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Ausreichend Wohnheimplätze noch frei

Die Stadt konnte die Zahl der Wohnheimplätze für geflüchtete 2020 ausbauen. Aktuell stehen deutlich mehr Plätze für die Anschlussunterbringung zur Verfügung, als Personen, die sie benötigen. Trotzdem gibt es Anlass zur Sorge. Eine Gruppe ist derweil besonders belastet: die Geduldeten.

In der Mörikestraße stehen im Neubau 80 Plätze für Geflüchtete in der Anschlussunterbringung zur Verfügung.Foto: Holm Wolschendorf
In der Mörikestraße stehen im Neubau 80 Plätze für Geflüchtete in der Anschlussunterbringung zur Verfügung. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Plätze reichen aus: Seit März ist die Fröbelstraße mit Raum für bis zu 120 Geflüchtete unter Leitung der Stadt. Die neue Unterkunft in der Mörikestraße mit 80 Plätzen kam Ende August hinzu. Was die Wohnheimplätze angeht, sieht sich die Stadt aktuell gut aufgestellt. „Wir haben deutlich mehr Plätze als Personen“, berichtet Mandy Dietz (Stabsstelle Flüchtlingsarbeit) dem Sozialausschuss des Gemeinderats. Ein gewisser Leerstand sei nicht nur für anstehende Sanierungen nötig. Ein Teil der Wohnplätze wird in naher Zukunft wegfallen, weil die Gebäude beispielsweise abgerissen werden oder Mietverträge auslaufen. „Wir können gar nicht alles voll belegen“, mahnte der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried. Bei der Zimmerbelegung müsse auch Herkunftsland, Religion und Geschlecht beachtet werden.

Betreuung erschwert: War im Jahr 2020 die Sorge um die Unterbringung vergleichsweise klein, sorgte die Corona-Pandemie für zusätzliche Herausforderungen in der Flüchtlingsarbeit. Durch die Vorgaben der Kontaktbeschränkungen fanden viele Beratungsgespräche mit den zwölf städtischen Integrationsmanagerinnen telefonisch statt, was angesichts der Sprachbarrieren keineswegs immer einfach war. Auch die Arbeit der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer wurde durch die Pandemie vielfach ausgebremst. „Die Angebote konnten nur teilweise fortgeführt werden“, so Mandy Dietz, „der Bedarf an individueller Begleitung wuchs“.

Erfolgreiche Wohnungssuche: Bei der Suche nach eigenem Wohnraum, sind private Netzwerke oft entscheidend. Insgesamt haben 134 Personen im vergangenen Jahr aus der Anschlussunterbringung ausziehen können, weil sie Wohnraum finden konnten. Die Hälfte dieser Menschen ist in Ludwigsburg geblieben.

Schwieriger Status: „Sorge bereitet die steigende Anzahl an Personen mit einer Duldung“, so Mandy Dietz. Wenn keine Arbeitsmöglichkeit besteht, komme auch die Bemühung um Integration an ihre Grenzen. 2020 waren von 643 Menschen in der kommunalen Anschlussunterbringung 130 Geduldete. Die Stadt rechnet damit, dass die Zahl der Menschen in Duldung sich weiter erhöhen wird. „Die schnelle Integration ist das A und O“, sagte Claus-Dieter Meyer. Er sorgte sich vor allem um die Menschen mit Duldung, die keine Möglichkeit haben, einer geregelten Beschäftigung nachzugehen. „So entsteht auch schnell ein falsches Bild in der Öffentlichkeit.“

Chance auf Arbeit: Von 385 Personen im Alter von 17 bis 63 Jahren haben 81 einen Arbeitsvertrag, weitere 15 einen Ausbildungsvertrag. Zwar überwiegen die befristeten Arbeitsverträge., doch haben immerhin 22 Personen einen unbefristeten Arbeitsvertrag. „Die Entwicklung ist positiv“, so Mandy Dietz. Flüchtlinge finden vorwiegend in der Reinigungsbranche, im Logistikwesen, Einzelhandel und Gastronomie eine Anstellung. Vereinzelt sind sie auch Handwerk und Altenpflege vertreten, heißt es im Jahresbericht.

Integration von Kindern: „Es ist wichtig, die Kinder in die Kita zu bringen“, betonte Elfriede Steinwand (Grüne). In diesem Punkt konnten Mandy Dietz und Fachbereichsleiter Volker Henning positiv berichten. Fast alle Kinder ab vier Jahren besuchen eine Kindertageseinrichtung. Nachholbedarf gebe es noch bei den Kindern unter drei Jahren.

Weniger Geld: Das Land unterstützt die Kommunen über den Pakt für Integration, doch im vergangenen Jahr sind die Mittel deutlich gesunken. Gab es 2019 noch 345146 Euro vom Land, konnte die Stadt 2020 aus diesem Topf nur knapp 60000 Euro schöpfen. Johann Heer (FDP) kritisierte sehr, dass die finanziellen Zuweisungen an die Kommunen zurückgefahren werden. „Da besteht akuter Handlungsbedarf.“ Das sah auch Seigfried so: „Uns langsam aushungern zu lassen, geht nicht.“

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