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Bronzepferde halten die Stellung

Diesen Freitag würde er beginnen, am Wochenende wäre die Stadt an Enz und Metter Treffpunkt Tausender Besucher bei der größten Pferdeschau Süddeutschlands. Doch Corona hat das diesmal verhindert

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Leonhard Oesterle hat die Skulptur „Junges Pferd“ geschaffen und der amerikanische Bildhauer Douglas van Howd das Wildpferd am Enzsteg.Fotos: Alfred Drossel
Leonhard Oesterle hat die Skulptur „Junges Pferd“ geschaffen und der amerikanische Bildhauer Douglas van Howd das Wildpferd am Enzsteg. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Kein Fahnenschmuck, kein Festplatz: Nichts deutet auf den Pferdemarkt hin. Weil das Volksfest früh, nämlich im Mai, abgesagt wurde, gab es auch keine – vergeblichen – Vorbereitungen, sagt Stadtsprecherin Anette Hochmuth. Die Ehrengäste in den ausländischen Partnerstädten bekamen keine Einladungen, die Pferdepreisrichter wurden nicht angeschrieben.

Auch innerhalb der Stadtverwaltung und beim Bauhof findet der Pferdemarkt nicht statt. Die Polizei bezieht ihre Sonderwache am Festplatz nicht. Für die Bietigheim-Bissinger Autohändler kommt der Ausfall nicht ungelegen; sie hatten nämlich erstmals gar keine Autoschau in der Sporthalle geplant.

Vereine, Gastronomen und Schausteller trifft der Ausfall hart

Einigen Vereinen der Stadt, wie der Luftsportgemeinschaft und dem TSV, wird das Volksfest fehlen, weil die Einnahmen aus Tombola und Bewirtung fest im Budget eingeplant sind. Auch die wegen der Pandemie gebeutelte Gastronomie in der Stadt wird der Wegfall der Pferdemarktgäste empfindlich stören. Am meisten getroffen hat die Coronakrise Festwirt Karl Maier von Göckelesmaier. In diesem Jahr hat er an keinem seiner vier wichtigen Standorte seine Festzelte aufbauen und die Grills anheizen können. Maier hat seine Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Betroffen sind auch die Schausteller aus dem In- und Ausland. Bisher hat sich nichts an ihren Maschinen gedreht. Für einige wird die Krise sogar das Aus bedeuten.

Einzig zwei Bronzepferde deuten am Festplatz auf den Pferdemarkt hin. Das eine Pferd hat der Bildhauer Leonhard Oesterle 1974 geschaffen. „Junges Pferd“ nennt er seine Skulptur. Die doch eigenwillige Darstellung hat zuerst auf dem Platz am Enzsteg gestanden, bis der in Bietigheim geborene Deutsch-Amerikaner Alfred Geiger die Skulptur des klassischen Wildfangs der Stadt gestiftet hat. Diese Pferdeskulptur stammt von dem bekannten amerikanischen Bildhauer Douglas van Howd. Schon seit Jahrzehnten kommt Alfred Geiger aus Fair Oaks bei Sacramento mit seiner Familie zum Pferdemarkt. Auch er wird das Volksfest in seiner Heimatstadt vermissen.

Herber Verlust auch für Reitverein und Pferdezüchter

Für den Reiterverein der Stadt ist der fehlende Pferdemarkt ein herber Verlust, brachte doch das hoch dotierte Reitturnier namhafte Reiter in die Stadt – die Veranstaltung vor der Kulisse des Viadukts war stets eine großartige Werbung für den Reitsport. Pferdehalter- und Züchter aus dem ganzen Kreis und weit darüber hinaus bedauern den Ausfall der Pferdeprämierung, weil sie eine wichtige Orientierung der Zucht darstellt. Die beiden für die Pferdeprämierung verantwortlichen Tierärzte, Dr. Thomas Haag und Dr. Friedrich Lindner, haben in den vergangenen Jahren darauf ein verstärktes Augenmerk gerichtet.

Das Pferdemarktwochenende hat zu allen Zeiten die Bürgermeister und Oberbürgermeister der Stadt verstärkt gefordert. OB Kessing hat als Stadtoberhaupt an diesem Wochenende frei, aber als Präsident des Deutschen Leichtathletikverbands ist er bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Heilbronn gefordert.

Der Einzige in der Stadt, der aktuell auf den Pferdemarkt hinweist, ist der Getränkehändler Kiesel. Er hat die Aktion „Hol Dir den Pferdemarkt nach Hause“ gestartet. Kiesel bietet 300 Kästen in Ludwigsburg-Pflugfelden gebrautes Bier in der 0,3-Liter-Bügelflasche an, gibt eine Tüte Magenbrot und gebrannte Mandeln dazu. Stephan Kiesel: „Das bieten wir allen Pferdemarktfreunden an, damit sie wenigstens ein bisschen Pferdemarkt haben.“

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