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Auf viele warme Worte folgen kaum Taten

In Markgröningen kämpft eine Interessengemeinschaft gegen den Verkehrskollaps – und wird jetzt auch in Schwieberdingen und Sachsenheim vorstellig

Bitte lächeln: Solche Messgeräte wie im Markgröninger Ortsteil Unterriexingen sollen helfen, dass Autofahrer vom Gas gehen. Mit Bauchschmerzen blicken vom Verkehr geplagte Bürger auf die Ausbaupläne für die Gewerbegebiete in Schwieberdingen und Sachs
Bitte lächeln: Solche Messgeräte wie im Markgröninger Ortsteil Unterriexingen sollen helfen, dass Autofahrer vom Gas gehen. Mit Bauchschmerzen blicken vom Verkehr geplagte Bürger auf die Ausbaupläne für die Gewerbegebiete in Schwieberdingen und Sachsenheim. Foto: Becker, Essig, Drossel
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Foto: Andreas Essig
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Markgröningen. Autofahrer, die von Markgröningen nach Unterriexingen unterwegs sind, begrüßt am Ortseingang auf einer Tafel ein freundliches Smiley in Grün. Böse und rot wird es dagegen, sobald das Tempo überschritten wird – und das ist gar nicht so selten. Eine Interessengemeinschaft, die seit knapp einem Jahr gegen den Verkehr in der Stadt vorgeht, hat herausgefunden, dass 25 Prozent der täglich 11000 Autofahrer hier schneller als mit 50 Stundenkilometern unterwegs sind.

Abfinden wollen sie sich damit nicht. „Der Verkehr in unserer Stadt muss sicherer und erträglicher werden“, sagt die Sprecherin Gabriele Wilms, eine Goldschmiedin. Also wollen sie Tempolimits wie in anderen Kommunen auch, stationäre Blitzer, Induktionsblitzgeräte zur Kontrolle und Dokumentation der Laster, Fahrradspuren und Gehwegschutz für Kinder und Fußgänger. Längerfristig soll ein überregionales Verkehrskonzept her.

Tempo30 ist bereits abgelehnt

Seit Monaten sind sie im Austausch mit der Kommunalpolitik und dem Rathaus. „Die Akteure haben sich zumindest verbal hinter uns gestellt“, sagt Wilms. „Leider hat sich aber nicht wirklich etwas getan.“ Tempo30 an den wichtigsten Markgröninger Einfallstraßen habe das Landratsamt bereits abgelehnt. „Die örtlichen Gegebenheiten erlauben es wohl nicht“, so Wilms. Ihre Gruppe will jetzt wenigstens eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 Stundenkilometer erreichen. In einem Brief an die Interessengemeinschaft zeigt sich der Bürgermeister Rudolf Kürner zuversichtlicher. Er sieht dafür eine Chance, wenn im kommenden Jahr der Markgröninger Lärmaktionsplan aktualisiert wird.

Für Ärger sorgt in der Stadt immer wieder auch das Durchfahrtsverbot für Lastwagen. Kürner verweist auf Kontrollen der Polizei, die kaum Verstöße registrieren würde. Die IG führt dagegen Kühllaster ins Feld, die nachts durch die Stadt fahren und Traktoren mit Anhängern einer Firma, die tagsüber gesichtet werden – und das in ihren Augen nicht dürfen. Wilms: „Eine Kombination aus ständiger, stationärer und wechselnder Überwachung wäre optimal.“

Mit Bauchschmerzen blickt das Markgröninger Bündnis darüber hinaus in die Nachbarschaft. In Schwieberdingen etwa soll ein regionaler Gewerbeschwerpunkt entstehen, auf den auch der Sportwagenbauer Porsche ein Auge geworfen hat. Der sitzt zudem in Sachsenheim im Eichwald. Dort haben die beteiligten Kommunen einer Erweiterung zugestimmt und ein weiteres Grundstück an Porsche verkauft.

Umzingelt von Gewerbe

Die Markgröninger Interessengemeinschaft hat nun vor, auch in diesen beiden Kommunen aktiv zu werden. „Wir haben beschlossen nachzufragen, ob es auch Pläne gibt, wie man sicherstellen möchte, dass Markgröningen durch die Ausbauvorhaben nicht vollends vom Verkehr überschwemmt wird“, sagt Wilms. Zumal in Schwieberdingen auch die B10 vierspurig ausgebaut werden soll. Mit Blick auf Sachsenheim verweist Bürgermeister Kürner auf den angedachten Enzabstieg vom Eichwald in Richtung B10. Diskutiert wird seit Langem, getan hat sich aber noch nichts.

Der Markgröninger Schultes hat mittlerweile eine Unterschriftenliste der Interessengruppe an das Landratsamt in Ludwigsburg weitergeleitet. Die hat nun vorgeschlagen, eine weitere Smiley-Anlage Richtung Tamm abwechselnd an allen Ortseingängen aufzustellen. „Unser Profi für das Gerät in Unterriexingen hat der Stadt seine Unterstützung bei der Auswertung angeboten“, sagt Wilms. „Darauf wurde aber leider nicht eingegangen.“

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