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Bus soll schneller zur Bahn kommen

Wer mit dem Bus aus dem Bottwartal Richtung Marbach fährt, steht oft im Stau – und verpasst die S-Bahn. Ein Nadelöhr ist dabei die Landesstraße ab der Murrer Bergkelterkreuzung. Wie dieses mit einer Busspur umgangen werden kann, soll nun eine Vorplanung konkretisieren. Kurzfristig erhalten Busse zudem Vorfahrt an einigen Ampeln.

Noch teilt der Bus den Weg mit vielen anderen. Foto: Holm Wolschendorf
Noch teilt der Bus den Weg mit vielen anderen. Foto: Holm Wolschendorf

Bottwartal. Ursprünglich hatten die Großbottwarer Stadträte eine Busspur zwischen Murr und Marbach abgelehnt. Sie befürchteten, dass sich dadurch die Bewertung der Reaktivierung der Bottwartalbahn verschlechtert. Diese Bedenken wollte ihnen Tanja Dinkel von der Stadtverwaltung in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses nehmen: Das Landratsamt habe erneut bestätigt, dass die beiden Projekte getrennt voneinander betrachtet würden. „Durch die Busspur soll kein neuer Bus entstehen“, so Bürgermeister Ralf Zimmermann. Sie solle nur der Stabilität des bestehenden Fahrplans dienen.

Das Landratsamt will nun eine Vorplanung für die Busspur in Auftrag geben, um sich dann mit dem Land abzustimmen. Denn das will den Verkehrsfluss zwischen Autobahn und Marbach verbessern und plant dafür langfristige Umbauten, denen man nicht in die Quere kommen will. Die Hälfte der 10 000 Euro, die die Vorplanung kosten soll, wird auf die Kommunen von Marbach bis Beilstein aufgeteilt. Auf Großbottwar entfallen rund 900 Euro. „Das hört sich nicht viel an, aber ich kann dem in keinster Weise zustimmen“, blieb SPD-Rätin Angelika Maier bei ihrem Nein zur Busspur. Aus ihrer Sicht kann das Problem nur noch mit schienengebundenem Nahverkehr, also der Reaktivierung der Bottwartalbahn, gelöst werden. Aus eigener Erfahrung berichtete sie, wie der Bus bereits in Steinheim im Stau steht.

Auch wenn andere Räte ebenfalls auf die Bahn hoffen, stimmten sie für die Beteiligung an der Vorplanung. „Wenn weder Bahn noch Bus fahren, ist auch niemandem geholfen“, gab Paul Wien (FDP) zu bedenken. „Das ist vielleicht politisch ein schlechtes Zeichen“, sagt Markus Brosi (FBWV). Doch man müsse die Leute zum Busfahren bringen, damit es nicht zu noch mehr Verkehr auf den Straßen komme. Mit sieben Jastimmen und zwei Neinstimmen der SPD wurde die Beteiligung an der Vorplanung auf den Weg gebracht.

Doch worum geht es bei der Busspur genau? Und welche Wege sind noch im Gespräch, um den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu verbessern?

Busspur zwischen Murr und Marbach: Der Landkreis hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben, in dem die Gründe für die Verspätungen der Busse zwischen Bottwartal und Marbach untersucht und Lösungen vorgeschlagen wurden. Die Ergebnisse liegen seit zwei Jahren vor. Hauptursache für die Busverspätungen ist demnach der Streckenabschnitt zwischen Murr und Marbach, den Busse, Autos und Lkw gemeinsam nutzen. Entzerrt werden soll der Verkehr mit einer separaten Busspur, für die der Gutachter mehrere Trassen untersucht hat. Wo die Straße zwischen dem Flussbett der Murr und dem Felshang verläuft, ist dafür nicht genügend Platz. Deshalb wurde etwa auch ein möglicher Verlauf auf der Trasse der ehemaligen Bottwartalbahn untersucht, der jedoch mit großen Eingriffen in die Natur und hohen Kosten verbunden wäre. Als beste Möglichkeit hat sich ein Verlauf auf den Flur- und Freizeitwegen entlang der Kläranlage Häldenmühle erwiesen. Zwischen der Murrmündung und der Oehlerkreuzung wäre zudem eine Busspur entlang der Straße möglich. Diese beiden Abschnitte würden zusammen rund 1,3 Millionen Euro kosten. Die neue Voruntersuchung soll nun zunächst einmal klären, wie die Busspur vor dem Steinbruchtunnel an die Umgehungsstraße vom und ins Bottwartal angeschlossen werden kann.

Vorrang für Busse an Ampeln: Schneller geht es derzeit bei einer kurzfristigen Maßnahme zur Busbeschleunigung voran, die das Gutachten auch aufgezeigt hatte. Der ÖPNV soll demnach an Ampeln Vorrang erhalten. „Wir haben insgesamt acht Lichtsignalanlagen im Verlauf der Buslinien 460, 461 und X46 identifiziert, an denen es zu Fahrzeitverlusten im Busverkehr kommt und die mit der notwendigen Technik ausgestattet sind, um kurzfristig mit einer Busbevorrechtigung ausgerüstet werden können“, so der Pressesprecher des Landratsamts, Frank Wittmer, zum aktuellen Stand. Dafür würden die sogenannten Meldepunkte aktualisiert. Wenn sich der Bus diesen nähert, schickt er ein Signal an die jeweilige Ampel und kann bevorrechtigt passieren. Mit diesen Aktualisierungen hat man bereits begonnen, im Sommer sollen sie abgeschlossen sein.

Schnellbuslinie über Erdmannhausen: Im Sommer vergangenen Jahres hatten zunächst die Freien Wähler mehrerer Kommunen eine Schnellbuslinie nach Winnenden angeregt. Diese Linie könnte vom Oberen Bottwartal über Steinheim, Erdmannhausen und Affalterbach führen. So würde das Nadelöhr zwischen Murr und Marbach umgangen und der Anschluss an die S-Bahn verbessert, denn die Fahrgäste könnten dann am Bahnhof in Erdmannhausen zusteigen. Laut dem Landratsamt hat der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) diese mögliche Busverbindung inzwischen bewertet. „Auf dieser Grundlage stimmen wir derzeit das gemeinsame weitere Vorgehen mit dem Rems-Murr-Kreis ab“, so der Sprecher.

Reaktivierung der Bottwartalbahn: Eine Machbarkeitsstudie hatte ergeben, dass der Kosten-Nutzen-Faktor der reaktivierten Bahn deutlich unter dem Wert von 1,0 liegen würde. Dieser ist aber notwendig, um Fördermittel zu erhalten. Allerdings überarbeitet das Bundesverkehrsministerium derzeit, wie berichtet, die Vorgaben für Standardisierte Bewertungen, mit denen die Förderfähigkeit solcher ÖPNV-Projekte beurteilt wird. Mit den Änderungen rechnet man im Ladratsamt bis Anfang kommenden Jahres. Wann dann die überarbeitete standardisierte Bewertung der Bottwartalbahn vorliegt, sei jedoch noch nicht absehbar.

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