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Autor zwischen den Sprachen

Hunderte Filmrollen aus Margwelaschwilis Nachlass enthalten abfotografierte philosophische Bücher. Fotos: Chris Korner, DLA Marbach
Hunderte Filmrollen aus Margwelaschwilis Nachlass enthalten abfotografierte philosophische Bücher. Fotos: Chris Korner, DLA Marbach
Fotos mit Porträts von Giwi Margwelaschwili.
Fotos mit Porträts von Giwi Margwelaschwili.
Nachlass von Giwi Margwelaschwili kommt in den Kreis Ludwigsburg

Marbach/Berlin. Der Nachlass des deutsch-georgischen Schriftstellers Giwi Margwelaschwili (1927–2020) kommt ins Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA). Es wurde dem Haus als Stiftung übergeben, teilte das Literaturarchiv gestern mit. Der Nachlass besteht den Angaben zufolge aus einer Vielzahl von zum Teil noch unveröffentlichten Manuskripten, Tagebüchern, Korrespondenzen, zwei Laptops sowie einer Bibliothek in Gestalt von mehreren Hundert Filmrollen, die abfotografierte philosophische Bücher enthalten.

Margwelaschwili kam als Sohn georgischer Emigranten in Berlin zur Welt, landete nach dem Zweiten Weltkrieg im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen und musste dann in die georgische Hauptstadt Tiflis übersiedeln. Dort studierte er Germanistik und schrieb in deutscher Sprache Romane. Bekannte Titel sind „Muzal,“ „Die große Korrektur“, „Der Kantakt“ und die „Kapitän-Wakusch“-Trilogie.

Seit 1970 hatte Margwelaschwili in russischer Sprache für das Institut für Philosophie der Georgischen Akademie der Wissenschaften philosophische Texte verfasst, die bisher nur zum kleinen Teil veröffentlicht wurden. Unter Berufung auf Martin Heidegger und Edmund Husserl entwickelte Margwelaschwili eine eigene anspruchsvolle Theorie, in deren Mittelpunkt das Phänomen der Schriftlichkeit und die Differenz zwischen der realen Welt und der Welt der Texte stehen, wie das DLA gestern mitteilte.

Nach 1989 wohnte Margwelaschwili für mehr als 20 Jahre in Berlin, 2011 ging er zurück nach Tiflis. Sein Werk ist vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Brandenburgischen Literaturpreis, dem Kunstpreis Berlin, der Goethe-Medaille des Goethe-Instituts und dem Italo-Svevo-Preis. Durch die Übergabe des Nachlasses an die Marbacher Institution könne das umfangreiche Archiv nun erforscht werden, lobte Sandra Richter, Direktorin des Deutschen Literaturarchivs. Margwelaschwili „war in mehreren Sprachwelten beheimatet, ein Autor ,zwischen den Sprachen‘‚ mit einem bewegten Leben zwischen Ost und West“, so Richter weiter. (epd/red)