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Das Comeback der Bottwartalbahn

Das Verkehrsministerium macht den Menschen im Bottwartal und in Markgröningen Hoffnung, dass ihre stillgelegten Bahnlinien reaktiviert werden könnten. Eine Studie bescheinigt beiden Trassen ein besonders hohes Fahrgastpotenzial.

Gleise, die ins Nirgendwo führen: Auf den Bahnstrecken in Markgröningen (Foto 1) und im Bottwartal fahren seit Jahren keine Züge mehr. Das könnte sich nun ändern. Archivfotos: Alfred Drossel
Gleise, die ins Nirgendwo führen: Auf den Bahnstrecken in Markgröningen (Foto 1) und im Bottwartal fahren seit Jahren keine Züge mehr. Das könnte sich nun ändern. Foto: Alfred Drossel
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Kreis Ludwigsburg. Im Sommer scheinen die Signale für die Bottwartalbahn auf Rot zu stehen. In einem Brief teilt Landrat Dietmar Allgaier den Fraktionsvorsitzenden im Kreistag mit, dass eine Reaktivierung der Gleise zwischen Marbach und Beilstein wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Mit seinem Kollegen in Heilbronn hatte er eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die mehrere Verläufe prüfen sollte. Das Ergebnis: Nirgendwo überstieg der Nutzen die Kosten. Eine Chance auf eine Förderung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) des Bundes rückte damit in weite Ferne.

Doch jetzt könnte es zu einer Wende kommen, für die der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und das Karlsruher Planungsbüro PTV verantwortlich wären. Sie haben 42 stillgelegte Bahnstrecken im Land untersucht und auf ihre Fahrgastpotenziale abgeklopft. Demnach landet eine bis Heilbronn verlängerte Bottwartalbahn auf Platz zwei – mit deutlich mehr als 1500 Fahrgästen pro Schultag.

Ebenfalls in der ersten Kategorie mit sehr hohem Nachfragepotenzial: die Markgröninger Bahn über Möglingen bis Ludwigsburg und die Schusterbahn von Kornwestheim nach Untertürkheim. Die ersten, euphorischen Reaktionen kamen am Dienstag von den drei Grünen-Landtagsabgeordneten Daniel Renkonen, Jürgen Walter und Markus Rösler. „Die Ergebnisse sind ein Meilenstein für den ÖPNV im Kreis Ludwigsburg“, heißt es in einer Stellungnahme. „Jetzt kann die Reaktivierungswelle endlich anrollen.“ Der Markgröninger Stadtbaumeister Klaus Schütze machte erneut deutlich: „Wir wollen die Anbindung.“

Die Zeichen stehen offenbar günstig. Nach Angaben des Ministers Hermann hat der Bund vor, seine Fördermittel bis 2025 auf zwei Milliarden Euro pro Jahr zu versechsfachen. Außerdem stellt er in Aussicht, bei Reaktivierungen 90 Prozent der Baukosten zu übernehmen.

Das Land werde laut Hermann ebenfalls einen Beitrag leisten – unter dem Strich könnten so 96 Prozent zusammenkommen. Vor allem aber kann sich das Ministerium vorstellen, bei Vorhaben der ersten Kategorie die kompletten Betriebskosten zu stemmen. „Wir wollen stillgelegte Gleise im Land wachküssen und die Potenziale heben“, so Hermann am Dienstag in Stuttgart bei der Präsentation der Studie.

Tatsächlich sind die Ziele des Landes und der Bahnunternehmen ehrgeizig. Bis 2030 sollen die Fahrgastzahlen auf der Schiene verdoppelt werden – und zwar auch mit reaktivierten Strecken. Dass die funktionieren, machte am Dienstag der Konstanzer Landrat Zeno Danner deutlich, der bei seiner Wahl 2019 bekanntlich den Freiberger Bürgermeister Dirk Schaible besiegte. Mitte der 90er Jahre sei in seinem Landkreis zwischen Radolfzell und Stockach das „Seehäsle“ zu neuem Leben erweckt worden. Weitere Positivbeispiele sind nach Ansicht des Ministeriums die Ammertalbahn und Schönbuchbahn.

Trotzdem bleibt es dabei: Um Projekte wie die Bottwartalbahn aufs Gleis zu setzen, müssen sie weiterhin die Wirtschaftlichkeit in Form einer standardisierten Bewertung nachweisen – eine Hürde, die die Markgröninger Bahn überwunden hat. Allerdings gibt es laut Renkonen Hoffnung, weil Bund und Länder die Bewertungskriterien in einer Arbeitsgruppe anscheinend überarbeiten wollen, um die klimafreundliche Mobilität der Bahn stärker zu gewichten. „Außerdem sind Einzelfallregelungen angedacht“, so der Abgeordnete. „Der Kreis sollte nun schnellstmöglich Gespräche zur Bottwartalbahn mit Land und Bund aufnehmen.“

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