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Auf der Suche nach einer Vision für Marbach

Es war – coronabedingt – eine echte Premiere: Statt in der Stadthalle vor mehreren hundert Menschen, standen sechs der sieben Marbacher Bürgermeisterkandidaten den beiden LKZ-Redakteuren Stephan Wolf und Sabine Frick im Internet-Livestream Rede und Antwort – zum Teil durchaus unterhaltsam.

Mit Abstand und Aussage: Die Moderatoren und Kandidaten (von links) Sabine Frick, Dennis Rickert, Timo Jung, Edwin Kubotat, Stephan Wolf, Tobias Möhle, Andreas Freund und Jan Trost. Foto: Ramona Theiss
Mit Abstand und Aussage: Die Moderatoren und Kandidaten (von links) Sabine Frick, Dennis Rickert, Timo Jung, Edwin Kubotat, Stephan Wolf, Tobias Möhle, Andreas Freund und Jan Trost. Foto: Ramona Theiss
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Marbach. Um den Abstand von zwei Metern einzuhalten fanden sich der amtierende Bürgermeister Jan Trost und seine Herausforderer Timo Jung, Andreas Freund, Dennis Rickert, Tobias Möhle und Edwin Kubotat auch nicht auf dem Podium wieder, sondern jeweils in Zweiergruppen mit dem Leiter der Kreisredaktion, Stephan Wolf, und seiner Stellvertreterin Sabine Frick. Im Anschluss an die offizielle Fragerunde kamen auch Leserfragen zum Zuge.

Rund 350 Zuschauer verfolgten im Internet das Rededuell der beiden aussichtsreichsten Kandidaten Jan Trost, 45 Jahre alt und seit acht Jahren Bürgermeister von Marbach und seinem Herausforderer Timo Jung, 31, und Leiter der Zentralen Dienste beim Deutschen Städtetag. „Sie erben die Sanierung der Markstraße, wo wollen Sie denn noch eigene Akzente setzen?“ sprang Sabine Frick mitten hinein in die Marbacher Kommunalpolitik. Er wolle die Innenstadt neu beleben, gemeinsam mit Einzelhandel, Bewohnern und Gewerbe, da gebe es durchaus noch eigene Aktente zu setzen, sagte Jung. Zumal sich die Landesgartenschau für langfristige Perspektiven geradezu anbiete. Ihm gehe es darum, in Zukunft die Bürger vor einem Projekt einzubinden. Und nein, Marbach sei für ihn durchaus nicht nur ein Sprungbrett für Höheres. Warum nicht Backnang, wo gerade der OB-Posten frei geworden ist? „Weil Marbach viel schöner ist!“ parierte Jung.

Amtsinhaber Trost setzte auf seine Berufserfahrung. Die Sanierung der Marktstraße sei eine große Herausforderung, er sei jedoch sicher, „dass wir sie gemeinsam mit den Einzelhändlern stemmen“. Um alle Projekte zu finanzieren – Marbach muss neun Millionen Euro an Krediten aufnehmen – setzte Trost auf das Anzapfen von Fördertöpfen als Schlüssel zum Erfolg. Im Übrigen habe er als Kämmerer in Sachsenheim schon schwierige Krisen durchlebt. Herausforderer Jung wollte in einer „finanziell schlechter werdenden Situation“ eher Projekte priorisieren.

Wie er, Trost, denn im Fall seiner Wiederwahl die Verwaltung motivieren und einen gespaltenen Gemeinderat zusammenführen werde, wollte Moderatorin Sabine Frick wissen und spielte damit darauf an, dass es in der Verwaltung in der Vergangenheit geknirscht und dass der Gemeinderat dem Bürgermeister die Gefolgschaft aufgekündigt hatte. Trost sprach von dem großen Umbruch, den es in der Verwaltung gegeben habe; mit dem Gemeinderat wolle er „auf Sachebene“ weiterarbeiten.

Herausforderer Jung dagegen nannte auf die Frage, was ihn von Trost unterscheide, Marbach brauche eine Vision und die habe er; ein Bürgermeister müsse Impulse geben. Sein jugendliches Alte sage nichts über seine Kompetenz aus; er stehe „im Saft“ und sei voller Gestaltungsdrang.

Bei der Paarung Tobias Möhle/Edwin Kubotat – beides Quereinsteiger – forderte der Rielingshäuser Möhle eine Apotheke und einen Treffpunkt für seinen Stadtteil und weniger Schwerverkehr in der Kernstadt durch eine Umgehungsstraße. Kubotat setzte auf mehr Freiwilligkeit stat starrer Regeln, wollte das Kino in der Güntterstraße mit ehrenamtlicher Arbeit von Rentnern und Jugendlichen neu beleben und das Jugendhaus samt den Jugendlichen wieder mehr in die Innenstadt holen. Was die Erweiterung des Steinbruchs in Rielingshausen angeht, sagte Möhle, jetzt sei „eine Grenze erreicht“, Kubotat dachte angesichts der Nähe zur Wohnbebauung an andersartige, weniger belastende Sprengungen.kabarettistische Einlagen sorgte bei der Paarung Andreas Freund/Dennis Rickert, der Vertreter der „Partei“. Rickert forderte nämlich, neben kostenloser Kinderbetreuung und kostenlosem Nahverkehr einen Bierbrunnen in der Fußgängerzone. Freund setzte auf Shuttlebusse, um mehr Besucher in die Stadt zu bringen und die Umsätze in der Fußgängerzone zu erhöhen. Sein Credo: „Gemeinsam kriegt man ganz viel hin!

Mehr von der Kandidatenvorstellung lesen Sie in unserer Ausgabe vom Donnerstag.

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