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Bus- und Bahnfahren wieder teurer

Alle Jahre wieder kommt das Christuskind – und der VVS mit einer Fahrpreiserhöhung ums Eck. Auch im kommenden Jahr. Nach der Pandemie soll sich das Prozedere allerdings ändern.

Fast so sicher wie das Amen in der Kirche: Alle Jahre wieder verlangt der VVS mehr Geld für die Fahrscheine in Bussen und Bahnen. 2022 soll es zu einer „moderaten Erhöhung“ kommen. Foto: Holm Wolschendorf
Fast so sicher wie das Amen in der Kirche: Alle Jahre wieder verlangt der VVS mehr Geld für die Fahrscheine in Bussen und Bahnen. 2022 soll es zu einer „moderaten Erhöhung“ kommen. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. In diesen Tagen wird ein Automatismus in Gang gesetzt, den so gut wie keiner stoppen will oder kann: die jährliche Fahrpreiserhöhung im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS). Aktuell, so ist zu hören, sitzen mal wieder die zuständigen Verkehrsunternehmen wie die Stuttgarter Straßenbahnen AG, DB Regio und Busbetriebe zusammen, um ein Ergebnis auszutüfteln. Was dabei herauskommen wird, steht in einem Papier, das der VVS am kommenden Mittwoch im Verkehrsausschuss des Stuttgarter Regionalverbandes erläutern will: eine moderate Verteuerung der Tickets voraussichtlich zum 1. April 2022.

Vor allem zwei Gründe werden dafür ins Feld geführt: die allgemeinen Kostensteigerungen anteilig zu decken und eine Finanzierungslücke aus der Tarifzonenreform des Jahres 2019 zu schließen. Seitdem gibt es in Stuttgart noch eine und in den umliegenden Kreisen wie Ludwigsburg nur noch vier Zonen. Das Land, die Landeshauptstadt und die Kreise machten damals rund 42 Millionen Euro locker – und verzichteten ausnahmsweise darauf, die Ticketpreise zu erhöhen. Die Belohnung: stark steigende Fahrgastzahlen. Danach wurde allerdings weiter fleißig an der Preisspirale gedreht, auch wenn der Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) das Angebot unterbreitete, teilweise die Kosten zu übernehmen, wenn auf eine Tariferhöhung verzichtet werden würde.

Gekniffen ist bei diesem Prozedere jedes Mal die öffentliche Hand: Der Verband Region Stuttgart, der Gemeinderat der Landeshauptstadt und die Kreistage werden zwar gefragt, ob sie die jährlich steigenden Ticketpreise mittragen. Doch wenn sie ablehnen, müssen sie das dann in den Kalkulationen der Verkehrsunternehmen entstehende Loch mit eigenem Geld stopfen. Und das will keiner, erst recht nicht in Pandemiezeiten. Also bleibt es meistens bei Grummeln – vielleicht aber nicht mehr lange.

Der VVS kündigt in seinem Papier für den regionalen Verkehrsausschuss ebenfalls an, dass nach Corona Beschlüsse für mehrere Jahre angestrebt werden. Das Ziel: das Verfahren effizienter zu gestalten und mehr Verlässlichkeit für die Fahrgäste und die Verkehrsunternehmen zu schaffen. Schon im vergangenen Herbst forderten etwa die Grünen, „den Mechanismus des jährlich steigenden Tarifs zu durchbrechen“. Deutliche Kritik an der bestehenden Praxis äußerte auch die SPD. Der Stuttgarter Regionalrat Thomas Leipnitz: „Es ist bedauerlich, dass es dafür eine Pandemie gebraucht hat.“

Das Virus hat auch dem VVS die Bilanz verhagelt. Zwischen Januar und April zählten die beiden Geschäftsführer Horst Stammler und Thomas Hachenberger rund 69,9 Millionen Fahrten mit Bahnen und Bussen, das sind 26 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, der in den Monaten März und April bereits stark von der Pandemie geprägt war. Gegenüber 2019 sank das Fahrgastaufkommen nach Angaben des VVS gar um 46 Prozent. Besonders betroffen laut den Verkehrsmanagern: der Gelegenheitsverkehr. Stammler und Hachenberger registrieren aber auch bei den Abos einen kontinuierlichen Rückgang.

Konsequenzen haben diese Zahlen selbstverständlich auch auf der Einnahmenseite: Den Rückgang in den ersten vier Monaten beziffert der VVS mit rund 29,2 Millionen Euro gegenüber 2020 und etwa 47 Millionen Euro gegenüber 2019. Allerdings werden die Ausfälle wohl überwiegend durch den ÖPNV-Rettungsschirm ausgeglichen.

Stammler und Hachenberger hoffen nun, dass die eingeleiteten Lockerungen für eine Erholung in den Bussen und Bahnen sorgen werden. In ihrem Papier für den Verkehrsausschuss heißt es aber ebenfalls: „Die Zahlen steigen nur langsam an.“

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