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Der Küchenzauberer der Vesperkiche

Seit sechs Jahren leitet Wolfgang Dick die Zentralküche der Karlshöhe. Zusammen mit seinem Team bereitet er die Mahlzeiten für die Vesperkirche zu. Der normale Betrieb läuft trotzdem weiter. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie er die Aufgabe meistert und was die drei Wochen der Vesperkirche für ihn bedeuten.

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Ludwigsburg. Herr Dick, wie viele Essen kochen Sie für die Vesperkirche pro Tag?

Wolfgang Dick: Es sind 500 Essen am Tag. Wir haben die letzten Jahre die Erfahrung gemacht, dass die Essenszahlen nach oben gehen. Dieses Jahr hat Bärbel Albrecht, die Leiterin der Vesperkirche, gleich etwas höher angesetzt. Wir hatten letztes Jahr bis zu 627 Essen am Tag.

Der Betrieb in der Karlshöhe geht ja ganz normal weiter. Wie lässt sich das zusätzlich bewerkstelligen?

Wir müssen sehr auf unsere Mitarbeiter zählen und die ziehen auch alle mit. Es gibt keinen, der nicht dabei ist. Sie sind alle sehr bedacht auf die Vesperkirche. Es ist etwas mehr Stress, aber es ist zu bewältigen. Jeder zieht mit. Dadurch, dass es drei Wochen sind – eine absehbare Zeit – ist jeder bereit, das zu geben. Da es ja einem sozialen Zweck dient und wir eine diakonische Einrichtung sind, machen wir das natürlich gerne.

Wie läuft ein normaler Tag bei der Vesperkirche für Sie ab?

Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Frau Albrecht und Frau Vogt. Wir sind ein aufeinander eingespieltes Team. Bisher haben wir es so geregelt, dass wir um 11 Uhr liefern. Dann kommt der LKW. Es geht alles heiß raus. Wir machen kein „cook and chill“. Dann wird es unten von den Mitarbeitern ausgeladen. Anschließend werden die Temperaturen gemessen. Und um 11.45 Uhr beginnt die Essensausgabe. Das hat sich so eingebürgert und war von Anfang an so. Wir arbeiten von 6 Uhr an. Von 6 Uhr bis 11 Uhr, toujours volle Pulle. Wir wollen natürlich auch, dass es keine Verzögerungen gibt. Weder bei mir, noch bei der Vesperkirche, damit die Gäste auch pünktlich anfangen können. Die Leute warten ja auch auf ihr Mittagessen. Es ist alles organisiert. Es ist alles gemacht.

Ein straff organisiertes Programm. Aber was passiert, wenn das Essen ausgeht?

Frau Vogt oder Frau Albrecht können jederzeit anrufen und etwas nachordern. Für die normale Nachbestellung rufen sie um 12.15 Uhr an. Es ist schwer zu überblicken, aber Frau Albrecht hat das sehr gut im Griff. Wir liefern dann bis 13 Uhr. Es kann auch sein, dass sie sagt, ihre Beilagen reichen ihr, aber sie bräuchte noch Fleisch. Dann sage ich: Okay, aber das braucht ein bisschen länger. Dann bringe ich ihr schnell etwas mit meinem Auto vorbei. Der Lastwagen kommt aber trotzdem noch und holt eine größere Menge ab. Das ist kein Problem. Wir arbeiten Hand in Hand.

Das klingt nach viel Arbeit. Wann haben Sie mit den Vorbereitungen angefangen? Die Planung läuft schon seit Mitte November. Der Speiseplan muss erstellt werden und wir müssen überlegen, wie es sich koordinieren lässt. Da muss ich dann schon früh anfangen, da ich ja nicht konstant dabei bleiben kann. Der normale Betrieb läuft ja weiter und besonders vor Weihnachten häuft es sich mit den Veranstaltungen. Beim Speiseplan schauen wir, dass wir ein bisschen identisch sind mit den Speisen in der Karlshöhe. Fünf verschiedene Beilagen, kann ich nicht produzieren. Das reicht zeitlich nicht. Wir kriegen jeden Tag Lieferungen. An der Karlshöhe lassen sich solche Mengen nicht lagern. Jedoch wurde schon im Vorfeld aufgestockt und größere Mengen an Lebensmitteln eingekauft. Es sind einfach auch große Mengen ausgegeben worden. Wir sind es aber gewöhnt, im Großen zu Arbeiten.

Woher kommen die Lebensmittel, die Sie in der Küche verarbeiten?

Wir geben uns Mühe und schauen auch, dass regional eingekauft wird. Unsere Lieferanten sind alle aus dem Umkreis. Aber natürlich kriege ich im Moment keinen deutschen Salat. Es sind auch Lieferanten dabei, die uns etwas für die Vesperkirche geben. Wenn jemand uns zum Beispiel 100 Liter Milch gibt, dann nehmen wir das natürlich an und es wird dann für die Vesperkirche verarbeitet. Es ist ein sehr großes Netzwerk und es hat Zeit und Mühe gebraucht, bis man es aufgebaut hatte. Ich sage immer wieder, man darf nicht unverschämt sein. Man kann die Leute anfragen, ob sie bereit sind, etwas zu geben, für die Vesperkirche, für den guten Zweck. Und eigentlich ist keiner dabei, der dann sagt: Nein, ich gebe nichts. Und wenn er drei Kisten Äpfel gibt. Das ist egal. Dann sind dafür eben drei Kisten Äpfel da.

Was bedeutet die Vesperkirche für Sie?

Es ist eine Ehre für mich, da mitzumachen. Auch diese Menschen da zu unterstützen und die Helfer zu unterstützen, den Gästen das zu bieten. Ich geh immer wieder sporadisch runter, auch um geschwind zu fragen: Wie geht’s? Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu den Helfern. Da ist keiner dabei, der nicht Hallo sagt. Wir sind einfach ein sehr gutes Team und wir können darüber reden, wenn etwas mal nicht ganz so in Ordnung ist. Dann schauen wir, dass wir es besser machen. Das ist egal, das muss mir nicht eine Frau Albrecht oder eine Frau Vogt sagen, sondern das können auch die Helfer. Sie freuen sich eigentlich auf die Vesperkirche. So geht es mir auch. Manchmal fahre ich runter in die Kirche, um einfach Hallo zu sagen und kurz ein Schwätzchen zu halten. Natürlich nur, wenn Zeit ist und die Arbeit es zulässt. Da freu ich mich drüber und die Menschen unten freuen sich auch. Sehr viele Gäste kommen auf einen zu, wenn man anliefert, und sagen, dass auch sie sehr zufrieden sind mit dem Essen und dass wir so etwas anbieten.

Den Gästen gefällt es also. Haben Sie Stammkunden?

Die Menschen, die kommen, sind sehr zufrieden. Die freuen sich eigentlich schon das ganze Jahr über auf die nächste Vesperkirche. Dort müssen sie nicht alleine am Tisch sitzen. Man weiß ja nie, mit wem man am Tisch sitzt. Es gibt Leute, die nicht nur an zwei Tagen während der Vesperkirche kommen, sondern des Öfteren da sind und vielleicht fünfmal die Woche kommen. Natürlich gibt es Freundesgruppen, die sich dort treffen. Es spricht sich rum. Die Leute fragen sich gegenseitig, ob sie zur Vesperkirche gehen und verabreden sich – auch ganz verschiedene Kategorien an Menschen.

Sie scheinen den Kontakt mit den Leuten zu mögen. Woher kommt das?

Ich scheue mich nicht, auf die Menschen zuzugehen, wenn ich unten bin. Ich habe ja bei der Arbeit in der Karlshöhe auch mit Menschen mit Behinderung zu tun. Wenn jemand da ist, frage ich, ob ich die Tasse oder den Teller tragen oder das Essen schneiden soll. Für mich ist das gang und gäbe. Wir sind einfach eine diakonische Einrichtung. Wir nehmen, aber wir geben auch sehr viel. Es ist wichtig, dass es so etwas wie die Vesperkirche gibt. Man vergisst es oft, denn es geht zu schnell in den Alltag über. Aber man tut auf jeden Fall etwas Gutes für die Menschen. Auch meine Mitarbeiter geben das von Herzen gerne.