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Das dritte Glück des neuen Kneipenwirts

Ralph Bechtle wollte mit einer Kneipe die Altersvorsorge sichern. Doch dann kamen Corona und weitere böse Überraschungen. Aufgeben will der Oberriexinger aber nicht – und auch anderen in Not helfen.

Ralph Bechtle mit seinem Team im Old Inn im Vaihinger Ortsteil Kleinglattbach. Foto: Ramona Theiss
Ralph Bechtle mit seinem Team im Old Inn im Vaihinger Ortsteil Kleinglattbach. Foto: Ramona Theiss

Vaihingen/Oberriexingen. Im Innern laufen Spiele der englischen Premier League, über dem Tresen sind die Schriftzüge und Fanartikel vom VfB Stuttgart und von Schalke 04 zu sehen, an einer Wand hängt ein Schal von Borussia Mönchengladbach – man könnte meinen, Ralph Bechtle sei leidenschaftlicher Fußballfan. Doch weit gefehlt – für den Kfz-Mechaniker war die Übernahme des Old Inn in Kleinglattbach vor allem als Altersvorsorge gedacht und um den Oberriexinger Wirt, der die Pacht übernahm, mit einem zweiten Lokal zu unterstützen. Doch wie beim Fußball grätschte auch ihm so manches hinein. Er erfuhr aber auch viel Zuspruch – und will nun eine Steilvorlage, die sich ihm bot, nutzen, um Spenden für Flutopfer zu sammeln.

Begonnen hatte alles schon vor etlichen Monaten, als Bechtle der Gedanke kam, zu investieren. 2019 war er durch einen Bankmitarbeiter auf die zum Verkauf stehende Kneipe gekommen – „warum nicht?“, habe er sich gedacht, zumal sich alles glücklich zu fügen schien. Im April 2020 ging der Kauf über die Bühne. Und als wäre Corona für die Gastronomie nicht schon schlimm genug – mit den staatlichen Hilfen sei es aufgrund der kurzen Betriebszeit seines Pächters schwierig gewesen –, wurde da auch ein erster Wasserschaden entdeckt. Drei Monate lang seien die Profi-Trockner gelaufen. „Viel Lärm war das, dass die Bewohner hier das so lange mitgemacht haben, wundert mich.“

Im August schließlich konnte er das erste Mal öffnen – und es gab nach den vielen Schwierigkeiten einen Lichtblick: „Dafür lief es ganz gut“, sagt er – bis zum nächsten Lockdown. Und bis zum nächsten Wasserschaden, wohl eine Folge des ersten Rohrbruchs. Aber mit noch drastischeren Folgen, denn allein mit Trockengeräten war es nicht getan. „Es hieß, alles muss raus, um das Innere komplett trocken zu kriegen.“ Alles, das waren der Tresen, der Ausschank und die Fliesen. „Und die Frage war, wer zahlt das?“

Denn schnell waren 50000 Euro zusammen, obwohl er auch selbst Hand anlegte, wo es nur ging, ebenso halfen Freunde. Und da auch die Versicherung nicht alles übernahm, benötigte Bechtle einen weiteren Kredit – „aber ohne Theke und Tresen keine Kneipe“, sagt er, warum er die Ausgaben machen musste. Und nicht aufgeben wollte, wenngleich es durchaus Tage gab, an denen er seine Entscheidung „schwer bereute“. Aber nun, da alles fertig ist, sagt der Oberriexinger auch: „So wie es jetzt ist, bin ich zufrieden. Und das Finanzielle bekommt man in den Griff.“

Doch trotz der hohen Ausgaben – er machte weitere, um anderen zu helfen. Denn im Kontakt mit der Brauerei Dinkelacker erfuhr er, dass diese ihren Online-Shop umstrukturierte. Da kam ihm die Idee, die vielen Souvenirs wie Liegestühle, Krüge und Textilien komplett aufzukaufen, zu einem Preis von rund 5700 Euro. Und sie dann am Samstag, 25. September, in seiner Kneipe zu verkaufen, nicht zum tatsächlichen Verkaufspreis, sondern günstiger – „aber wenn jemand mehr zahlt, hab ich nichts dagegen“. Denn der Erlös soll an Flutopfer im Ahrtal gehen – und so auch sie etwas von seinem wiedererlangten Glück abbekommen.

Info: Der Verkauf der Dinkelacker-Artikel beginnt am Samstag, 25. September, um 9 Uhr im Old Inn, Schillerstraße 46, in Kleinglattbach.

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