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Auch im Kirchenbezirk werden die Mittel künftig knapper

Premiere gelingt: Bezirkssynode Vaihingen-Ditzingen tagt wegen Corona-Pandemie erstmals virtuell – Rückgang der Steuereinnahmen betrifft die Basis

VAIHINGEN/DITZINGEN. Eine Bezirkssynode ist eine Veranstaltung, bei der Delegierte nicht nur Entscheidungen treffen, sondern sich auch vernetzen. Doch als die Vorsitzende Beate Ulmer die Bezirkssynode Vaihingen-Ditzingen am Freitagabend eröffnet, sitzen die Teilnehmer vor den heimischen Bildschirmen: Wegen der Corona-Krise findet das Treffen erstmals im virtuellen Raum statt. Die Delegierten sehen die Redner der jeweiligen Tagesordnungspunkte auf ihrem Monitor und können sich per Mausklick zu Wort melden oder im Chatverlauf eine Nachricht hinterlassen.

Das ungewohnte Format erfordert Disziplin, doch schon bald verläuft die virtuelle Synode in ruhigem Fahrwasser. Bei Abstimmungen ist zwar zunächst etwas Sand im Getriebe. „Ich finde das Abstimmungsformular einfach nicht“, wirft ein verzweifelter Delegierter in die Runde. Doch mit vereinten Kräften („Das Formular sieht aus wie ein kleiner Brief, mit Doppelklick geht’s auf“) werden Ungereimtheiten aus der Welt geschafft, und so gehen auch die Abstimmungen recht reibungslos über die Bühne. Im weiteren Verlauf wird sogar der Zeitplan minuziös eingehalten. Auch wenn der fehlende persönliche Kontakt vielfach auf Bedauern stößt: Die virtuelle Premiere darf als Erfolg verbucht werden.

Gemeinden profitieren

Die zuvor selbstständigen Kirchenbezirke Vaihingen und Ditzingen sind Anfang 2020 fusioniert. In ihrer Begrüßung heben die beiden Dekane Reiner Zeyher (Vaihingen) und Friedrich Zimmermann (Ditzingen) die Vorteile des Bündnisses hervor. „Manches läuft bereits in gewohntem Marschtempo, wir arbeiteten und wachsen immer mehr zusammen“, sagt Zimmermann. „Trotz aller Unterschiede: Wir profitieren voneinander“.

Verwaltungsarbeit übertragen

Das sei zum Beispiel im Betreuungsbereich der Fall. Die meisten Kirchengemeinden des Alt-Bezirks Vaihingen haben die Verwaltung ihrer Kindergärten bereits auf den Kirchenbezirk übertragen, mit Beginn des kommenden Jahres schließen sich auch die Kirchengemeinden Häfnerhaslach, Gerlingen, Hirschlanden, Heimerdingen und Markgröningen diesem Modell an. „Das verschafft den Kirchengemeinden Luft“, so Zimmermann. „Wir können den Gemeinden eine gute Kindergartenverwaltung zur Verfügung stellen“, betont Zeyher.

Weniger erfreulich ist dagegen die Entwicklung bei der Kirchensteuer. Das berichtet Ulrike Stäbler vom Kirchenbezirksausschuss, als sie die Finanzplanung bis 2024 vorstellt. In den vergangenen Jahren sei das Steueraufkommen konstant um drei bis vier Prozent angestiegen. Schon im laufenden Jahr aber lägen die Einnahmen der evangelischen Landeskirche nach derzeitigem Stand mit 670 Millionen Euro etwa 80 Millionen Euro unter dem Planansatz. „Die Zeit des relativen entspannten Verteilens ist vorbei“, so Stäbler. „Wir müssen jetzt in eine Phase der Priorisierung kommen, das wird harte Entscheidungen erfordern.“

Wenn die Einnahmen auf Landesebene zurückgehen, kommt auch weniger Geld an der Basis an. 2020 kann der Kirchenbezirk Vaihingen-Ditzingen 6,54 Millionen Euro an seine Kirchengemeinden verteilen, ein sattes Plus von 4,67 Prozent im Vergleich zu 2019. Auch in den kommenden zwei Jahren erwartet Stäbler noch eine leicht positive Entwicklung, die Verteilsumme soll bis 2022 auf 6,64 Millionen Euro ansteigen. Ab 2023 aber werden die Kassen knapper, dann kann der Kirchenbezirk nur noch 6,53 Millionen Euro an die Gemeinden weiterleiten (ein Minus von 1,68 Prozent im Vergleich zu 2022) – und das bei explodierenden Kosten, alleine 2021 wirken sich die Tarifabschlüsse durch vier Prozent höhere Personalausgaben auf sämtliche Haushaltsposten aus.

Der Etat 2021, den die Delegierten mehrheitlich verabschieden, sieht Erträge und Aufwendungen von 11.25 Millionen Euro vor. Davon entfallen 3.15 Millionen Euro auf den Bezirkshaushalt im engeren Sinn, 762 000 Euro auf die Diakonische Bezirksstelle Vaihingen, 36 000 Euro auf die Sigrun-Schopf-Diakonie-Stiftung und knapp 7.3 Millionen Euro auf die Kindergartenträgerstruktur. Die Gemeinden müssen eine Kirchenbezirksumlage von rund zwei Millionen Euro (plus 3,7 Prozent) finanzieren.

Nicht nur zurückblicken

2022 wird im Kirchenbezirk gefeiert: Der Alt-Kirchenbezirk Vaihingen wird 475 Jahre, die Markgröninger Bartholomäuskirche 750 Jahre alt. „Wir wollen nicht nur historisch nach hinten blicken, sondern die Jubiläen als Anlass nehmen, uns zu begegnen“, kündigt Albrecht Noller von der Projektgruppe Jubiläumsjahr an.

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