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Besserer Schutz für Risikogruppen

Risikogruppen sollen für den Winter nach Plänen des Bundes mit vergünstigten FFP2-Masken ausgestattet werden. Auf den ersten Blick keine schlechte Idee, doch ein Rundruf bei Ludwigsburger Apotheken und ein Blick nach Bremen zeigt, dass auch Probleme lauern.

FFP-Masken sollen den Träger vor Partikeln, Tröpfchen und Aerosolen schützen.Foto: PixelboxStockFootage - stock.adobe.com
FFP-Masken sollen den Träger vor Partikeln, Tröpfchen und Aerosolen schützen. Foto: PixelboxStockFootage - stock.adobe.com

Ludwigsburg. Menschen, die zur Risikogruppe gehören, müssen besonders vor dem Coronavirus geschützt werden. Deshalb will der Bund ab Dezember FFP2-Masken günstig für Risikogruppen zur Verfügung stellen. 15 dieser medizinischen Masken sollen laut Bund an Menschen über 65 und an Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen verteilt werden. Nach Rechnung von Kanzlerin Angela Merkel eine Maske für jede Winterwoche. Auf Landesebene hat Bremen schon ein ähnliches Angebot gestartet. Dort kann jeder Bürger über 65 Jahre zehn FFP2-Schutzmasken im Monat erhalten. Diese Idee sehen die Ludwigsburger Apotheken allerdings mit Vorsicht.

„Der Gedanke ist unausgegoren“, sagt Eberhard Klünder von der Markt-Apotheke in Ludwigsburg. Zwar halte er den Schutz der Risikogruppen für sinnvoll, doch der Plan mit den vergünstigten Masken ist „unpraktikabel und schwierig“. Zunächst stelle sich für ihn die Frage, wer überhaupt zur sogenannten Risikogruppe zählt, die die Masken vergünstigt bekommen sollen. „Nicht jeder ab 65 Jahren gehört automatisch zur Risikogruppe“, sagt Klünder und spielt damit auch auf die Vorgehensweise in Bremen an. Dort können sich Senioren ab 65 Jahren seit vergangener Woche kostenlos FFP2-Masken zum Schutz vor einer Coronainfektion in den Apotheken abholen. Zunächst einmal sind dort zehn Masken pro Person und Monat festgelegt. Wie der Weser Kurier berichtet, standen die Senioren teilweise mehrere Hundert Meter vor den Apotheken Schlange, zum Teil sogar ohne Abstand und Maske, Personalausweise seien bei der Abgabe der Masken nicht kontrolliert worden. Bereits am Starttag seien so gut wie alle Masken vergriffen gewesen. „Hinzu kommt dann auch, dass dadurch der eigentliche Betrieb der Apotheken blockiert wird“, sagt Klünder.

Menschen, die in die Risikogruppe fallen und somit kostenlos oder vergünstigt an die FFP2-Schutzmasken kommen, benötigen Klünders Meinung nach ein ärztliches Attest, um zu verhindern, dass die Masken auch an Menschen ausgehändigt werden, die eigentlich gar nicht zur Risikogruppe zählen. „Doch wenn das eintritt, dann rennen die Leute den Ärzten die Bude ein und die Wartezimmer sind gnadenlos überfüllt“, so der Apotheker. Zudem müsse ein einheitlicher Maskenpreis festgelegt werden. Dieser variiere momentan zwischen zwei und vier Euro pro Stück.

Skeptisch ist auch Karin Renz von der Stadion-Apotheke. Zwar sei ein Engpass an Masken bei ihr momentan kein Thema. „Aber wenn wir die Masken wirklich vergünstigt herausgeben, wird es ganz schnell wieder zu einem Engpass kommen“, sagt sie. Viele Kunden hätten sich bei ihr bereits erkundigt, wann es denn auch in Ludwigsburg vergünstigte FFP2-Schutzmasken für Risikogruppen gebe. „Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie das alles ablaufen und wo die ganzen Schutzmasken eigentlich herkommen sollen“, sagt sie. Doch sie vermutet, dass es, falls der Bund dieses Vorhaben in die Tat umsetzt, überall zu Problemen wie in Bremen kommen wird.

Vorsichtig mit einer ersten Einschätzung ist Alexander Meyer von der Mylius-Apotheke. „Es ist zu früh, das alles jetzt schon zu beurteilen“, sagt er. „Falls der Plan so in die Tat umgesetzt wird, dann muss der Gesetzgeber dafür sorgen, dass auch genügend FFP2-Masken in den Apotheken vorhanden sind.“ Seit Oktober seien zwar wieder mehr Masken verkauft worden, doch „momentan sehe ich noch keinen größeren Engpass“. Auch die Preise für die Masken hätten sich langsam wieder dem normalen Niveau angepasst.

„Wenn die Masken zukünftig vergünstigt angeboten werden, dann wird es sicher Probleme geben“, sagt Claudia Henne von der Zeppelin-Apotheke. Auch sie habe, besonders seit die Maskenpflicht in der Innenstadt eingeführt wurde, wieder mehr Masken verkauft. „Die Nachfrage ist gestiegen“, sagt sie. Auch sie ist der Meinung, dass die Masken, die vergünstigt angeboten werden sollen, vom Bund bereit- und den Apotheken zur Verfügung gestellt werden müssten. „Ansonsten kommt es zu Lieferengpässen.“ Sie sieht in dieser Debatte eine Parallele zur Grippeimpfstoff-Thematik. „Vermutlich wird es auf das gleiche Problem hinauslaufen. Es wird gesagt, dass genug Impfstoff oder eben FFP2-Masken vorhanden sind, aber die Realität sieht ganz anders aus.“

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