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Gumpenbachbrücke

Baustart spät und teurer als geplant

Kosten für Neubau der Gumpenbachbrücke werden mit 27 Millionen Euro beziffert - Vorarbeiten haben begonnen

Vor Monaten sind Bagger unter der Gumpenbachbrücke angerückt, seit vergangener Woche auch von der B 27 aus zu sehen. Foto: Benjamin Stollenberg
Vor Monaten sind Bagger unter der Gumpenbachbrücke angerückt, seit vergangener Woche auch von der B 27 aus zu sehen. Foto: Benjamin Stollenberg

Kornwestheim. Die Gumpenbachbrücke wird jetzt nach einer langen Zeit des Wartens und der Planung endlich erneuert – das ist die gute Nachricht. Allerdings sind die veranschlagten Kosten für Abriss und Neubau enorm gestiegen: Das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) geht inzwischen von Ausgaben in Höhe von 27 Millionen Euro aus. Im April 2019 war noch von „über 20 Millionen Euro“ die Rede. Und schon das war deutlich mehr, als man zu Beginn der Pläne kalkuliert hatte: 2014 lag die Kostenschätzung bei zwölf Millionen Euro.

Der offizielle Startschuss soll erst Anfang März erfolgen, die Vorarbeiten auf der Brücke haben jedoch bereits in der vorigen Woche begonnen. Drei Jahre wird die Bauzeit nach derzeitigem Stand betragen.

Die Maßnahme umfasst den Bau der neuen Brücke sowie der Lärmschutzwände und den Neubau der Ein- und Ausfädelungsstreifen an der Anschlussstelle Kornwestheim-Nord. Das neue Verbindungsstück mit jeweils zwei Fahrspuren pro Fahrtrichtung soll über eine Breite von mehr als 30 Metern verfügen. Der Abbruch und Neubau der Brücke erfolgt zu verschiedenen Phasen, so dass die B.27 zu jedem Zeitpunkt befahren werden kann, betont das RP. Die Arbeiten, die mit größeren Beeinträchtigungen verbunden sind, sollen in den Zeiten mit geringerem Verkehrsaufkommen, sprich während der Schulferien, durchgeführt werden. Der Bund bezahlt diese Maßnahme.

Zeitweise Sperrungen

Einen Vorgeschmack auf die Bauarbeiten und deren Auswirkungen haben die Verkehrsteilnehmer auf der B.27 in den vergangenen Tagen schon erhalten. Der rechte Fahrstreifen in Richtung Ludwigsburg ist von 7 bis 16 Uhr gesperrt, um bestehende Lärmschutzwände zu entfernen. Diese Vorarbeiten werden bis Mitte Februar andauern, wie das RP mitteilte. Direkt im Anschluss sollen die eigentlichen Arbeiten für den Ersatzbau beginnen. Außerdem werde eine provisorische Ausfahrt an der Anschlussstelle Kornwestheim-Nord hergestellt und unterhalb der Brücke gearbeitet. Während dieser Zeit könne die Straße „Unterer Klingelbrunnen“ unter dem Bauwerk zwar genutzt werden. Allerdings könnten kurzzeitige Einschränkungen beziehungsweise die Sperrung erforderlich werden.

Bereits im Sommer war hier gebaggert und gebuddelt worden: Von den Autofahrern auf der B.27 unbemerkt waren unterhalb der Brücke unter anderem Versorgungsleitungen für den Bau der Brückenstütze verlegt und ein Kanal neu gebaut worden. Auf dem ehemaligen Stadtwerkegrundstück an der Ecke Mühlhäuer Straße/Am Brückle ist eine Lagerfläche eingerichtet worden. Dort sollen Baumaterial, Container und Baufahrzeuge ihren Platz finden. Allein die Kosten für die Vorarbeiten werden mit 670.000 Euro beziffert.

Der Baustellenverkehr soll von der B.27 ausschließlich über die Anschlussstelle Kornwestheim-Mitte und von dort aus über Zeppelinstraße, Mühlhäuser Straße und „Am Brückle“ laufen, wie es bereits in einer Sitzungsvorlage der Stadt Kornwestheim im Vorjahr hieß. Angesichts der Großbaumaßnahme Gumpenbachbrücke sind alle Straßenbauprojekte in der Salamanderstadt darauf abgestimmt worden.

Der Zustand der Gumpenbachbrücke kann zweifellos als miserabel bezeichnet werden. Deshalb herrscht auf diesem etwa 500 Meter langen Teilstück der B.27 bereits seit vielen Jahren eine Tempobegrenzung von 60 Stundenkilometern. Vor zehn Jahren mussten sogar Netze auf der Unterseite angebracht werden. Diese sollen verhindern, dass abplatzende Betonbrocken Schaden anrichten. Ein Ersatz für die marode Brücke ist schon lange geplant, hat sich aber immer wieder verzögert.

Info: Das RP lädt für Montag, 10. Februar, um 18 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ins Kultur- und Kongresszentrum Das K ein.

Wie kommt es zu den Mehrkosten?

Als einen Punkt nennt das RP die Baupreisentwicklung: Die Kosten seien seit dem Jahr 2014 um mehr als 14 Prozent gestiegen. Außerdem seien bei einer Befahrung des Entwässerungskanals massive Schäden an den Rohren festgestellt, die vorher nicht bekannt waren. Aus diesem Grund müssen diese Kanäle erneuert werden. Bei der Kostenschätzung 2014 war zudem die Erneuerung der Aus- und Einfahrten an der Anschlussstelle Kornwestheim-Nord nicht vorgesehen. Aufgrund des schlechten Zustands wird das aber nun mitgemacht. Auch ist der Abbruch der maroden Brücke aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse aufwendiger und teurer als noch 2014 vermutet.

Kostensteigernd wirkt sich zudem die Herstellung des östlichen Teilbauwerks der Brücke in Seitenlage aus: Dafür sind laut RP aufwendige und teure Provisorien erforderlich. Die entsprechenden Kosten seien 2014 zu niedrig angesetzt worden. Hintergrund ist, dass ein sehr kompliziertes Verfahren zugrunde liegt. Zunächst wird das neue östliche Brückenbauwerk in Seitenlage, also parallel zu der bestehenden Brücke, auf temporären Widerlagern hergestellt. In der zweiten Bauphase wird der Verkehr in Fahrtrichtung Ludwigsburg über das neue östliche Brückenbauwerk geführt, während der Verkehr in Fahrtrichtung Stuttgart über das bestehende östliche Brückenbauwerk geführt wird. So kann das westliche Bauwerk abgebrochen und neu gebaut werden. Sobald dieses fertiggestellt ist, wird der Verkehr in Richtung Stuttgart verlegt, während der Verkehr in die Gegenrichtung auf dem neuen, östlichen Brückenbauwerk in Seitenlage verbleibt. In Bauphase drei wird das alte, noch bestehende östliche Brückenbauwerk abgebrochen. Im Anschluss werden die endgültigen Widerlager hergestellt. In der vierten und letzten Bauphase wird das neue östliche Brückenbauwerk, einschließlich Mittelpfeilern und Fundamenten, in seine endgültige Lage quer verschoben. Hierzu muss der Verkehr für beide Fahrtrichtungen auf das neue westliche Bauwerk verlegt werden.

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