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Auf Brettern, die Kultur bedeuten

Erst war coronabedingt totale Flaute bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen, nun geht es plötzlich Schlag auf Schlag: Intendant Jochen Sandig und sein Team haben das „Fest Spiel Zentrum“ im Schlosshof aufgebaut, in dem auch Publikumsveranstaltungen parallel per Live-stream verfolgt werden können.

Los geht‘s: Anna Lucia Richter (links) und Johanna Summer kommen, übertragen wird in den Hof. Fotos: Kaupo Kikkas, Gregor Hohenberg/p, Holm Wolschendorf
Los geht‘s: Anna Lucia Richter (links) und Johanna Summer kommen, übertragen wird in den Hof. Foto: Kaupo Kikkas, Gregor Hohenberg/p, Holm Wolschendorf
Los geht‘s: Anna Lucia Richter (links) und Johanna Summer kommen, übertragen wird in den Hof. Fotos: Kaupo Kikkas, Gregor Hohenberg/p, Holm Wolschendorf
Los geht‘s: Anna Lucia Richter (links) und Johanna Summer kommen, übertragen wird in den Hof. Foto: Kaupo Kikkas, Gregor Hohenberg/p, Holm Wolschendorf
Los geht‘s: Anna Lucia Richter (links) und Johanna Summer kommen, übertragen wird in den Hof. Fotos: Kaupo Kikkas, Gregor Hohenberg/p, Holm Wolschendorf
Los geht‘s: Anna Lucia Richter (links) und Johanna Summer kommen, übertragen wird in den Hof. Foto: Kaupo Kikkas, Gregor Hohenberg/p, Holm Wolschendorf
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Ludwigsburg. Die Sonne strahlt über dem Schlosshof und der Intendant gleich mit: Jochen Sandig steht auf der 20 mal 30 Meter großen Plattform aus Holzbrettern, die samt ihren 21 rundum postierten Lautsprechern in den kommenden Wochen das „Fest Spiel Zentrum“ bilden wird. Die erfreuliche Entwicklung der Inzidenzzahlen erlaubt es, dass die Schlossfestspiele nun, nach einem überwiegend digitalen Festival-Mai, recht plötzlich auf beschränkten Normalbetrieb schalten können. „Es ist jetzt schon mehr möglich, als wir erwartet hatten“, erklärt Sandig, „aber wir sind auf alles vorbereitet.“

Und doch stottert der Motor in den ersten Tagen noch etwas. Durch die Schnelligkeit der Entwicklung ergibt sich am Donnerstag und Freitag die kuriose Situation, dass oben im Ordenssaal des Schlosses bereits die Sängerin Anna Lucia Richter und die Pianistin Johanna Summer musizieren, vor leeren Sitzen, während sich unten im „Fest Spiel Zentrum“ einige Dutzend Zuhörer – geimpft, getestet oder genesen – unter freiem Himmel versammeln können, um den kostenlosen Audio-Livestream zu verfolgen. Auf der digitalen Bühne der Festspiele ist derweil der Livestream samt Bild zu sehen. Die neueste Corona-Verordnung kam schlicht zu spät, um einen geordneten Vorverkauf und die Logistik samt Hygienemaßnahmen anzuleiern. Es sind Fragmente eines Neustarts – die doch optimistisch stimmen, dass in diesem Jahr am Ende etwas mehr möglich sein wird als in der vergangenen Saison. „Am meisten freuen wir uns alle auf die Präsenzkonzerte“, betont Sandig. „Sie ermöglichen Begegnungen, mit sich selbst und mit Anderen.“

Im Ordenssaal können in nächster Zeit voraussichtlich 60 Personen den Konzerten lauschen, im deutlich größeren Forum sind es entsprechend mehr. In diesen Spielstätten, aber auch an einigen Orten unter freiem Himmel sind kleine und etwas größere Kulturformate geplant. Darunter mischen sich immer wieder neue Akzente, die Jochen Sandig seit seinem Amtsantritt vor bald zwei Jahren in Angriff nehmen wollte, um die Festspiele offener, geerdeter, moderner zu gestalten. Neben dem Schlosshof als öffentlichem, leicht zugänglichen Bereich sind dies etwa die Wandelkonzerte am Monrepos und im Schloss (10. und 11. Juli), Tanz mit Sasha Waltz & Guests im Blüba (25. bis 27. Juni) oder gesellschaftspolitische Debatten („Auftakt Zukunft Dialog“, 18. Juni). Den Schlosshof möchte Sandig als „demokratischen Raum“ entwickeln, wie er am Mittwoch beim Pressegespräch einmal mehr betont. Platz für – oftmals kostenlose Kultur – und gesellschaftliche Debatten, das soll auch das „Zentrum“ ermöglichen, das noch mit einer Bühne, Blumen aus dem Blüba und tageweise einer LED-Leinwand ausgestattet wird. In einer kleinen roten Modulzelle wird es zudem Eintrittskarten geben. Apropos: Angesichts der noch etwas unklaren Perspektiven, inwieweit sich die Lage in den nächsten Wochen weiter entspannt und mehr Zuschauer zugelassen sein könnten, haben sich die Festspiele für einen dreistufigen Vorverkauf entschieden. Die Karten werden also nach und nach herausgegeben.

Auch die Festspielinsel im Oktober, eine mehrwöchige Reihe von Veranstaltungen aus dem Mai, die – gewissermaßen aus Corona-Trotz – nachgeholt werden, nimmt langsam Formen an. Bestätigt sind unter anderem bereits das Stegreif Orchester und das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch mit „Kontakthof“. „Es wird noch lange nicht so sein wie früher“, betont Intendant Jochen Sandig mit Blick auf die kommenden Wochen und Monate. „Aber wir können mehr machen als letztes Jahr – das Glas ist halbvoll, nicht halbleer.“

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