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Energiewende

Aus Abfall entstehen Strom und Wärme

Im Jahr 2018 soll sich für den Landkreis Ludwigsburg der Kreislauf schließen. Der Bioabfall zwischen Stromberg und Strohgäu wird komplett verwertet und dient dann als Grundlage für Strom und Wärme. Die neue Biogasanlage am Waldhof in Richtung Löchgau hat aber noch einen weiteren Vorteil.

Ludwigsburg. Auch im Ludwigsburger Kreistag wird die Diskussion „Tank oder Teller„ schon länger geführt. Im Kern geht es darum, ob Lebensmittel zur Energieproduktion verwendet werden dürfen. Mit der neuen Anlage hat sich dieser Streit bald erledigt, denn am Waldhof in Bietigheim werden nur Bioabfälle verwendet.

Das Problem besteht schon seit längerem: Wie kann der eingesammelte Biomüll im Landkreis vernünftig verwertet werden? Die Nachbarn im Rems-Murr-Kreis standen vor ähnlichen Schwierigkeiten und hatten sich zu einer großen Biovergärungsanlage ganz in der Nähe von Backnang entschlossen. Der Rems-Murr-Kreis ist zufrieden mit seiner Technik, er verwendet das gewonnene Biogas zur Stromgewinnung und die Wärme zur Trocknung von Klärschlamm.

Eine solche Win-Win-Situation wollte man im Landkreis Ludwigsburg ebenfalls. Also wurde vor rund einem Jahr eine Biovergärungsanlage ausgeschrieben. Das Problem, die Anlage sollte die große Spanne zwischen 20 000 und 43 000 Tonnen Biomüll verarbeiten können. „Das war für uns eine echte Herausforderung. Mit so etwas hatten wir bisher keine Erfahrung. Wir haben uns auf die Suche nach kompetenten Partnern gemacht und mit diesen ein eigenes Konzept ausgearbeitet. Unser Angebot hat den Landkreis offensichtlich überzeugt“, sagt Rainer Kübler, Geschäftsführer der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen. Diese gehören zu dem Konsortium aus vier Firmen, das die zukünftige Anlage am Waldhof an der Straße zwischen Bietigheim-Bissingen und Löchgau betreiben soll.

Täglich sollen in der Anlage 192 Tonnen Biomüll und Grünschnitt verarbeitet werden. Das Material wird mit Biomüll-Fahrzeugen angeliefert, dann bereitet die Anlage den Biomüll auf und dieser wandert dann in den sogenannten Fermenter. Hier vergären Bakterien die Abfälle zu Biogas bei einer konstanten Hitze von etwa 55 Grad. Die gewonnene Wärme wird teilweise wieder zum Beheizen des Fermenters verwendet. Den Rest, das werden rund 1,5 Millionen Kilowattstunden sein, speisen die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen in ihr Fernwärmenetz ein. Damit werden die Bietigheimer Innenstadt und das Wohngebiet Kreuzäcker versorgt.

Die Stadtwerke werden zudem 8,7 Millionen Kilowattstunden an Strom aus Biogas abnehmen. „Das entspricht ungefähr einem Fünftel der heutigen Stromproduktion der Stadtwerke“, rechnet Geschäftsführer Kübler vor. Die Stromerzeugung läuft bisher hauptsächlich über Blockheizkraftwerke und Wasserkraftanlagen auf der Gemarkung von Bietigheim-Bissingen.

Es gibt aber nicht nur Energie in Form von Strom und Wärme. Die Biomüllanlage produziert auch Flüssigdünger und Kompost. Diese Produkte sollen an die Landwirtschaft oder an Landschaftsgärtner verkauft werden. Die Anlage rentiert sich allerdings nur, wenn große Mengen von Biomüll verarbeitet werden. Sie soll 365 Tage im Jahr laufen, täglich 24 Stunden. Aktuell kommt der Landkreis auf 23 000 Tonnen Bioabfall im Jahr.

Das Aufkommen soll in den nächsten Jahren allerdings noch deutlich erhöht werden. Die Anlage kann aber bis zu 43 000 Tonnen verarbeiten. Ein solcher Durchsatz ist auch vorgesehen, damit das kapitalintensive Abfallverwertungswerk profitabel arbeiten kann.

Sollte der Landkreis also noch einige Zeit benötigen, bis er das Material bis zu Vollauslastung liefern kann, sind die anderen Mitglieder des Betreiberkonsortiums bereit, die fehlenden Mengen beizubringen. Die Firmen investieren nach den bisherigen Planungen zwischen zwölf und 14 Millionen Euro in das Projekt. Die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen sind mit weiteren drei Millionen dabei, etwa für das notwendige Leitungsnetz.

Es hat sich aber auch schon Widerstand angekündigt. Vor allem Bewohner in Bietigheim befürchten Geruchsbelästigungen, außerdem sorgen sie sich wegen der zusätzlichen Belastung durch die Mülllaster. Bedenken kommen auch aus den angrenzenden Gemeinden Freudental und Löchgau.

Die Betreiber verweisen auf eine bewährte Technik. Die Abluft werde mehrmals durch Biofilter gereinigt. Außerdem sei die gesamte Anlage am Waldhof von einer Halle umschlossen – und hier würde man zudem mit Unterdruck arbeiten. Auf diese Weise könnten nach Angaben der Betreiber keine belästigenden Gerüche nach außen gelangen. Für die Anlieferung seien lediglich 20 zusätzliche Müllfahrzeuge notwendig und davon würde das grüne Kraftwerk ein großer Teil aus Richtung Norden anfahren.