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Bauchladen trifft Wengerthäusle

Voller Elan und mit einem neuen Konzept ist die Leiterin des Museums im Adler, Judith Szulczynski-Bajorat, im Januar gestartet – dann kam Corona. Die Dauerausstellung wird wie geplant umgestaltet. Besucher können sich zum Infotag Mitte Juli anmelden. Das Haus soll im November wieder eröffnet werden.

Die neue Leiterin des Benninger Museums im Adler: Judith Szulczynski-Bajorat. Foto: Andreas Becker
Die neue Leiterin des Benninger Museums im Adler: Judith Szulczynski-Bajorat. Foto: Andreas Becker

Benningen. Bereits am Eingang wird der Besucher mit einer Neuerung empfangen: Statt eines bunten Mix im Vorraum hat die neue Museumsleiterin, die im Januar die Nachfolge von Christina Vollmer antrat, den Bereich klar strukturiert. Neben einer Garderobe und Ablagefächern in den Benninger Gemeindefarben informieren Plakate an der Magnetwand über Ausstellungen im Landkreis Ludwigsburg. Das Erdgeschoss hat Szulczynski-Bajorat nur moderat verändert. Eine Sitzecke lädt zum Verweilen ein. „Unser Museum lebt von der Kommunikation und den Geschichten.“ Besucher können im Hirschmannstüble (der Name erinnert an die Wirtshausgeschichte des Gebäudes) bei Kaffee, Getränken und Snacks ins Gespräch kommen oder Broschüren und Spiele im kleinen Museumsshop kaufen. Erhalten geblieben sind auch die Römerecke mit diversen Exponaten und Modellen und der dominierende Kachelofen in der Stube Hirschmannstube. Die drei Türen im Erdgeschoss werden grafisch in die Ausstellung integriert. „Damit erweitern wir unsere Ausstellungsfläche indirekt.“ Auch neue Medien, wie Touchscreen-Monitore und Tablets, sollen neben bewährten Texttafeln und Folien die Besucher ansprechen.

Die großen Veränderungen bringt das vom Gemeinderat beschlossene Konzept im ersten Stock. Dem Museum stehen dafür etwa 15.000 Euro zur Verfügung, so Szulczynski-Bajorat, die auch auf Fördergelder hofft. Die kleine Fläche am Treppenaufgang widmet sich dem Wanderhandel. Ein Bauchladen zeigt exemplarisch die Alltagsgegenstände, die die Händler anboten, die mit Handkarren, Rückentrage oder Körben von Haus zu Haus gingen. Im Angebot hatten sie neben Hosenknöpfen und Mausefallen auch handgemachte Bürsten oder Körbe, einzelne Händler flickten alte Kessel oder verpassten stumpfen Scheren wieder den nötigen Schliff.

Ein eigener Raum ist dem Weinbau gewidmet. „Weinbau steht für Benningen, wie kaum etwas anderes“, erklärt die Kunsthistorikerin und Museumspädagogin, die Kunstgeschichte, Europäische Ethnologie und Denkmalpflege in Bamberg studiert hat. „Ein kleines Highlight“ ist das von einem Bauhofmitarbeiter originalgetreu nachgebaute Wengerthäusle.

Die Dauerausstellung soll im Herbst größtenteils umgestaltet sein, eine Wiederöffnung des Museums ist am 7. November geplant. Die Wechselausstellung entfällt. Am 19. Juli sollen sich Besucher in kleinen Gruppen im Museum umschauen können – „damit wir nicht in Vergessenheit geraten“, so die Museumsleiterin. In einer Vitrine liegen diverse Arbeitsgeräte, die Korkenzieher an der Wand stünden für den Genuss am Ende der beschwerlichen Arbeit. Ein Modell neben schweren Butten zeigt die alte Kelter, die durchs Fenster auch im Original mit Blick auf die Weinberge zu sehen ist.

Im Museum wird buchstäblich jeder Zentimeter genutzt – auch der Flur. Dort sollen neben der historischen Entwicklung, dem Vereinsleben und der Kirbe Benninger Köpfe zu sehen sein: Porträts historischer Personen, aber auch lebender Legenden und herausragender Mitbürger. Gedanken, wer hier präsentiert werden soll, macht sich auch der Bund für Heimatkunde. Mehr möchte dessen Mitglied Margarita Schlegel aber nicht verraten. Beide Frauen loben den regen Austausch und die gute Zusammenarbeit. Szulczynski-Bajorat denkt über eine Erweiterung der Öffnungszeiten – bisher drei Stunden sonntagnachmittags – nach. „Das Haus hätte es verdient, dass es mehr geöffnet wäre. Wir müssen das aber auch personell abdecken“, sagt die Kunsthistorikerin und denkt dabei beispielsweise an Kulturmanagement-Studenten aus Ludwigsburg.

Info: Das Museum im Adler lädt am Sonntag, 19. Juli, zum Infotag ein. Besucher müssen sich telefonisch (07144) 1.33.29 oder (07144) 9060 oder per E-Mail unter museum-im-adler@gmx.de anmelden.

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