klinik los ist, denn es gab keine Resonanz. Vielleicht liegt nur ein Missverständnis vor. Wir wissen es nicht.“

Das Schreiben wurde auch an die Geschäftsleitung geschickt, die darauf prompt reagierte. Die neue Regionaldirektorin Anne Matros – nicht die Geschäftsführerin – schreibt an ihre ärztlichen Direktoren sehr deutlich, dass sie dafür zuständig seien, dass die tariflichen Vereinbarungen auch eingehalten werden. „Wir müssen die bestehenden Regelungen zur Arbeitszeit und zum Tarif umsetzen und einhalten“, schreibt die Regionaldirektorin in dem Brief. Die Leitung der Klinik weiß bisher noch nichts über den Urheber des Briefs. Eine Vorgabe, wie die Arbeit zu gestalten sei, habe es nie gegeben. Anne Matros bat lediglich darum, Überstunden abzubauen. Schließlich habe man in der ersten Coronawelle nur eine Belegung von 50 Prozent gehabt. Daher sei es möglich, in den chirurgischen Abteilungen die Überstunden zu reduzieren, heißt es in einer Stellungnahme.

Ein wenig Verwirrung auch beim Betriebsrat. „Wir waren von der Sache ebenso überrascht. Eine eigene Umfrage unter den Mitarbeitern brachte kein Ergebnis. Wir wissen nicht, wo wir anfangen sollen zu untersuchen. Bisher hat sich noch niemand gemeldet“, so der Vorsitzende Dr. Martin Oster. Auch eine Aufforderung an den Briefschreiber, sich anonym beim Betriebsrat zu melden, blieb bisher ohne Reaktion.

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