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Autoverkehr macht den Rehen das Leben schwer

Der Anfang der Problemstelle in Neckarweihingen. Hier wird es zweispurig und die Autofahrer geben Gas, zum Leidwesen der Rehe. Foto: Holm Wolschendorf
Der Anfang der Problemstelle in Neckarweihingen. Hier wird es zweispurig und die Autofahrer geben Gas, zum Leidwesen der Rehe. Foto: Holm Wolschendorf
Die Zahl der Wildunfälle um Neckarweihingen häuft sich. Dem Kreisjägerverband und dem zuständigen Jagdpächter ist die Lage bekannt.

Ludwigsburg. Die Landesstraße L1100 zwischen Neckarweihingen und Marbach ist seit einiger Zeit eine ungewollte Todeszone für Rehwild. Allein in der letzten vollen Dezemberwoche sind fünf Rehe in kürzester Zeit auf der Landstraße umgekommen. Das erzählen ein Anwohner und der zuständige Jagdpächter unserer Zeitung.

Begünstigt wird die Zahl der Unfälle unter anderem durch die Autofahrer, die die Feldwege im Nordosten von Neckarweihingen nutzen. Anwohner Erich Hägele erklärt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass einige Autos bei zu viel Verkehr auf der Landstraße gerne mal die Feldwege in Richtung Poppenweiler oder zum Marbacher Stadtteil Hörnle nutzen, um schneller nach Hause zu kommen.

Dadurch werden die Tiere im Waldgebiet nach Norden in Richtung der Straße getrieben. Auch der zweispurige Abschnitt auf Höhe der Hauptstraße von Neckarweihingen wird nach seinen Aussagen als „Rennstrecke“ genutzt.

Der zuständige Jagdpächter weiß Bescheid.

Das bestätigt auch der Neckarweihinger Jagdpächter Joachim Sommer. Seit Ende der 80er Jahre ist er in diesem Gebiet als Jagdpächter tätig. Das kleine Waldgebiet zwischen Ludwigsburg und Marbach beheimatet nach seinen Schätzungen nur rund zehn Rehe. In jedem Jahr erhöhe sich die Zahl der Rehwildunfälle zwischen November und Februar. Im gesamten vergangenen Jahr haben sich in seinem Bereich 15 Wildunfälle ereignet. Er sieht hier auch ein Problem mit den Spaziergängern im Wald. Diese Zahl sei seit Corona gestiegen, viele Familien nehmen auch ihren Hund mit und lassen ihn von der Leine. Das führt dazu, dass die Rehe auf eine Hetzjagd geschickt werden, für die sie schlichtweg nicht gemacht sind. Müssen Rehe zu lange vor einem Feind davonrennen, kann es leicht passieren, dass sie an Erschöpfung umkommen.

Deshalb appelliert Sommer hier auch an den gesunden Menschenverstand der Fußgänger, die in diesem Gebiet spazieren gehen. Er bittet alle Hundehalter, die Tiere im Waldstück anzuleinen und selbst auch auf den regulären Wegen zu bleiben, um unnötigen Stress für das Wild zu vermeiden.

Der Kreisjägerverband ist der gleichen Meinung

Dem stimmt auch Erik Müller zu. Der Pressesprecher der Kreisjägervereinigung fordert Fußgänger ebenfalls auf, Hunde anzuleinen, um die Schäden zu vermeiden.

Nicht nur an der Stelle in Neckarweihingen knallt es laut seiner Aussage oft. An stark befahrenen Straßen sei es häufig das Problem, dass es zu Wildunfällen kommt.

Die Jahreszeit hilft hierbei wenig, da die Rehe aus dem Dickicht kommen, sobald die Sonne untergeht. „Im Winter ist das Tageslicht kürzer, das heißt, die Tiere sind früher auf der Straße“, erklärt Erik Müller. Das fällt auf die Hauptverkehrszeiten, an denen noch mehr Autos als sonst unterwegs sind. Auch die Witterung spiele hier mit eine Rolle. Bei schlechter Witterung und schlechten Sichtverhältnissen könne man die Tiere erst spät auf der Straße ausmachen.